Wir bekommen für neun Tage Besuch von Heike und Thomas und das Wetter wird schlecht. Also gilt es die Orte zu finden, an denen es noch leidlich gut ist. Das gelingt uns nicht immer, tut der guten Stimmung an Bord aber keinen Abbruch. Selbst die eingeschleppten Viren unserer Gäste, die sich munter verteilen, können die gute Stimmung nicht trüben. Hier ein Blick auf die Route der Venga! in dieser Woche:

Samstag, 28.03.2026 – Vonitsa – Hafentag
Für heute ist wenig Sonne vorhergesagt und daher beschließen wir mit dem Auto einmal um den Ambrakischen Golf zu fahren, um so zu ein paar Sehenswürdigkeiten und schönen Ausblicken zu gelangen. Wir starten in Vonitsa gegen den Uhrzeigersinn und bekommen gleich die ersten Schauer ab – das kann ja lustig werden… Unser erstes Ziel heißt Arta mit seiner bekanntesten Sehenswürdigkeit der alten Brücke über den Fluss Arachthos. Die Brücke in ihrem heutigen Aussehen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Aber bereits 300 Jahre v. Chr. wurde hier die erste Brücke gebaut. Traurige Berühmtheit erlangte die Brücke durch ein Lied, in dem die Legende des Baus erzählt wird. Der Bau wollte nicht gelingen, alle Tagesarbeiten machte der Fluss nachts wieder zunichte. Erst als der Baumeister seine Frau opferte und in einen Brückenpfosten einmauerte, gelang der Brückenbau.
Wir finden einen Parkplatz ganz in der Nähe. Der Himmel präsentiert sich unerwartet blau mit hübschen weißen Wolken, die Sonne wärmt. Im ersten Café vor der Brücke ist fast jeder Platz von Kaffee-trinkenden Griechen in kleinen Grüppchen besetzt. Alle hat die Sonne nach draußen gelockt und viele schlendern über die Brücke – so auch wir. Auf der anderen Seite finden wir ein ruhiges Sonnenplätzchen für unser Picknick.














Im Anschluss zieht es uns zu berühmten Kirche „Panagia Parigoritissas“ (Maria vom Trost), die wir bei unserem ersten Besuch hier im Herbst „übersehen“ hatten. Die Kirche gilt als Meisterwerk byzantinischer Architektur. Besonders das Christusmosaik an der Decke der zentralen, 24m hohen Kuppel soll beeindruckend sein. Schon als wir uns der Kirche nähern, fällt uns das mit einer Kette und Vorhängeschloss gesicherte Eingangstor ins Auge – die Kirche ist wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten geschlossen und so bleibt uns nur ein Blick von außen – schade! Daher nur wenige Fotos von außen.




Wir setzen daraufhin unsere Rundfahrt fort und steuern die Ausgrabung Cassiope in den ersten Bergen nördlich von Preveza an. Hier ist es nicht anders: Das Zugangstor ist verschlossen, wir vermuten „Winterruhe“, auch wenn davon im Internet nichts zu finden ist. Also wenden wir uns dem Monument „Tanz von Zalongo“ zu. Am Frauenkloster Agios Dimitrios endet die Straße. Wir parken unser Auto und machen uns an den Aufstieg zum Monument. Dazu sind ca. 400 Stufen zu bewältigen. Das Monument besteht aus sechs stilisierten Frauenfiguren. Die höchste ist 13 Meter hoch. Die Frauen scheinen sich an den Händen zu halten. Wir googeln und erfahren, dass das Monument „Tanz von Zalongo“ heißt. Was so schön klingt, hat einen sehr ernsten Hintergrund: Die in der Gegend lebenden Soulioten (kriegerische Gemeinschaft) leisteten bis zum Jahr 1803 lange und erbitterten Widerstand gegen die Truppen des tyrannischen Ottomanen Ali Pascha und waren bereit bis zum Tod für ihre Freiheit zu kämpfen. Ihre Frauen und Kinder flüchteten auf den Berg. Die Soulioten verloren den letzten Kampf und die Frauen stürzten sich tanzend und singend mit ihren Kindern im Arm in die Tiefe, um Gefangenschaft und Versklavung zu entgehen. Die Sicht ist besser als beim Besuch der Skipperin im Oktober (Bericht #57), dafür ist es deutlich kälter – wir sehen schneebedeckte Gipfel, die gar nicht so weit entfernt sind.











