Venga! hat die Wintermonate gut geschützt in der Marina Messolonghi verbracht. Wir haben uns dort rundum wohlgefühlt – die Community, das Büro, die Marineros sowie Shops und Restaurants ließen kaum Wünsche offen.
Gegen Ende wurden uns die Arbeiten am Hafen und am Boot allerdings etwas zu viel. Umso größer ist jetzt die Freude, endlich wieder unterwegs zu sein.
Doch wie so oft gilt: Bei den ersten Touren – unseren kleinen „Werftprobefahrten“ – tauchen noch einige Restarbeiten auf …
Samstag, 14.03.2026 – Messolongi – Bojenplatz Ormos Oxia – 20 Seemeilen
Die Sonne lacht von einem blauen Himmel – es verspricht ein schöner Tag zu werden. Nur Wind gibt es leider keinen. Aber das ist gar nicht so schlimm, denn wir wollen ja heute auch einmal testen, wie die Ladung der neuen Batterien unter Motor funktioniert. Aber erstmal brauchen wir einen starken Kaffee, denn die gestrige „Abschiedsparty“ hat Spuren hinterlassen. Irgendein Getränk war wohl zu viel… Barbara bereitet die Achterleinen für ein entspanntes Ablegemanöver vor, dann machen wir die Abschiedrunde auf unserem Steg. Endlich ist es soweit: die Mooringleinen werden gelöst und sinken langsam zurück auf den Grund. Werner kuppelt die Maschine ein und wir lösen die letzte Achterleine. Venga! schiebt sich nach 3,5 Monaten langsam aus ihrem Liegeplatz. Der Propeller scheint einigermaßen frei von Bewuchs zu sein, denn der Schub ist ganz normal. Im Kanal gleiten wir an den Fischerhäuschen und jeder Menge Kormorane und Reiher vorbei. Wir haben einen niedrigen Pegelstand und so stehen die Reiher wenige Meter vom Fahrwasser nur bis zum Knöchel im Wasser. Den Tonnenstrich zu verlassen, ist hier keine Option.






Im Golf von Patras erwartet uns eine unerwartete Welle, die schräg von hinten anläuft. Offensichtlich läuft die Strömung gegensätzlich und das macht die Wellen hin- und wieder etwas unberechenbar. Unser Boot auf dem Plotter fährt rückwärts und der Autopilot hält nicht den Kurs. Da ist also irgendetwas noch nicht so, wie es sein soll. Für eine Kalibrierungsfahrt ist die See aber zu unruhig, also schauen wir eher auf das IPAD und steuern selbst. Nach gut drei Stunden biegen wir in den schmalen nach Norden verlaufenden Sund zwischen dem Festland und der Insel Nisi Oxia ein. Hier beruhigt sich die See schnell. Der Ankerplatz ganz im Norden dieses Sundes, ist unser Ziel. Dort gibt es ein gutes Duzend Mooringbojen und an einer davon legen wir mit zwei Bugleinen an. Zu dieser Jahreszeit kosten diese Bojen nichts und wir können erstmal eine entspannte „Eingewöhnungsnacht“ genießen, ohne uns Sorgen um den Anker zu machen. In Sichtweite ankert die Suri, die einen Tag vor uns den Hafen Messolonghi verlassen hat. Wir genießen die Ruhe, eine „Ankergetränk“ in der Sonne und einen wunderschönen Sonnenuntergang – das hat uns gefehlt! Abends schläft der Wind komplett ein und Venga! dreht sich unmotiviert an der Boje, die mit ihr zu kuscheln beginnt. Das produziert ein recht lautes Klopfen am Rumpf, das wir mit einem Flachfender unterbinden können. So steht einer ruhigen Nacht nichts mehr im Wege. Abends kümmern wir uns um den Bericht #65, was dank sehr guter Internet-Netzabdeckung kein Problem ist.







