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#62 Messolonghi – Vollbremsung im Bootsalltag

Nachdem die letzten Wochen auf den ionischen Inseln von viel körperlicher Aktivität, Erkundung und Entdeckung geprägt waren, fühlen sich die ersten Tage in Messolonghi wie eine Vollbremsung an. Wir kennen die Stadt und den Hafen schon, wir waren im März bereits 14 Tage am Stadtkai. Damals haben wir den Ort und auch die nähere und weitere Umgebung durchstreift. Daher fühlt es sich erstmal so an, als gäbe es nichts Neues zu entdecken. Zudem lädt das Wetter nicht dazu ein, sich viel an der frischen Luft zu bewegen. Es regnet und regnet und regnet. Also widmen wir uns in den ersten Tagen verstärkt den anstehenden Bootsprojekten, insbesondere dem Umbau auf Lithium-Batterien und führen ansonsten einen recht unspektakulären Alltag.

Samstag 29.11.2025 – Messolonghi Hafentag

Den heutigen Tag können wir (fast) streichen: schlechtes Wetter! Wir nutzen eine kleine Regenpause, um zum Markt zu gehen und etwas Gemüse einzukaufen. Hier an den kleinen Ständen der umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe bekommt man regionales, saisonales und frisches Obst, Gemüse und Gemüsesetzlinge zu äußerst günstigen Preisen. Die Crew der Isabelle af Wisby begleitet uns und wir spazieren im Anschluss zum Hauptplatz und gönnen uns eine Fika in einer Konditorei, die überbordend mit Weihnachtsdeko gespickt ist. Die für unseren Geschmack deutlich zu kitschige Dekoration kann man hier auch kaufen.

Wieder an Bord widmen wir uns ein paar Bootsarbeiten. Die Schaumstoffisolierung im Motorraum zerfällt immer mehr. Ständig liegen Fetzen auf und um die Maschine. Barbara legt eine Runde Bootsyoga ein und versucht den Schaumstoff zu entfernen. Dazu spannt sie eine Plastikfolie über die Maschine, um die Schaumstofffetzen aufzufangen. Es funktioniert einigermaßen, allerdings verbleiben die Klebestreifen, mit denen die Isolierung festgeklebt waren, an Ort und Stelle und wollen sich auch nicht entfernen lassen. Die Kleben auch in 40 Jahren noch!

Werner recherchiert weiter das Thema „Umbau auf Lithium“. Dabei stehen seine Söhne ihm via Videocall mit ihrem Know How zur Seite. Nebenbei gilt es den Bericht fertig zu stellen, was sich als langwierig herausstellt, da unsere griechische Internetkarte abgelaufen ist und wir sie erst im Dezember wieder reaktivieren können. Der Anbieter Cosmote hat sein Prepaid-Monatsangebot ab Oktober nicht mehr verlängert. Nun kann man (günstiges) Internet nur für 7 Tage buchen und nur zweimal im Monat. Unser Handynetz ist hier im Hafen ebenfalls schwach und das Wlan der Marina angesichts des schlechten Wetters hoffnungslos überlastet. Die Bilder werden im Schneckentempo hochgeladen.

Sonntag, 30.11.25 – Messolonghi Hafentag – Yoga – BBQ – 1. Advent

Am Morgen bietet Jacky eine Yogastunde auf der Veranda des Marina-Restaurants an – das lässt Barbara sich nicht entgehen. Sogar die Sonne schaut vorbei. Werner nutzt die Zeit für eine Radtour zum Eingang des Kanals und nutzt das Licht für ein paar schöne Aufnahmen.

Gegen 13:00 startet das sonntägliche BBQ, zu dem jeder etwas für das Buffet mitbringt. Uns ist es zum Grillen und Biertrinken zu früh – es gab ja gerade erst Frühstück. Aber Vorbeischauen und ein paar weitere Gesichter der Community kennenlernen, wollen wir gerne. So macht Barbara eine Ration Datteln im Speckmantel und wir gesellen uns zu den anderen. Die hiesige Community ist deutlich größer, als in Kalamata und so treffen wir wieder auf viele neue Gesichter verschiedener Nationalitäten und mit interessanten Geschichten. Im Anschluss nutzen wir eine erneute trockene Phase und durchstreifen die Altstadt von Messolonghi. Wir können uns hier zwar schon gut orientieren, haben aber noch lange nicht alle Gassen der Altstadt gesehen.

