Von diesem wunderschönen Revier möchten wir noch mehr entdecken, und bis wir unsere Gäste an Bord begrüßen, bleiben uns noch ein paar Tage. Da wir diese wegen angekündigtem Schlechtwetter im ruhigen Ambrakischen Golf an Bord nehmen wollen, tasten wir uns langsam in diese Richtung vor. Unterwegs machen wir noch einmal Halt auf der schönen Insel Lefkada und erkunden sie zu Fuß.

Samstag, 21.03.2026 – Ankerplatz Ormos Palairou – „Hafentag“
Wir erwachen nach einer relativ ruhigen Nacht. Nur einmal hat es nachts ziemlich unter dem Heck geplätschert. Ansonsten war es eine entspannte Nacht – allerdings kalt. Morgens zeigt das Thermometer außen 8 und innen 12 Grad – wie gut, dass sich die Dieselheizung vom Bett aus starten lässt!
Für heute ist mal wieder Bewegung angesagt, eine leichte 10-Kilometerrunde mit wenig Steigung. Wir parken das Dinghi wieder am Strand und vertäuen es zur Sicherheit an einem Baum. Die Skipperin fällt gleich auf die Knie, denn hier gibt es richtig viel und schön abgeschliffenes Meerglas zu finden. Mit gut gefüllter Hosentasche geht es los. Am Ende der Bucht schließt sich ein flache und von Gräben durchzogenes Flachland Richtung Norden. Wir stoßen auf einige Tierkadaverreste, nicht so schön. Es sieht nach Schaf oder Ziege aus. Wir fragen uns, ob das etwas mit der Schaf- und Ziegenseuche zu tun haben kann, von der wir im Herbst lasen, sie sei der Grund für den gestiegenen Preis für Schaf- und Ziegenkäse. In einem weiten Bogen geht es Richtung Berge und an der Flanke etwas bergan. Unterwegs kommen wir immer wieder an wilden Müllkippen vorbei – auch nicht schön. Der Weg ist teilweise von Traktoren ziemlich kaputtgefahren und matschig. Bei einer besonders großen Pfütze kann der Skipper-Ingenieur es nicht lassen und kümmert sich um eine Wasserableitung – die Schuhe sehen im Anschluss entsprechend aus. Wir hatten sehr darauf gehofft, irgendwo einen schönen Platz für unser Picknick zu finden, aber das ist leider Fehlanzeige. Rechts und links des Weges befinden sich meist hohe Zäune und an eine Bank mit Ausblick hat keiner gedacht. Erst als wir wieder zum Ort Palairos hinunterkommen, finden wir eine Bank auf einem Spielplatz. Wir haben uns nun zwar bewegt, aber mehr als 3 (von 5) Sterne verdient diese Runde nicht. Wer es trotzdem versuchen möchte, für den
Geht‘s hier zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2838169436














Am Nachmittag schenkt uns der Himmel noch etwas Sonne und wir kümmern uns um den Bericht – sogar für eine „Wohneinheit“ (= kleiner Schönheitsschlaf im Cockpit) ist noch Zeit. Und abends meint es die Natur auch wieder gut mit uns und beschert uns einen wundervollen Sonnenuntergang!
Sonntag, 22.03.2026 Ankerplatz Ormos Palairou – Ankerplatz Nikiana – 10 Seemeilen
Die Nacht war super ruhig, es wehte kaum ein Lüftchen, kein Geplätscher an der Bordwand und auch kein Rumpeln der Ankerkette am Grund. Ruhiger liegt man nicht einmal im Hafen! Aber kalt ist es morgens immer noch. Allerdings scheint die Sonne bereits, als wir die Augen öffnen und sie bekommt langsam mehr Kraft. Da kann man sich schon fast mit dem Morgenkaffee ins Cockpit setzen!


Heute zieht es uns weiter. Anfangs peilen wir Mytikas, einen kleinen Ort etwas südlich an der Festlandsküste an. Aber die Komoot-Recherche lässt dort wenig abwechslungsreiche Wandermöglichkeit erkennen. Auch dort gibt es eine große Tiefebene und bis zu den ersten Anstiegen sind erstmal einige Kilometer zurück zu legen. Also biegen wir im 90° Winkel ab und laufen (unter Maschine, da absolut gebügeltes Wasser) nach Westen in Richtung Lefkada. Etwas nördlich von Nydri gibt es den Berg Skaros, den die Skipperin schon seit letztem März im Auge hat. Dort will sie unbedingt mal rauf. Nach ein paar Meilen kommt plötzlich Südwind auf. Nicht viel, aber segelbar. Also wird die Genua ausgerollt und die letzten 6 Seemeilen ganz entspannt auf Halbwindkurs mit 4 Knoten gesegelt. Bei der Gelegenheit wird nun natürlich auch der Autopilot getestet. Alles funktioniert bestens – unser 3. Crewmitglied ist wieder an Bord!