Sonntag, 15.03.2026 Bojenplatz Ormos Oxia – Ankerplatz Vathy/Ithaka – 22 Seemeilen
Unser Plan ist aufgegangen – wir hatten eine sehr ruhige Nacht. Ein leichter Wind sorgte dafür, das Venga! wieder auf Abstand zur Boje ging und es kein weiteres Klopfen am Rumpf gab. Um uns herum war es wunderbar still. Wir genießen den Morgenkaffee im Cockpit und schauen in die Wetter-Apps. Es kündigt sich ein Wetterwechsel an und spätestens am Dienstag wird es an diesem Platz recht ungemütlich. Wir beschließen schon heute nach Ithaka zu segeln, um so bei Sonnenschein unterwegs sein zu können. Nur unter Genua und bei überwiegend Raumschotwind, laufen wir Richtung Nordwesten mit dem Ziel Vathy auf Ithaka. Dort haben wir uns bereits letzten Herbst vor schlechtem Wetter versteckt. Die Bucht ist nahezu von allen Seiten geschützt und der Ankergrund aus Sand und Schlamm hält richtig gut. Nach zwei Dritteln der Strecke schläft der Wind ein und vor uns fangen die ersten Wolken an, sich aufzutürmen. Als wir ein Gewittergrollen in der Ferne hören, beschließen wir, den Rest unter Maschine zu laufen. Als die Sonne hinter den Wolkenbergen verschwindet, zieht die Temperatur sofort an. Der Skipperin wird es am Steuerrad zu kalt – die „Ostseebekleidung“ muss raus.
Wegen des nicht arbeitenden Autopiloten kommuniziert Werner noch unterwegs mit Jürgen Sievers, unserem Bootselektriker des Vertrauens. Außerdem wir fleißig gegoogelt, um den Fehler einzugrenzen. Kurz vor dem Ziel im Wellenschatten von Ithaka fahren wir Kalibrierungskreise und stellen fest, dass der digitale Kompass nicht mitdreht. Also scheint er der Übeltäter zu sein. Entweder ist im Verlauf des Einbaus der neuen Raymarine Anzeigen etwas kaputt gegangen, oder es hat sich ein Kabel gelöst, oder, oder ,oder… . Das muss in Ruhe untersucht werden.








Wir lassen den Anker fast an der gleichen Stelle fallen, wie im Herbst – der Mensch ist ein Gewohnheitstier! Und zu unserer Freude kommt nun auch die Sonne wieder raus und scheint unter die Sprayhood. Da kann man sich gleich wieder entblättern, bevor es zum „Beine vertreten“ mit dem nun einwandfrei startenden Außenborder am Dinghi an Land geht. Der Ort scheint langsam aus dem Winterschlaf zu erwachen. Es haben einige Tavernen geöffnet – das war im November nicht der Fall.











Montag, 16.03.2026 Vathy/Ithaka – Hafentag
„Eigentlich“ soll es heute fast durchgängig regnen – so jedenfalls gestern die Vorhersage. Als wir beim Morgenkaffee erneut das Wetter checken, sieht es für den Vormittag noch trocken aus. Also nichts wie los zu einer ersten Wandertour. Auf Komoot haben wir eine passabel erscheinende Runde gefunden.
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2829990110
Wir vertäuen das Dinghi gut an der Promenade und steigen erstmal auf schmalen Wegen durch den malerischen Ort auf. Dabei können wir den Blick immer wieder über die hübsche Bucht schweifen lassen. Dann folgen wir einer kleinen Straße, die uns auf die Ostseite der Insel führt. Es geht vorbei an uralten Olivenbäumen und jeder Menge Frühlingsblüher. Mit ansteigendem Weg wird uns warm und wir entledigen uns einer Zwiebelschicht nach der anderen. Hinter der dünnen Wolkenschicht ist eine blasse Sonne erkennbar. Oberhalb der Filiatro-Bucht biegen wir in einen schmalen Pfad ab. Dieser führt uns vorbei an blühenden Salbeifeldern mit wunderbaren Ausblicken auf das türkisfarbene Wasser unter uns. Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde…