Auf dem Rückweg gibt es noch einen Großeinkauf bei Lidl – die Gelegenheit eines Autos muss ja genutzt werden. Dann geht es durch den Tunnel zurück zum Boot, wo es recht kräftig pustet und uns auch wieder Regenwolken erreichen, die aber bei gleichzeitigen Sonnenstrahlen für einen hübschen Regenbogen sorgen. Die Temperatur ist allerdings sehr frisch, weshalb wir uns in den beheizten Salon verziehen, wo wir uns zum Abendessen Wraps schmecken lassen. Abends beruhigt sich der Wind und es wird eine ruhige Nacht.


Sonntag, 29.03.2026 Vonitsa – Ankerplatz Koronisi Ost
Eigentlich waren uns für Sonntag 10 Sonnenstunden versprochen worden. Als wir morgens die Augen öffnen, regnet es allerdings – grrr. Ein Blick in die Wetterapp zeigt eine Korrektur auf nur noch 8 Stunden Sonne. Beim Morgenkaffee beschließen wir eine Motorfahrt nach Koronisi zu unternehmen, denn dort haben wir die besten Ambrakischen Garnelen gegessen. Venga! wird aufgeklart, der letzte Müll entsorgt und vorsorglich nochmals Wasser aufgefüllt. Der Ableger bei Flaute ist trotz der vielen Schwimmbojen, die die Fundamente für die zukünftige Schwimmbrücken in der im Bau befindlichen Marina markieren, problemlos machbar. Auf dem Wasser ist es kalt, aber als unser Anker im Windschatten von Koronisi bei Sonnenschein fällt, wird es deutlich wärmer.







Wir klappen das Bimini, das uns vor Regen schützte, weg und genießen ein erstes gemeinsames Frühstück im sonnigen Cockpit. Rund um den Ambrakischen Golf hängen die Wolken in den Bergen – wo sie sich lichten, sehen wir viel Schnee. Eine Gruppe von Pelikanen fliegt majestätisch über uns in die Lagune ein. Wir lassen das Dinghi zu Wasser und starten zum Landgang. Für vier Personen ist es eindeutig zu klein, also muss der Skipper zwei Touren fahren. Unsere kleine Wanderung führt uns im Uhrzeigersinn um die kleine Lagune von Koronisi herum. Im letzten Herbst haben wir sie andersherum gemacht – komplett trockenen Fußes. Jetzt sehen wir schon zu Beginn, dass auch hier kräftige Winterstürme gewütet haben müssen. Von der Strandbar „Boheme“ ist nicht mehr viel übrig, am Strand liegt viel Müll und auf unserer Runde müssen wir zweimal die Schuhe ausziehen. Dafür ist im Ort (etwas) mehr Leben – mehr Gastronomie hat geöffnet und vor der von uns angesteuerten Taverne steht sogar ein Reisebus. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass Sonntag ist. Die Damen drehen in Begleitung eines lieben Straßenhundes noch eine Runde durch den Ort, während die Herren schon mal einen Tisch ergattern.












Der Reisebus fährt gerade ab, als wir ankommen und wir finden einen Platz auf der geschlossenen Terrasse, wo wir es dank Heizstrahler gut aushalten können. Die Garnelen sind wieder ein Gedicht, aber auch lokale Schafskäse „Saganaki“ (=gebacken) und die gegrillten grünen Paprika mit Balsamiko-Honig-Dressing sind hervorragend.


Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2852407717
An Bord wird dann noch etwas gewohnt und später zum kleinen Hunger am Abend die Reste der Vortage verzehrt. Aufgrund der Zeitumstellung geht die Sonne eine Stunde später unter, als gestern und beschenkt uns mit einem hübschen Himmel.
Montag, 30.03.2026 Ankerplatz Koronisi Ost – Ankerplatz Preveza
Diese Woche kommt noch richtig blödes Wetter auf uns zu – wir beobachten das schon seit Tagen. Nun sieht es aber so aus, als ob wir heute und morgen noch recht trockene und sogar sonnige Tage erwarten können. Daher beschließen wir, einen Zwischenstopp in Preveza einzulegen, um unseren Gästen einen Besuch dieses hübschen Hafenstädtchens zu ermöglichen.
Leider ist auch heute kein Wind, sodass wir unter Maschine nach Preveza laufen. Auf halber Strecke beobachten wir dann ein besonderes Schauspiel. Eine Gruppe von Vögeln stürzt sich nahezu gleichzeitig auf einen Fleck der Wasseroberfläche. Beim genaueren Hinsehen, entdecken wir dort einen Delfin. Er scheint auf der Jagd nach Fisch zu sein und die Vögel nutzen die Gelegenheit und heften sich an seine Flossen. Wir stoppen auf und schalten die Maschine aus, hoffend, dass sich so die Delfine vielleicht eher in unsere Richtung bewegen. Der Plan geht zumindest soweit auf, dass sie sich nicht weiter entfernen. Eine Weile beobachten wir fasziniert das Schauspiel, bevor wir unsere Fahrt nach Preveza fortsetzen.