Am späten Nachmittag findet die Sonne eine Wolkenlücke. Es ist windstill und nun zieht es Barbara zur Lagune. Licht und spiegelglattes Wasser sorgen für eine wunderbare Stimmung. Abseits der Straße waten Flamingos durch das flache Wasser der Lagune und in der Ferne ist sind großer Schwarm Reiher und geschätzte 70 Pelikane auszumachen. Letztere bewegen sich lautlos schwebend wie ein Fischschwarm auf dem Wasser. Erst schwimmen sie alle nach links und wenden sich dann wie auf ein lautloses Kommando nach rechts. Im Hintergrund erhebt sich mächtig der 917m hohe Berg „Varasova“, ein Eldorado für Kletterer. Leider schafft das Teleobjektiv des Handys die Distanz nicht gut: die Pelikane sind unscharf, aber der Berg beeindruckend! Je weiter sich die Sonne dem Horizont nähert, desto spektakulärer werden die Farben des Himmels und der Lagune.

Montag, 01.12.2025 – Messolonghi – Hafentag

Heute scheint die Sonne und der Hafen erwacht zum Leben. Überall wuseln Menschen auf Brücken und Booten. Im Boatyard kann endlich wieder gearbeitet werden. Es wird geschliffen, gehämmert und die Lichterdeko am Mast befestigt. Wir nutzen das gute Wetter, um unsere Segel auszurollen und zu trocknen, bevor wir sie herunterholen und zwecks Durchsicht und Reinigung zum Segelmacher bringen. Das Groß haben wir noch nie heruntergeholt und da der Sonnenschutz mürbe wird und erneuert werden muss, gehen wir es nun an. Unsere Fallen sind am Mast mit Rutgerson-Klemmen gesichert. Beim Versuch die Klemme des Genuafalls zu lösen, bricht der Hebel ab – na toll! Mit Hilfe von Zange und Schraubenzieher bekommen wir die Klemme gelöst. An Bord wird das Segel nur notdürftig gefaltet, dann gemeinsam über die Gangway auf die Brücke gewuchtet und dort ordentlich zusammengepackt. Als nächstes ist das Groß an der Reihe. Die Klemme öffnen wir nun mit äußerster Vorsicht. Wir haben ein Rollgroß. Es wird im Mast auf eine Rolle aufgewickelt. Dazu ist es unten mit einer Öse in einem Haken an der Rolle befestigt und wird oben mittels Fall am oberen Ende der Rolle fixiert. Um nun an den unteren Haken heranzukommen, gibt es seitliche Supportöffnungen, die mit Hartplastikkappen verschlossen sind. Diese muss man entfernen. Dabei bricht am ersten Deckel ein Stück Hartplastik ab – anscheinend leiden ein paar Teile am Mast gehörig unter der UV-Einstrahlung! Das Segel kommt nun sehr leicht runter – wir sind nur gespannt, ob das erneute Setzen genauso gut funktioniert.

Werner hat sich am Nachmittag mit Stevy von der SY Twist verabredet. Auch dort soll auf Lithium umgerüstet werden und Werner gibt sein frisch erworbenes Know How gerne weiter. Auf dem Weg durch den Hafen fällt uns auf, was für eine gute Sicht wir heute haben: auf der anderen Seite des Golfs von Patras auf dem Peleponnes entdecken wir schneebedeckte Berge. Der Winter ist in Sicht!

Abends sind wir zu einem Sundowner auf die Isabelle eingeladen, um Abschied zu feiern. Morgen bringen wir die beiden nach Athen zum Airport. Dazu haben wir hier vor Ort ein Auto für einen Tag gemietet und teilen uns die Kosten, denn wir wollen bei dieser Gelegenheit unseren Leihwagen am Airport abholen. Es soll früh losgehen, also geht’s heute auch rechtzeitig ins Bett!