Wir passieren eine Kapelle neben einem mächtigen Olivenbaum und folgen dem schmalen Pfad, der uns hinauf auf den höchsten Punkt der Wanderung führt. Um uns herum herrscht nun dichtes Grün. Von hier geht es wieder abwärts. Es wird immer schwieriger den unmarkierten Pfad auszumachen. Komoot ist da eine echte Hilfe, denn immer wieder kreuzen Ziegenpfade und dann hilft der Blick auf die Karte bei der Entscheidung, welchem Pfad man folgen muss. Nach einem etwas kniffeligen letzten Abstieg, erreichen wir die Gidaki-Bucht mit ebenfalls beeindruckend türkisfarbenem Wasser. Über ihr steigen steil Kalksteinwände auf, die Einschlüsse und Schichten aus deutlich festerem Flintstein aufweisen. Hier gibt es sogar (im Sommer) eine kleine Taverne, die nun verwaist daliegt. Wir nutzen die Treppenstufen davor für eine kleine Rast, als sich gerade die Sonne hervorkämpft. Im Sommer stehen hier Sonnenliegen unter Sonnenschirmen, liegen Unmengen an Booten in der Bucht und ist es bestimmt nicht so friedlich, wie heute.















Ab hier ist der Weg nun deutlich besser, aber natürlich geht es erstmal wieder bergauf. Wieder ändert sich die Vegetation. Wir laufen nun unter Steineichen und Pinien auf Waldboden. Rechts und links blüht mannshohe weiße Erika/Heide mit Zistrosen um die Wette. Nachdem wir einen Bergsattel erreicht haben, geht es wieder nach unten zum Wasser zur Skohoinos-Bucht. Hier beginnt die Zivilisation wieder. Erste Häuser sind zu sehen und Geräusche von Motorsägen erreichen uns. Hinter der Bucht stößt der Pfad auf eine kleine Straße, die uns zurück nach Vathy bringt – natürlich wieder mit stetigem auf und ab. Am Ende der Wanderung errechnet Komoot 430 Höhenmeter auf 11 Kilometern. Wir sind zufrieden. Es geht zurück zum Boot, wo wir das Frühstück bei zaghaften Sonnenstrahlen im Cockpit genießen können, bevor es anfängt zu nieseln. Nachmittags gönnen wir uns Kaffee und Kuchen in der einzigen geöffneten Bäckerei des Ortes am Hafenplatz, bevor wir uns der Fotosichtung zuwenden.






Dienstag, 17.03.2026 Vathy/Ithaka – Hafentag
Heute will die Sonne sich gar nicht zeigen. Es regnet von morgens bis abends und wir machen es uns mit Buch, Hörbuch und Strickstrumpf im Salon gemütlich. Die Dieselheizung sorgt dafür, dass es warm bleibt. Gerade an solchen Tagen sind wir sehr froh über unseren Deckssalon, der immer den Blick nach draußen erlaubt. Der Wind nimmt zu und es pfeift im Rigg. Aber unser Anker ist gut eingefahren und in dieser Bucht besteht der Meeresboden aus Sand und Schlick und hält sehr gut. Werner begibt sich auf die Fehlersuche zum Kompass, der auf der Anzeige nur „Nullwerte“ bei der Position anzeigt. Er findet ein loses Kabel und freut sich, dass die Anzeige nun zumindest wieder funktioniert. Als nächstes schauen wir uns in einer Regenpause die Befestigung des Großbaums am „Lümmelbeschlag“ an. Der Baum wackelt, was daran liegt, dass er hier zu viel Spiel hat. Wir verschieben die Reparatur aber lieber auf einen Hafen, in dem wir ggf. eher Zugriff auf fehlende Teile haben.