Dank der vorhandenen Plottermarkierungen finden wir schnell „unseren“ Ankerplatz vom Herbst, auf dem der Anker schnell gut greift. Werner entdeckt, dass leider eine der Ankerrollen verschwunden ist – also mal wieder eine kleine Baustelle. Aber erstmal gibt es Frühstück im Cockpit, dann eine Wohneinheit (die für unsere gesundheitlich angeschlagenen Gäste ausgedehnt wird), bevor es an die Reparatur geht. Unser Ankerbeschlag ist auf zwei Anker ausgelegt. Auf jeder Seite ist eine Art „Wippe“ montiert, die sich je nach Belastung mit dem Anker mal mehr nach vorn oder mehr nach hinten neigen kann und über jeweils zwei Rollen verfügt, über die die Ankerkette läuft. Auf der von uns benutzten Seite, ist die vordere Rolle abgängig, weshalb der Wippmechanismus nun nicht mehr funktioniert und die Ankerkette über den mittig sitzenden Befestigungsbolzen läuft – nicht gut! Wir beschließen, die Wippe der nicht benutzten Backbordseite auf die Steuerbordseite umzubauen. So frei über dem Wasser besteht aber immer die Gefahr, das wichtige Teile bei der Demontage ins Wasser fallen. Daher geht der Skipper mit äußerster Vorsicht ans Werk und kann die Demontage der Wippe an Backbord mit einigen Sicherungsleinen. erfolgreich abschließen Solange wir vor Anker liegen, kommen wir aber an die Steuerbordseite nicht wirklich ran, denn Kette und Anker haben ganz schön Gewicht. Also verschieben wir das auf den Hafen.


Nachmittags gehen wir an Land, um den Gästen Preveza zu zeigen. Der Skipper steht unterdessen auf du und du mit seinem Außenborder und freut sich daher, die Strecke auch zweimal zu fahren. Leider ist noch immer Vorsaison und die Geschäfte öffnen überwiegend nur am Vormittag. Am Stadtkai können wir beobachten, wie an den Charterbooten gearbeitet wird. Alle Zeichen stehen auf Saisonbeginn. Wir spazieren durch die Stadt, kaufen nochmals frischen Gouda (1,7 Kilo – bei vier Goudaliebhabern geht ordentlich was durch) und genießen dann ein Kaltgetränk am Hafen, bevor es zurück zur Venga! geht.







Dienstag, 31.03.2026 Ankerplatz Preveza – Nydri/Iris Hotel Pantoon – 18 Seemeilen
Für die nächsten Tage ist schlechtes Wetter vorhergesagt, Tief Erminio zieht über das südliche Mittelmeer und bringt im Süden Griechenlands Sturm, Saharastaub und sehr viel Regen. Wetteronline warnt uns hier im ionischen Meer „nur“ vor 72 Stunden Starkregen. Das ist vor Anker kein Spaß, deshalb beschließen wir nach Nydri an einen Steg zu verlegen und den Leihwagen unserer Gäste für die Erkundung der Insel Lefkada zu nutzen. Heute ist zumindest hier erstmal gar kein Wind und so lichten wir den Anker um 10:00 Uhr bei absoluter Flaute. Unter Maschine geht es bis zum Eingang in den Kanal von Lefkada. Im Oktober hatten wir auf diesem Abschnitt ordentlich Welle. Heute steht zwar auch etwas Mittelmeerschwell, aber der ist harmlos.