Dienstag, 02.12.2025 – Messolonghi – Hafentag – Athen und retour – Essen mit der SY Twist

Morgens um acht brechen wir auf. Der Peugeot 208 ist mit 4 Personen samt Gepäck ordentlich beladen und setzt bereits auf dem Marinagelände an einer Bodenwelle auf – autsch! Zur Rechtfertigung sei gesagt, das Marinagelände ist derzeit eher eine Off-Road-Strecke. Hier wird kräftig gebaut und mal hier und mal dort eine Fläche aufgerissen, um Leitungen zu verlegen. Im Anschluss werden diese Löcher und Gräben recht lieblos wieder befüllt, so dass das Gelände einer Kraterlandschaft gleicht. Sobald wir das Gelände verlassen haben, geht es dem Peugeot viel besser. Wir kommen gut durch und erreichen nach gut 3 Stunden den Flughafen in Athen, wo wir uns auf unbestimmte Zeit von der Crew der Isabelle verabschieden müssen. Johann treffen wir wahrscheinlich Ende Februar wieder, aber wann und ob wir ein Wiedersehen mit Candy feiern können, steht in den Sternen.

Wir haben uns zu 11:00 Uhr einen Mietwagen außerhalb des Flughafengeländes gebucht. Das passt jetzt ziemlich gut, wir haben nur 20 Minuten Verspätung. Als kleine Kolonne fahren wir von hier in getrennten Mietwagen wieder zurück nach Messolonghi, wo Werner nach sechs Stunden hinter dem Steuer erstmal eine Wohneinheit braucht. Dann vertreten wir uns in der Marina die Beine, besichtigen die Baustelle und laufen einmal alle gut belegten Brücken ab. Die Marina soll eine Slipp Rampe und noch zwei zusätzliche Schwimmstege bekommen. Dafür werden unzählige Betonklötze hier vor Ort gegossen. Sie werden im Hafenbecken platziert und an ihnen werden die Schwimmbrücken und Mooringleinen verankert. Die Marineros sind zusammen mit Tauchern damit beschäftigt, die bereits existierenden Mooringleinen zu kontrollieren und ggf. zu tauschen. Die Marina macht auf uns einen sehr guten Eindruck und wir fühlen uns immer mehr in unserer Entscheidung bestätigt, Venga! hier ein paar Wochen allein zu lassen.

Abends sind wir mit Ulli und Stevy von der SY Twist zum Essen verabredet. Natürlich fängt es pünktlich an zu regnen. Da ist es doch praktisch, dass wir nun ein Auto zur Verfügung haben. Auf Ullis Empfehlung hin steuern wir ein sehr typisches griechisches Restaurant in der Altstadt an. Die beiden sind schon länger hier und haben verschiedene Restaurants bereits getestet. Das familiengeführte „Dimitroukas“ blickt bereits auf eine 50-jährige Tradition zurück. Wir bestellen die Tagesempfehlungen:

  • Fleischbällchen mit Tomatensoße (die griechische Antwort auf spanische „Albondigas“
  • Lammkarré mit Pommes
  • Mit Käse überbackene Auberginen
  • Saganaki Shrimps
  • Tzaziki
  • Schafkäsecreme
  • Brot und reichlich Roséwein

Bei leckerem Essen, interessanten und kurzweiligen Gesprächen, verfliegt der schöne Abend viel zu schnell.

Mittwoch, 03.12.2025 – Messolonghi – Hafentag – Bootsarbeiten

Die Nacht war sehr ruhig. Wellen gibt es hier im Hafen so gut wie nie und damit auch kein Klatschen unter dem Kopf. Der Wetterbericht sieht schon wieder gemischt aus, daher beschließen wir, erstmal eine To-Do-Liste zu erstellen, was wir in den nächsten 7 Tagen hier noch alles erledigen wollen. Die Liste wird erschreckend lang. Wir kleben sie an die Wand zum Motorraum in der Küche. Da kommen wir täglich mehrmals vorbei und hoffen so, die anstehenden Aufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren.

Werner startet gleich mit dem Umbau der Solarregler. Aktuell befinden die sich unter der Sitzbank der Sitzgruppe im Salon an einer nur mäßig gut zugänglichen Stelle. Zudem gefiel dem Skipper die Kabelfürung gar nicht. Das hinter den Solarreglern verbaute Ladegerät für Landstrom war nur zugänglich, wenn die Solaranlage teilweise demontiert wird! Sehr ungünstig! Werner möchte zukünftig alles an Reglern übersichtlich und gut zugänglich in einer nicht genutzen Klappe im Motorraum anbringen. Als Vorarbeit für die eigentliche Installation verlegt Werner die Solarregler provisorisch an den neuen Platz. Zuerst muss eine neue Holzbox gebaut werden, in die alle Komponenten eingebaut werden sollen, dies wird eine Winterarbeit in Deutschalnd sein.