Mittwoch, 18.03.2026 Vathy-Ithaka – Blue Bay/Meganisi – 20 Seemeilen
Für morgen ist richtig schlechtes Wetter und ziemlich starker Wind hier in Vathy vorausgesagt. Weiter im Norden soll es ruhiger sein. Und für heute ist der Wind eher moderat bis schwach. Also beschließen wir, ihn für eine kurze Tour Richtung Norden zu nutzen. Vielleicht können wir sogar segeln? In Vathy ist es nahezu windstill und Welle kommt hier bei südlichen Winden schon gar nicht an. Anders ist es draußen. Da begrüßt uns eine „alte“ Welle aus Süden gepaart mit einer Strömung aus Norden – unangenehm. Der Wind reicht nicht wirklich zum Segeln, aber wir versuchen es trotzdem. Müssen aber schon nach einer knappen Stunde einsehen, dass das wenig Sinn hat. So wechseln wir zum „Motorsegeln“ unter gesetztem Groß. Damit liegt Venga! etwas stabiler in der Welle und rollt nicht ganz so stark. An der Westküste von Meganisi machen wir Höhlen aus und beschließen, uns das einmal aus der Nähe anzusehen. An ankern ist hier nicht zu denken – es ist bis kurz vor der Küste noch über 20m tief. Das Wasser in der Höhle leuchtet in dunklem Türkis, von der Decke hängen Stalaktiten. Wir beschließen bei ruhigem Meer wiederzukommen und abwechselnd Dinghi-Erkundungstouren zu machen, während einer mit Venga! in sicherem Abstand wartet. Unser heutiges Ziel ist eine kleine Bucht an der Nordwestecke von Meganisi. Die kleine Blue Bay Ankerbucht. Navily verspricht uns dort für die nächsten 48 Stunden absolute Ruhe am Ankerplatz. Der Anker fällt auf ca. 5m Wassertiefe und wird mit 1500 Umdrehungen eingefahren. Auch hier hält er beim ersten Versuch.




Wir lassen das Dinghi zu Wasser und starten zu einer kleinen Wanderung. Den Außenborder brauchen wir hier nicht – der Weg bis zum Ufer ist sehr kurz. Leider liegt am Strand ziemlich viel Müll. Auch unterwegs begegnete uns Plastikmüll im Meer. Wir machen uns auf den Weg nach Spartochori, dem Inselort, der oberhalb des Fähranlegers Spilio liegt. Dabei halten wir uns an die Nebenstraße, auf der uns nur sehr vereinzelt ein Auto passiert. Dafür hören und sehen wir die Olivenbauern bei der Baumpflege. Die Kettensägen arbeiten und es knistern Feuer – das Schnittgut wird an Ort und Stelle verbrannt. Herrliche Stimmung!
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2833183691
Im malerischen Ort treffen wir kaum auf Menschen. Die Cafés und Tavernen sind noch geschlossen, zeugen aber davon, dass hier in der Saison deutlich mehr los ist. Vom Aussichtspunkt Richtung Hafen Spilio beobachten wir die Ankunft der Fähre aus Nydri/Lefkas. Die PKW können auf der Fähre wenden, größere Fahrzeuge, insbesondere LKW müssen rückwärts auf die Fähre auffahren, denn ent- und beladen wird sie nur über den Bug.











Für den Rückweg wählen wir eine andere Route, die uns mehr durch das Inselinnere führt. Die damit verbundenen Höhenmeter hatten wir bei der Entscheidung nicht bedacht.
Donnerstag, 19.03.2026 Blue Bay/Meganisi – Ankertag
Der Wetterbericht behält recht. Schon morgens begrüßt uns Nieselregen und dabei bleibt es bis zum frühen Nachmittag. Also kuscheln wir uns wieder ein, kramen Buch, Hörbuch und Strickzeug heraus und sichten schon mal ein paar Fotos für den Bericht.