Sobald wir in den Kanal einfahren, frischt der Wind auf und bläst uns genau ins Gesicht. Der erste heftige Regen soll am frühen Nachmittag einsetzen, weshalb wir so schnell wie möglich nach Nydri wollen. Tatsächlich erwischt er uns schon beim Verlassen des Kanals, aber dank des gestern noch aufgebauten Bimini, bleibt es im Cockpit einigermaßen trocken. Pünktlich zum Anlegen in Nydri, hört es auf zu regnen. Wir hatten uns für 14:00 angemeldet und sind pünktlich. Von dem versprochenen Marinero ist allerdings nichts zu sehen. Werner hakt telefonisch nach und bekommt die Info, wir können uns hinlegen, wo immer wir wollen. Prima, der Steg ist leer. Längsseits in Lee anzulegen, erscheint uns am günstigsten, aber das Wasser strömt aus der Bucht und drückt Venga! immer wieder vom Steg weg. Also doch römisch-katholisch – wie gut, dass wir zu viert sind. So kann die Skipperin auf den Steg springen und die Leinen in helfende Hände zurückwerfen. Telefonisch bekamen wir die Auskunft, wir könnten nur eine Nacht bleiben, denn am 01.04. kommen die Charterboote. Angesichts des Wetters können wir uns das nicht vorstellen und beschließen, einfach mal abzuwarten. Nachdem Venga! gut vertäut ist, machen wir uns auf zu einem Landgang. Wir brauchen ein Auto, mit dem wir morgen den Leihwagen unserer Gäste in Vonitsa abholen können. Wir wissen, dass es hier eine Vermietstation von Avis gibt. Wir haben Glück und können dort für den nächsten Tag ein Auto bekommen. Anschließend bummeln wir durch den Ort – gaaanz langsam erwacht auch er wieder zum Leben.




Mittwoch, 01.04.2026 Nydri – „Hafentag“
Nachts hat es ordentlich geregnet und geweht. Auch morgens prasselt es auf das Salondach. Ein Blick in die Wettervorhersage macht nur wenig Hoffnung auf sonnige Abschnitte. Wir beschließen, es darauf ankommen zu lassen und besteigen zu viert den Leihwagen von Avis und fahren nach Vonitsa. Unterwegs nieselt es, aber wir finden, der Himmel bekommt langsam wieder Struktur – die Hoffnung stirbt zuletzt. In Vonitsa steht der Leihwagen von Thomas und Heike – im Konvoi fahren wir Richtung Palia Plagia, einem nach einem Erdbeben 1960 verlassenen Dorf, das wir schon im letzten Jahr erkundet hatten. Unterwegs sehen wir einen (verwitterten) Hinweis auf die Ausgrabungsstätte „Palia Palairos“ und biegen ab. Über verschlungene Wege und durch große Pfützen kämpfen wir uns bis auf 1,5 Kilometer an die Ausgrabungsstätte heran, um dort vor einem verschlossenen Tor zu enden. Auf enger Straße müssen wir wenden – na toll!







Weiter geht es nun wirklich nach Palia Plagia, das an Morbidität schwer zu übertreffen ist. Das Wetter mit den tiefhängenden Wolken unterstreicht die Stimmung.























Weiter geht es auf den „griechischen Darß“ oder „Lefkas Ellenbogen“ (Namensgebung abhängig vom Lieblingsurlaubsziel Sylt oder Darß), um einen Blick auf türkisfarbenes Wasser zu werfen. Leider führt über diesen eigentlich schönen Sandstrand die Straße für den Schwerlastverkehr nach Lefkada und Parkplätze sind Fehlanzeige. So müssen wir feststellen, dass es von oben zwar hübsch aussieht, unten aber wenig Charme versprüht. Ähnliches gilt leider bei grauem Wetter auch für die Stadt Lefkada, die wir im Anschluss zu Fuß durchstreifen. Zum Glück finden wir dort ein Café, in dem jeder sein Lieblingsgetränk und etwas Fika (Schokoladenkuchen und Apfelkuchen) bekommt.







Zurück in Nydri wird eines der Autos wieder abgegeben und im Anschluss noch ein Abstecher zum Wasserfall unternommen. Leider setzt nun doch wieder Regen ein und der Fluss führt so viel Wasser, dass wir nicht bis zum Wasserfall vordringen können.