Barbara baut derweil die Fensterverkleidung im Salon ab, denn dort tropft es regelmäßig raus und wir wollen herausbekommen, woher dieses Wasser kommt. Handelt es sich um Regenwasser von außen oder um Kondenswasser von innen? Auf den ersten Blick, ist das nicht zu sagen. Also wird erstmal alles gesäubert und wir beobachten, was sich hier in den nächsten Tagen tut. Die verzinkten Schrauben müssen in jedem Fall durch neue aus V4A ersetzt werden. Also kann der Punkt nicht endgültig abgehakt werden, es bleiben Folgeaufgaben – unbefriedigend. Als nächstes ist das Thema „Stufen der Badeleiter“ dran. Im Laufe der letzten Wochen haben sich fast alle gelöst. Eine haben wir sogar verloren. Das liegt zum einen daran, dass die Stufen mit Holzschrauben am Gestänge der Badeleiter befestigt wurden, zum anderen auch daran, dass sie beim Zusammenklappen aneinander reiben. Zudem quillt das Holz im Wasser etwas auf, was den Halt der Holzschrauben verschlechtert. Wir müssen nun ausmessen, welche Stärke die neuen Stufen maximal haben dürfen, um nicht beim Zusammenklappen gegeneinander zu stoßen und welche Länge von Maschinenschrauben wir benötigen, den zukünftig wollen wir die Stufen mit diesen befestigen. Gerade im schwimmenden Zustand ist es gar nicht so einfach, auf der Badeplattform hockend, die Maßlehre richtig anzusetzen. Es gelingt zum Glück, ohne dass jemand ins Wasser fällt.

Auch wenn wir hier in Messolonghi nicht mit viel Wellengang im Hafen während des Winters rechnen, so wollen wir doch für diese Zeit weitere Leinen ausbringen. Das ist eine Aufgabe für die Skipperin, die alle vier Leinen mit Ruckdämpfern nach achtern ausbringt und zusätzlich die langen Festmacherleinen auf Slipp zur Mittelklampe führt. Nach vorne haben wir zwei richtig mächtige, 28mm starke Mooringleinen. Seitlich liegen wir auf Fenderabstand zu den Nachbarbooten. Zumindest ein Punkt auf der To-Do_liste kann also einen Haken bekommen. Auch der Skipper ist mit seinem Fortschritt an der Batterienfront zufrieden. Step by Step geht es mit den Vorbereitungen für den Umbau voran.

Den Abend verbringen wir vor den Laptops, während am Rumpf wieder die Fische kloppfen. Das ist ein ganz besonderes Geräusch hier im Hafen von Messolonghi, der voll ist von kleinen Fischen. In großen Schwärmen schwimmen sie unter den im Hafen liegenden Booten. Wenn sie sich erschrecken, ändern sie ruckartig ihre Schwimmrichtung und dabei schlagen dann oftmals mehrere Heckflossen an den Rumpf. Begleitet wird dieses dumpfe schlagende Geräusch von blubberndem Wasser. Anfangs ist das etwas erschreckend und sehr gewöhnungsbedürftig. Unterdessen haben wir uns daran gewöhnt und zucken nicht mehr zusammen.

Donnerstag, 04.12.2025 – Messolonghi – Hafentag – Workshop „Sicherheit an Bord“

Ein weiterer Regentag. Uns hält das Wetter aber nicht von einer schnellen Radtour in die Stadt ab. Heute wollen wir beide zum Friseur. Die Skipperin wählt auf Empfehlung Stavropoulos Hair Salon und der Skipper einen Barbershop gegenüber. Wir bekommen beide kurzfristig einen Termin und treffen uns nach knapp einer Stunde neu gestylt wieder. In beiden Läden freuten wir uns über super freundliche Bedienung, professionelle Arbeit und überaus günstige Preise. Für den Damenschnitt werden 22€ inklusive Waschen und Fönen, für den Herrenschnitt 15€ inklusive Styling berechnet. Es ist uns ein Rätsel, wie das funktionieren kann und geben reichlich Trinkgeld. Im Anschluss machen wir noch einen Abstecher zu unserem Fahrradgeschäft, um ein paar Kleinigkeiten an unseren Rädern zu reklamieren, die wir hier im März gekauft haben und werden wieder ausgesprochen freundlich bedient. In „unserer“ Wäscherei des Vertrauens buchen wir für kommenden Montag unsere Wäsche ein. Der Service: morgens abgeben, abends wieder abholen. So nähern wir uns Schritt für Schritt unserem Winterabschied aus Griechenland.