Vor dem kleinen Örtchen Nikiana fällt der Anker in türkisfarbenem Wasser – leider noch immer zu kalt zum Baden – zumindest für uns: 16,6°C. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel und wir lassen uns erstmal das Sonntagsfrühstück im Cockpit schmecken. Danach ist es Zeit für eine kleinere Wanderrunde von gut 9 Kilometern mit 330 Höhenmetern. Unterwegs kommen wir an einer urigen Einsiedelei vorbei und gönnen uns eine kleine Rast. Leider sehen wir aber auch bei dieser Runde wieder einige wilde Müllkippen – so schade!
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2841009916














Montag, 23.03.2026 Ankerplatz Nikiana – „Hafentag“
Der Wetterbericht verspricht uns viele Sonnenstunden und keinen Regen. Wir bestücken unsere Rucksäcke mit ausreichend Wasser und einem Picknick und fahren mit dem Dinghi an Land. Die heutige Wanderung soll uns auf den 660m hohen Skaros oberhalb des Ortes führen. Es geht erstmal wie gestern auf schmaler Teerstraße die ersten 2 Kilometer durch den Ort und die danach beginnenden Olivenplantagen. Dann biegt ein gut markierter Weg nach links ab und es wird steiler. Wir kommen noch an einer Neubausiedlung vorbei, wo wir ein im Bau befindliches Haus besichtigen, dass die wichtigsten Drews‘schen Kriterien erfüllt: Lage – Lage – Lage.


Nun wird aus dem Weg ein Pfad und wir wandern im Gänsemarsch. Die Steigung bringt uns schnell dazu, die Fleecepullis auszuziehen. Der Kreislauf hat zu tun und wir schrauben uns Meter für Meter in die Höhe. Wir laufen in dichtem Grün, aber immer mal wieder öffnet sich die grüne Wand für einen Blick über den Ort, Venga! und das Meer. Unverhofft beginnt es zu tröpfeln. Wir sind verwirrt. Das hatte unsere Wetterapp nicht vorhergesagt und auf dem Niederschlagsradar ist auch keine Regenwolke zu finden. Die Skipperin hat sich auf Trockenheit eingestellt – Regenjacke Fehlanzeige, der Skipper ist dagegen gut vorbereitet und bietet seine Jacke der Skipperin an – Gentlemen like 😉 . Aber wir stellen uns unter dichtem Blattwerk unter und warten erstmal ab. Nach wenigen Tropfen hört es wieder auf – weiter geht’s. Das dichte Gebüsch weicht mehr und mehr einem lichteren Bewuchs um schließlich nur noch aus Gras und Blumen zu bestehen. Der Weg windet sich nun in Serpentinen die letzten Meter bis auf einen Sattel. Und als wir ihn überschreiten, liegt auf der anderen Seite eine ganz andere Vegetation vor uns. Uralte, zurzeit noch kahle Eichen stehen vor uns. Auf ihnen wachsen Moose, Farne und Flechten – ein mystischer Märchenwald. Und unverhofft setzt der Regen wieder ein, stärker leider – es ist kalt. Der Skipper packt seine Regenjacke (!) aus, die Skipperin versucht sich mit einem Handtuch zu schützen und so warten wir den Schauer, der dann auch noch Hagel im Gepäck hat, unter einem dicken, abgeknickten Eichenstamm ab, bevor wir den Weg bis zum Gipfel fortsetzen können.
























Vom Gipfel des Skaros haben wir dann einen atemberaubenden Blick, der im Norden bis zum Eingang in den Ambrakischen Golf bei Preveza und im Süden bis nach Ithaka und Kefalonia reicht. Zum Glück ist es windstill, denn trotz Fleecepulli ist es ziemlich kalt. Das Picknick mit Ausblick lassen wir uns aber nicht nehmen!











Danach geht es mit frischen Kräften weiter durch den „Trockenwald von Skaros“, vorbei an einem Wellblechlager, in dem ein alter Mann hier auf dem Berg mit seinem Hund haust, bis zu einem Wirtschaftsweg. Diesen verlassen wir nach kurzer Zeit. Um wiederum auf markiertem Pfad über einen alten Eselsweg bis zur Klosterruine des Heiligen Georgs und weiter zum Bergdorf Kolyvata zu gelangen. Wir lieben diese alten schmalen Bergwege, auch wenn sie nach dem Winter teilweise einem Bachlauf gleichen und man sehr aufpassen muss, wohin man die Füße setzt. Das kleine Bergdorf präsentiert sich recht verlassen und die bei Komoot markierte Einkehrmöglichkeit „Marias Taverne“ ist leider noch geschlossen.