Den Abend beschließen wir mit einem Essen bei „Stathis“, einem der wenigen Lokale, die geöffnet haben. Es handelt sich um einen besseren Imbiss, aber wir sind mit dem Preis-Leistungsverhältnis zufrieden.
Donnerstag, 02.04.2026 Nydri – „Hafentag“
Noch ein Regentag ist angekündigt, aber das Regenradar macht Hoffnung auf sonnige Abschnitte. Die Skipperin hat eine „Rundreise“ über die südliche Inselhälfte geplant. Von Nydri geht es auf verschlungenen, schmalen Straßen bergan. Zum Glück ist gar nichts los, denn Begegnungsverkehr möchte man hier wirklich nicht. Nach einiger Zeit stehen wir vor einer Absenkung der Strasse – das sieht nicht gut aus. Die „Passagiere“ steigen sicherheitshalber aus, damit das Auto nicht aufsetzt und geben gute Tipps für die richtige Route. Thomas meistert die Situation bravourös!


Unser Ziel ist die ehemalige Nato-Radarstation, heute ein Lost Place. Seit 1965 ragen hier vier riesige Stahl-Antennen in den Himmel. Wir können sie auf dem Weg nach oben immer mal wieder durch die tiefhängenden Wolken ausmachen. Nach dem Ende des kalten Krieges verlor die Station ihren Zweck und wurde verlassen. Stück für Stück wurde demontiert und entwendet, Grafiti Künstler verewigten sich, Teile des Daches fehlen und Sonne und Regen sorgen für weitere Auflösung. Trotzdem sind noch Teile erkennbar. Die grünen Linoleumfliesen sind in Auflösung begriffen. Was einmal ein hochmoderner Knotenpunkt westlicher Militärmacht war, sieht heute wie die Kulisse eines endzeitlichen Science-Fiction-Films aus. Leider ziehen die Wolken nicht auf und es ist hier auf 950m Höhe kalt. Temperaturen um 10 Grad und Wind treiben uns zum Picknick schnell zurück ins Auto.














Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Stopp an der Voltoi-Siedlung von Lefkada. Dabei handelt es sich um einzigartige, historische Steinhütten mit gewölbten Dächern, die als temporäre Unterkünfte für Hirten und Linsenbauern dienten. Die Steinhütten sind schätzungsweise über 200 Jahre alt und wurden zur Bewirtschaftung der umliegenden Felder (insbesondere Linsen) und zur Schafzucht genutzt. Wir schauen in eine der Steinhütten hinein und können uns nicht vorstellen, dass man darin wohnen konnte.



Von dort geht es weiter zur Ostküste der Insel. Wir wollen türkisfarbenes Wasser sehen und entscheiden uns für den Besuch der Egremni-Bucht. Bis dorthin geht es über zahllose Kurven fast eine Stunde abwärts – Thomas, unser Fahrer, verdient sich einen Orden nach dem anderen! Die Straße endet vor einem Tor mit dem Hinweis: „Egremni-Beach closed“, ein Fußgängertor ist aber offen. Also parken wir das Auto und machen uns auf den Weg.



Die Wolken reißen punktuell auf und die Sonne zaubert Lichtflecken auf das Mittelmeer – es sieht von oben schon wunderschön aus. Nach 1,5 Kilometern erreichen wir das Ende der Straße. Ab geht es über eine Treppe mit 415 Stufen weiter abwärts. Eine einigermaßen stabil aussehende Konstruktion ist an starken Stahlträgern im Felsen verankert. Die Gitterstufen sind mit Kunststoffbrettern belegt, was für Menschen mit Höhenangst sicherlich hilfreich ist. Der Strand liegt menschenleer unter uns. Das Meer wechselt von weißer Brandung über türkisfarbenem Flachwasser zu immer dunkler werdendem Mittelmeerblau. Wir sind sprachlos über dieses Farbspiel und dankbar für dieses Erlebnis. Es fällt schwer, sich von diesem Ort wieder zu trennen, aber im Süden sieht es Grau aus und von dort kommt momentan das Wetter. Also machen wir uns an den Aufstieg und erreichen mit den ersten Regentropfen das Auto – Glück gehabt!







