Als es nachmittags aufhört zu regnen, beschließt die Skipperin sich noch etwas die Beine zu vertreten. „eigentlich“ soll es nun trocken bleiben. Allerdings setzt schon nach kurzer Zeit ein leichter Nieselregen ein, der sich leider hartnäckig festsetzt und im weiteren Verlauf zu einem nicht zu ignorierenden Regen auswächst. Einmal unterwegs, will sie aber nicht umkehren und zieht die geplante Runde durch, die bei gutem Wetter wunderbare Ausblicke auf die benachbarte Insel Lefkada mit ihren beeindruckenden Bergen bietet. Unterwegs trifft sie auf eine große Ziegenherde und wartet ganz still am Wegesrand. Erst sind die Ziegen sehr vorsichtig und bleiben ihrerseits stehen. Als von diesem pudelnassen Menschen aber keine Bewegung und anscheinend auch keine Gefahr ausgeht, trauen sie sich näher und laufen entspannt vorbei. Beeindruckend sind immer wieder die breiten gedrehten Hörner der Widder. Besonders die obersten Blätter der immergrünen Büsche scheinen ihnen zu schmecken. Es ist putzig anzusehen, wie sie sich auf die Hinterbeine stellen und mit der Vorderläufen versuchen die oberen Zweige herunterzubiegen. Zufrieden, aber pudelnass erreicht die Skipperin nach gut 1,5-stündiger Regenwanderung wieder die Venga!.













Freitag, 20.03.2026 Blue Bay/Meganisi – Ormos Palairou – 10 Seemeilen
Schon morgens begrüßen uns Sonnenstrahlen – also hat der Wetterbericht wieder recht! Wir wollen uns den kleinen Ort Palairos samt Hafen ansehen, denn dieser würde sich in einer Woche anbieten, wenn wir unsere Freunde an Bord nehmen wollen. In unserer Ankerbucht ist es windstill. Aber als wir die Bucht verlassen und uns Richtung Norden wenden, spüren wir eine leichte Brise, die innerhalb der nächsten halben Stunde auf 6-7 Knoten anwächst. Das Meer ist ruhig, kaum Welle. Es weht aus NNW, also ein Amwindkurs. Wir rollen Genua und Groß aus Venga! läuft los. Mit 4,5 Knoten geht es sanft und entspannt dahin – Genusssegeln! Als wir uns der Festlandsküste nähern, kommen wir in die Windabdeckeung und müssen nun doch wieder die Maschine anwerfen. Wir werfen einen Blick in die Ankerbucht „Varko“, eine Empfehlung von Segelfreund Tim. Das sieht auch sehr einladend aus – wir kommen wieder! Als wir uns Palairos nähern, dreht der Wind unerwartet auf Südwest. Das passt jetzt so gar nicht zu unserem ausgewählten Ankerplatz und auch nicht zur Vorhersage. Wir beschließen, trotzdem hier zu ankern, auch wenn wir nun eine Legerwallsituation haben. Wir fahren den Anker gut ein und beobachten die Lage des Bootes.