Den größten Teil des Rückweges über geteerte Nebenstraßen kennen wir nun schon von unserer gestrigen Wanderung. Hier müssen wir nicht mehr auf jeden Schritt achten und können den Blick schweifen lassen, während die Beine fast automatisch ihre Arbeit tun. Nach 16 Kilometern und insgesamt 720 Höhenmetern erreichen wir Nikiana, kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen und setzen dann zur Venga! über. Wir sind kaputt und freuen uns, dass die Sonne ins Cockpit scheint und wir uns unter einer Wolldecke langmachen können. Abends zaubert Werner eine Kartoffelpfanne und dazu gibt’s griechische Bratwurst. Das Bett ruft heute Abend laut – morgen machen wir Wanderpause!
Dienstag, 24.03.2026 Ankerplatz Nikiana – Ankerplatz Ligia – 2 Seemeilen
Der Wetterbericht hatte für heute nur 2 Sonnenstunden prognostiziert. Umso überraschter sind wir, als wir schon beim Aufwachen von blauem Himmel und Sonnenschein begrüßt werden. Der Morgenkaffee kann ganz entspannt auf dem sonnigen Achterdeck eingenommen werden. Wir beratschlagen, was wir heute machen wollen und beschließen einen „Chill- und Putztag“ einzulegen. Bevor wir nur eine Bucht weitertingeln, wird einmal durchgesaugt und die „Teppiche“ werden ausgeschüttelt. Es sind nur zwei Seemeilen bis zur nächsten Bucht und so ersparen wir uns sogar, den Außenborder vom Dinghi abzubauen und tuckern mit 3 Knoten gemächlich unter Maschine und gegen den Wind in Richtung Norden. Vor Ligia lassen wir den Anker erneut in türkisfarbenem Wasser fallen und fahren ihn gut ein. Nachts soll es zeitweise etwas Wind und Schwell geben, wenn der Wetterbericht Recht behält. Mit Blick auf eine neue Kulisse wird gefrühstückt und danach erstmal geruht, bevor es zur Müllentsorgung und Sichtung des Ortes an Land geht. Wir haben Glück und treffen direkt an der Hauptstraße auf die notwendigen Müllcontainer und nur wenige Schritte weiter auf einen Bäcker. Der Rundgang am kleinen Fischereihafen und seinen Restaurants fällt recht kurz aus. Wir gönnen uns einen doppelten Cappuccino und einen Schoko-Cookie zum Teilen. Dann geht es wieder an Bord. Die Bilder von gestern wollen noch gesichtet, ein erstes Sonnenbad genossen und ein Buch gelesen werden…













Mittwoch, 25.03.2026 Ankerplatz Ligia – „Hafentag“
Elf Stunden Sonne erwarten uns heute und die wollen wir wieder für Bewegung im Freien nutzen. Bis zur Melissa-Schlucht ist es zu Fuß leider zu weit, aber wir haben uns eine 13 Kilometerrunde bei Komoot zusammengestellt. Den Morgenkaffee nehmen wieder im sonnigen Cockpit ein, bevor wir mit dem Dinghi an Land fahren. In den Cafés sitzen die Griechen bei Kaffee, Wasser und Plausch. Unser Weg führt über Nebenstraßen durch Olivenhaine und vorbei an plätschernden Bächen langsam bergan. Es ist das Kontrastprogramm zur letzten Wanderung. Die Bergwelt ist hier weniger steil, weniger hoch und weniger spektakulär. Wir haben nur hin- und wieder einen Ausblick zu Bergdörfern oder zum Meer. Den Augen und dem Kopf tut es gut, mal weniger gefordert zu werden. Nur an einer kleinen alten Brücke über einen Bach und an den Ruinen einer Wassermühle kommen wir vorbei.















Die Wanderung führt uns auf 310 Höhenmeter hinauf. Dort finden wir einen Platz im Olivenhain für unser Picknick. Danach geht es wieder bergab, vorbei an blühendem Ginster, blühenden Obstbäumen und weiteren plätschernden Bächen, die teilweise auch die Straße überfluten. Nach 14 Kilometern erreichen wir wieder Ligia und sind erstaunt, über die vielen Menschen in den kleinen Tavernen am Hafen. Heute haben deutlich mehr geöffnet. Und erst da fällt es uns wieder ein: die Griechen feiern heute ihren Unabhängigkeitstag! Wir kaufen einige Zutaten für einen griechischen Salat und kehren zurück zur Venga!, wo wir uns im sonnigen Cockpit für ein Mittagsschläfchen ausstrecken.













Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2845896505
Donnerstag, 26.03.2026 Ankerplatz Ligia – Vonitsa – 19 Seemeilen
Die Schwimmbrücke im Lefkada-Kanal ist seit einer Woche wieder repariert. Da der ursprünglich geplante Hafen von Palairos bei den prognostizierten Windrichtungen nicht gut geschützt ist, haben wir umdisponiert und wollen unsere Gäste nun in Vonitsa am Ambrakischen Golf an Bord nehmen. Wir freuen uns darauf, bei der Gelegenheit auch die dortige Spezialität „Ambrakische Tigergarnelen“ wieder essen zu können.
Der Morgen begrüßt uns mit wenig Sonne und das Niederschlagsradar von WetterOnline zeigt eine Regenwolke über der Insel. Wir klaren auf und machen Venga! seefest, denn vom vergangenen November wissen wir, wie unangenehm die Welle auf dem Stück vom Lefkada-Kanal bis zum Eingang in den Ambrakischen Golf sein kann. Das Dinghi wird gut am Heck vertäut und dann holen wir den Anker rauf – er zickt etwas rum – saß mal wieder bombenfest. Wir ankern auf Höhe der ersten Fahrwassermarkieren des Kanals, also laufen wir gleich unter Maschine. Bis zur Brücke sind es 3,5 Seemeilen und wir haben noch gut eine Stunde Zeit. Der erste Regen setzt ein und der Skipper übernimmt die Cockpitschicht. Wahrscheinlich bleibt er mit dem manuellen Auslösemechanismus der Schwimmweste versehentlich irgendwo hängen – im Nu löst sie aus und er hat eine knallgelbe Krawatte.



Zusammen mit uns läuft die Matjes mit Ute und Matthias. Sie saßen mit Barbara in der gleichen Maschine von HH nach Athen. Ihnen verdanken wir es, dass wir nun mal Fotos von uns und Venga! bekommen – DANKE! Die Brücke öffnet fast pünktlich und wir passieren als drittes Boot. Die Brückenwärterin hupt entnervt das vierte Boot an, das stark zurückgefallen ist – beidseits der Brücke bauen sich die Autoschlangen auf.






Gleich nach der Ausfahrt aus dem kleinen Schutzhafen hinter der Brücke, rollen wir die Genua aus. Der Wind kommt fast platt von hinten, der Mittelmeerschwell (ca. 1,5m) rollt aus Westen quer auf uns zu. Das führt zu ordentlichem Geschaukel. Nach 5 Seemeilen biegen wir ins Fahrwasser zum Ambrakischen Golf ab und müssen über die Plotteranzeige lachen. Dort sehen wir alle anderen Boote mit AIS. Sie werden meist in grün angezeigt, erst wenn wir uns ihnen nähern wechseln sie ihre Farbe zu rot, um uns auf eine mögliche Kollision hinzuweisen. Hier sehen wir nun zahllose rote Boote – allerdings besteht keine Gefahr der Kollision, denn sie liegen alle an Land in den Boatyards.
Kurz hinter Preveza verlässt uns der Wind und so muss wieder das Dieselsegel arbeiten. Am frühen Nachmittag laufen wir in Vonitsa ein und finden einen gut geschützten Liegeplatz längsseits der Pier unterhalb der alten Festung. Sogar Wasser gibt es hier – die Konstruktion ist allerdings abenteuerlich!

Freitag, 27.03.2026 Vonitsa – Hafentag
Heute erwarten wir unsere Gäste und es ist Regen vorhergesagt, leider. Und die Vorhersage stimmt – schon nachts hat es ordentlich geschüttet. Wir haben gestern noch das Bimini aufgebaut, damit man wenigstens einigermaßen trocken in die Kajüte kommt. Wir erwarten den Crewzuwachs am Nachmittag, also Zeit genug, um Klarschiff zu machen. Es soll auch in den nächsten beiden Tagen kalt und regnerisch bleiben. Da Thomas und Heike mit einem Leihwagen aus Athen kommen, können wir die Schlechtwettertage vielleicht für ein paar Landausflüge nutzen. Der Skipper nutzt die Putzstunden der Skipperin für Büroarbeiten, Bankgespräche, Fotoauswahl für den Bericht und Telefonkonferenz mit seinen Nachfolgern in der 2wcom.
Am Nachmittag bei einsetzendem Regen und zunehmendem Wind kommen unsere Gäste. Sie haben auch einige bestellte Ersatzteile im Gepäck. Wir machen uns einen gemütlichen Abend im Salon bei dem einen oder anderen Getränk und quatschen bis spät in die Nacht. Seit unserem letzten Treffen in Marstal auf der schönen Insel Ærø ist schon fast ein Jahr vergangen und so gibt es viel zu erzählen.