Weiter geht es zum Leuchtturm im Süden, bei dem wir allerdings nur ganz kurz aussteigen und trotzdem gründlich nass werden. Im nächstgelegenen Hafenort Vasiliki versuchen wir ein Restaurant zu finden, aber der Ort ist wie ausgestorben und so machen wir uns auf den Heimweg und freuen uns, unterwegs ein geöffnetes Restaurant zu finden, in dem wir richtig gutes Abendessen bekommen. Trotz des schlechten Wetters haben wir einen erlebnisreichen, wunderschönen Tag verbracht. Bei unserer Rückkehr sind wir gespannt, ob sich nun tatsächlich der Steg mit Charterbooten gefüllt hat – Fehlanzeige, Venga! liegt noch immer allein am Steg. Vom Inhaber des Steges haben wir nichts gehört, bezahlt haben wir bisher auch nichts, aber Strom und Wasser entnommen. Mal sehen, ob sich noch jemand wegen der Bezahlung meldet…








Freitag, 03.04.2026 Nydri – Kalamos – 16 Seemeilen
Für den heutigen Tag ist wenig Regen und sogar zwei Stunden Sonne vorhergesagt. Wir wollen endlich etwas segeln. Aber vorher wollen wir den Wassertank auffüllen und den Ankerbeschlag reparieren. Während der Skipper noch im Bugkorb hängt, kommt aus dem Salon der Ruf: „Hier piept etwas“. Leider ist es nicht wie vermutet die Navigation, die meldet, dass der Plotter keine Daten liefert (weil er noch nicht hochgefahren ist), sondern es ist die Bilgenpumpe. Das hatten wir noch nie. Nun heißt es also erstmal den ganzen „Keller“ leerräumen, um an die Bilge zu gelangen. Dort steht in der Tat etwas Wasser. Die Skipperin macht den Geschmackstest: Süßwasser – soweit die gute Nachricht. Wir beobachten schon seit Tagen, dass die Wasserpumpe immer mal wieder unbegründet anspringt und schalten sie daher ab, wenn wir sie nicht benötigen. Irgendwo muss außerhalb des vor 1,5 Wochen gefundenen Lecks am Schlauch vom Boiler noch eine undichte Stelle sein. Wir legen die Bilge erstmal trocken und versuchen dann mit der Taschenlampe eine undichte Stelle zu finden. Aber entweder ist es so wenig, oder so versteckt – wir finden nichts. Also heißt es alles wieder einräumen und in den nächsten Tagen engmaschig kontrollieren. Unterdessen hat der Skipper den Ankerbeschlag umgebaut. Nun läuft die Kette wieder geschmeidig über zwei Rollen, wie sie es soll.




Wir legen ab und freuen uns, dass außerhalb der geschützten Bucht von Nydri tatsächlich etwas Wind weht. Es sind zwar nur 6-8 Knoten, aber bei einem Halbwindkurs macht Venga! daraus immerhin 3,5-4,5 Knoten Fahrt. Wir sind zufrieden und können unseren Gästen nun erstmal „beweisen“, dass Venga auch segeln kann. Unser Ziel ist die Insel Kalamos. Sie ist recht hoch und so müssen wir die Segel bergen und auf Maschine wechseln, sobald wir in ihren Windschatten einlaufen. Unter Maschine erreichen wir den kleinen Hafenort und finden ganz vorn an der Mole noch einen Platz längsseits. Die Sonne kommt heraus und so gibt es ein Anlegebier auf dem sonnigen Achterdeck bis uns die ersten Tropfen einer aufziehenden Regenwolke ins Cockpit unter das Bimini treiben.





Kaum in Kalamos angekommen, streikt die elektrische Pumpe unserer Toilette. Irgendetwas blockiert sie. Der Skipper ist „begeistert“ – wieder kann er zum Werkzeug greifen, aber erst nach dem Abendessen… Abends kochen unsere Gäste für uns. Es gibt Nudeln mit gebratenen Scampi in einer Curry-Orangen-Sahnesoße und dazu reichlich geriebenen Parmesan und als Topping Ruccola. Wir sind begeistert – wieder ein sehr leckeres Bootrezept! Das Wetter meint es gut mit uns und so können wir das Abendessen bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages im Cockpit einnehmen. Während die Damen noch einen kleinen Abendspaziergang zur nahegelegenen Badebucht und durch den Ort unternehmen um ein paar hübsche Motive einzufangen, kümmert der Skipper sich um das defekte Klo. Nach einiger Mühe ist die Pumpe zerlegt und gereinigt – ein Abstandhalter der Klobrille war ins Becken gefallen und hatte den Zerhacker blockiert.










Der Tag klingt aus mit entspannten Gesprächen bei Käse und Wein – wir genießen es, mal wieder Gäste an Bord zu haben!