Unterdessen kümmern wir uns um unseren Autopiloten. Bereits morgens hatten wir den dazugehörigen Bordcomputer unter der Masterkoje gefunden und der Skipper einige Messungen vorgenommen. Es schien alles in Ordnung, aber der Kurs über Grund passt einfach nicht. Auch dreht bei Kursänderung der digitale Kompass nicht mit. Also wird ChatGPT erneut befragt, wo der Fehler liegen könnte. Die Lösung könnte der Flux-Kompensator – nein – der „FluxGate-Kompass“ sein. Wo aber befindet sich der? Wieder nimmt die Skipperin die Masterkoje auseinander: Bettwäsche zur Seite, Laken runter, Topper aufrollen, Matratzen ins Bad hieven, Belüftungsmatten entfernen… Erst dann kommt man an die Stauräume unter der Masterkoje. Das kleine runde Ding ist schnell gefunden. Der Skipper nimmt es auseinander, misst die Widerstände der Spulen – alles scheint in Ordnung. Woran kann es denn nun noch liegen? Erneut wird ChatGPT befragt, die gesamte Fehler Situation beschrieben. ChatGPT hat ein paar Nachfragen. Eine davon lässt den Skipper aufhorchen:
- Befindet sich Werkzeug in der Nähe des FluxGate-Kompass?
Werkzeug zwar nicht, aber der demontierte Watermaker und der ist sehr schwer. Vermutlich hoher Metallanteil und sogar magnetisch! Das darf doch nicht wahr sein! Liegt es tatsächlich daran? Kaum ist der Watermaker entfernt, zeigen die Instrumente den richtigen Kurs und das Boot auf dem Plotter fährt wieder vorwärts… Da fasst man sich doch an den Kopf, wie blöd es manchmal läuft! Wir wussten tatsächlich nicht, dass sich in einer dunklen Ecke dieses Stauraums ein Kompass befindet…
Kurze Erklärung: Es gibt an Bord tatsächlich 4 Kompasse, dass muss man erstmal wissen, sonst hat man vielleicht den falschen am Wickel!
- Magnetkompass: direkt am Steuerstand – Nadel, die sich nach Norden ausrichtet – das kennt jeder
- Digitaler Kompass für die Position. Dieser gibt die aktuelle Position digital aus, u.a. für die Navigation. Der hatte auch ein Problem, wie weiter oben beschrieben, da gab es durch die Umbauten einen Wackler am Kabel und der Kompass zeigte nur eine „Nullposition“.
- FluxGate-Kompass: dieser bestimmt die Lage / Richtung des Schiffes, und ist für den Kurscomputer notwendig. Er wurde in unserem Fall durch ein fremdes Magnetfeld gestört.
- AIS Kompass: unser AIS hat einen eigenen Kompass, der unsere Position an andere Schiffe gibt und uns auf Karten erscheinen lässt (z.B Vesselfinder oder MarineTraffic)




Kaum ist ein Problem gelöst, meldet sich ein neues: die Wasserpumpe springt unmotiviert an. Alle Wasserhähne sind geschlossen, auch an der Pumpe tritt kein Wasser aus. Da wir bereits im Herbst ein ähnliches Problem mit ihr hatten und es damals am Drucksensor des Wasserfilters lag, beschließen wir, die Pumpe auseinander zu nehmen. Aber erstmal verstauen wir den Watermaker unter der Sitzbank im Salon. Als wir hier den Deckel entfernen, sprudelt es unten am Schlauch des Boilers munter vor sich hin. Nicht der Sensor an der Pumpe ist das Problem, sondern ein Riss im Warmwasserschlauch. Der ist zum Glück lang genug, dass er einfach etwas gekürzt werden kann und dann wieder angeschlossen wird. Das zweite Problem ist in 10 Minutren gelöst! Das freut den Skipper!



Venga! hat sich währenddessen auch bei auffrischendem Wind keinen Zentimeter von ihrem Ankerplatz bewegt. Nun sind wir sicher, dem Anker hier vertrauen zu können und brechen zu einer kurzen Ortserkundung auf. Auch dieser Ort erwacht ganz langsam aus dem Winterschlaf. Ein paar Tavernen haben schon geöffnet und im Café am Hafen werden Tische und Stühle mit dem Hochdruckreiniger malträtiert. Wir finden einen guten Metzger und einen kleinen Supermarkt und ergänzen unsere Frischwaren. In der Hafentaverne stehen ein paar Tische und Stühle vor der Tür, die Sonne kommt gerade nochmals heraus und wir gönnen uns einen Sundowner. Zurück an Bord dreht der Wind und Venga! schwenkt mit dem Heck nach Westen – nun können wir zum Abschluss die letzten Sonnenstrahlen noch im Cockpit genießen während im Osten schon wieder dunkle Wolken stehen. Das lässt die Berge hier im Abendlicht besonders spektakulär aussehen.