Wieder an Bord widmet Werner sich dem nächsten Problem: die Anzeige unseres Dieseltankes funktioniert nur manchmal. Irgendwo muss es ein Kontaktproblem geben. Er versucht die fehlerhafte Stelle auf der Platine zu finden, lötet ein neues Bauteil ein, aber leider ohne Erfolg. Die Technologie für die Tankanzeige ist total veraltert und anfällig, da sehr kompliziert. Also muss eine neue Anzeige her. Um die richtige zu bestellen, muss man wissen, welcher Geber im Tank verbaut ist. Dokumentation dazu finden wir leider nicht. Also heißt es den Tank öffnen und nachschauen. Letztlich bestellt der Skipper auch den Geber neu, da die modernen Geber statt eines seitlichen Schwimmers einen zentralen Schwimmer an einem Rohr benutzen, der weniger Problemanfälliger erscheint. Entscheidet war die Öffnung des Tanks für den Geber, dieser muss genau passen. Zum Glück fand Werner genau den richtigen Geber. Die Liste der Bestellungen wird länger und länger!

Am Nachmittag gibt es erneut einen „Skipper and Crew – Workshop“. Diesmal zum Thema „Sicherheit an Bord“. Wir nehmen natürlich daran teil, denn das betrifft ja einfach jeden von uns. Ein britischer Segler der Community hat sich Gedanken gemacht und eine Powerpoint Präsentation erstellt. Er führt uns durch alle „Räume“ des Bootes und weist auf denkbare Gefahrenquellen hin. Alle auszuschließen ist nahezu unmöglich. Es geht ihm vorrangig darum, uns für das Thema zu sensibilisieren und zu erreichen, dass wir uns unser Boot im Hinblick auf die möglichen Gefahrenquellen einmal genauer ansehen. Es sind ein paar gute Tipps dabei, an die wir bisher nicht gedacht haben. Wir kontrollieren beispielsweise im Anschluss, wo sich die Löschdecken für unseren Herd befinden, sollte dort ein Feuer ausbrechen. Sind sie dann überhaupt erreichbar? Der Hinweis, an der Ankerwinsch keine Handschuhe zu tragen, weil bei einer Fehlfunktion, diese samt Fingern in die Winsch eingezogen werden könnten, betrifft uns dagegen nicht. Wir tragen nur selten Handschuhe an Bord. Auch der Hinweis, Toilettentüren niemals zu verriegeln und im besten Fall sogar offen stehen zu lassen (auch bei Benutzung auf See), kommt bei uns nicht zum Tragen. Unsere WC-Türen kann man nicht verriegeln und auf See wird i.d.R. nur die Toilette im Bug benutzt, die über zwei Türen verfügt. Selbst wenn durch irgendeinen herumfliegenden Gegenstand eine Tür blockiert würde, gäbe es noch eine zweite, durch die man die Toilette wieder verlassen kann. Dagegen fällt der Ratschlag, auf langer Tour oder Nachtfahrt ein Seil im Salon zu spannen, an dem man sich festhalten kann, auf fruchtbaren Boden. Wir haben zwar auf der Steuerbordseite gute Möglichkeiten zum Festhalten, aber der Salontisch bietet wenig Haltemöglichkeit. Zudem wird uns erneut der Blick geschärft für Gefahrensituationen, die aus herumliegenden Leinen und einem ungesicherten Großbaum resultieren können

Das Thema „Mann über Bord“ schneiden wir natürlich auch an. Unsere erste Maxime lautet bekanntlich „ins Wasser zu fallen, ist keine Option“, aber um das zu erreichen, bedarf es der Beachtung einiger wichtiger Sicherheitsaspekte:

  • Wenn nur einer von uns an Deck ist, verlässt der andere nur im Notfall und dann mit Schwimmweste und eingepickt am Boot
  • Bei harten Bedingungen gilt Schwimmwestenpflicht
  • Nachts gilt immer Schwimmwestenpflicht
  • Für Nachtfahrten hat jeder von uns eine Kopflampe mit Rotlicht am Körper
  • Unsere Schwimmwesten sind zusätzlich mit einem Ortungssystem und einem Notlicht ausgestattet
  • Sollte doch jemand über Bord gehen, haben wir das Bergungssystem „Catch and Lift“ an Bord
  • Für den Supergau, dass Venga! sinkt, befindet sich eine Rettungsinsel an Bord

Dankbar sind wir in diesem Zusammenhang für die Erläuterung eines Bergungsmanövers, das auch bei der Bergung einer verletzten oder ohnmächtigen Person eingesetzt werden kann. Dazu wird ein großes dreieckiges Tuch mit Augen an allen 3 Spitzen benötigt. Zwei dieser Augen werden am Boot befestigt, beispielsweise an Heck und Mittschiffsklampe oder sogar an den Handläufen der Aufbauten. In das dritte Auge wird die Dirk angeschlagen. Dann wird das Tuch ins Wasser abgesenkt und die neben der Bordwand im Wasser treibende Person hineingeschoben. Mittels Winsch kann dann das Tuch angehoben und die Person quasi bis auf Deckshöhe oder sogar über die Reling an Bord gerollt werden.

Freitag, 05.12.2025 – Messolonghi – Hafentag

Eine schwere Wetterfront mit dem Namen „Byron“ trifft Griechenland mit schweren Gewittern und Starkregen. Zwar sind der Osten und Süden des Landes – was die Gewitterfronten betrifft – am stärksten betroffen, aber das Regengebiet scheint sich über Messolonghi zu drehen und bringt erneut ergiebigen Regen mit sich. Wir richten uns also auf einen weiteren Tag unter Deck und ohne Bewegung ein und arbeiten ein paar Punkte der To-Do-Liste ab. Viele der Punkte betreffen aber Arbeiten draußen und so langsam laufen uns die Tage davon, an denen wir diese Punkte noch abarbeiten können. Wir richten uns schon mal darauf ein, dass Einiges bis zum März verschoben werden muss. Werner beschäftigt sich ausgiebig mit der Bestellung von Teilen, die wir für die verschiedenen Bootsprojekte benötigen. Unsere Wohnung zuhause füllt sich langsam mit den eingehenden Paketen. Barbara pflegt derweil die „wo ist was auf Venga“ – Excelliste. Wir organisieren die verschiedenen Stauräume etwas um, weil wir im Gebrauch gemerkt haben, was wir häufiger und was seltener benötigen. Wenn der neue Ort nicht ebenfalls in der Excelliste eingetragen wird, hilft sie bei der Suche wenig. So vergeht der Tag ohne große Ergebnisse und Ereignisse – irgendwie unbefriedigend. Aber nein, da war doch noch die kreative Reparaturaktion des Skippers. Das Innere unserer Tischleuchte war nach einem Sturz vom Tisch zerbrochen, sodass der Touch-Schalter nicht mehr funktionierte und auch die Mastabdeckung musste geklebt werden. Beides löst er äußerst kreativ, nein fast schon künstlerisch! Reine Verzfeiflungstat bei dem Dauerregen von 36 Stunden!

Wie jeden Freitag findet auch heute in der Taverne „Skippers“ auf dem Marina Gelände ein Abend mit Happy Hour, gemeinsamem Abendmenü und Livemusik statt. Wir wollen Dimitri, den Inhaber des Restaurants unterstützen und nehmen wieder daran teil, auch wenn wir am letzten Freitag fast mit einem Hörsturz nach Hause kamen. Der Raum hat leider eine sehr schlechte Akustik und bei vielen Leuten, die versuchen sich zu unterhalten, muss man schreien, um mit dem Platznachbarn ein Gespräch zu führen. Dann auch noch Musik eines Alleinunterhalters… Diesmal bekommen wir ein uns genehmeres Musikvergnügen präsentiert. Statt e-Klavier gibt es Gitarre als Gesangsbegleitung. Auch wenn die Töne nicht immer getroffen werden: wir spenden Applaus. Trotzdem sind diesmal schlauer und verziehen uns nach dem Essen mit der Twist-Crew auf die überdachte Veranda. So ist es möglich ein Gespräch bei Zimmerlautstärke zu führen. Allerdings zieht uns die Kälte von unten in die Knochen – irgendetwas ist ja immer. Gerade, als ich das hier schreibe, habe ich ein Dejavu und sehe mich vor 30 Jahren verständnislos den Kopf schütteln, als meine Eltern solche Sätze sprachen. Man könnte auf den (verwegenen) Gedanken kommen, auch wir würden älter – das kann doch nicht sein!

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