Gemeinsam unterwegs zu sein, macht vieles gleich doppelt so schön. Umso mehr freuen wir uns, eine Zeit lang mit unserem Buddyboot „Isabelle af Wisby“ und ihrem Eigner Johan durch das Ionische Meer zu segeln.

Unsere Route entsteht dabei ganz spontan: Wind, Wetter und die Lust auf kleine Wanderungen geben die Richtung vor. So treiben wir nicht nur übers Meer, sondern sammeln unterwegs auch neue Erfahrungen, lernen voneinander – und schaffen Erinnerungen, die bleiben.

Samstag, 11.04.2026 – Vlycho-Bay Ankerplatz –„Hafentag“
Uns begrüßt erneut ein sonniger Morgen, den wir mit Zeitung und Kaffee entspannt angehen. Dann brechen wir zusammen mit Johan zu einer Wanderung auf. Schon im letzten Jahr hatten wir gesehen, dass direkt am Zugang zu den Wasserfällen in Nydri ein schmaler Wanderweg steil aufwärtsführt. Den wollen wir heute mal „ausprobieren“. Mit den Rädern fahren wir die ersten 3 Kilometer bis zu einer Wegkreuzung in den Olivenhainen. Von dort geht es zu Fuß weiter. Im „Flachland“ können sich so unsere Muskeln in aller Ruhe wieder auf „Bewegung“ einstellen, bevor es recht steil aufwärts geht. Besonders der Beginn des Pfades hat es in sich – vielleicht soll vermieden werden, das Touristen mit falschem Schuhwerk ihn einschlagen? Wir nehmen zur Sicherheit die Hände zur Hilfe, um nicht wegzurutschen – festes Schuhwerk tragen wir sowieso. So anstrengend steile Aufstiege sind, so schön ist es, schnell an Höhe zu gewinnen und wunderbare Ausblicke genießen zu können. Am Wegesrand fallen uns verschieden Orchideenarten auf, einige scheinen kleine Gesichter zu haben, in anderen sehen wir tanzende Figuren. Der Weg führt durch waldige Abschnitte, durch Olivenhaine und vorbei an uralten Platanen. Auffallend oft ist der Boden nass, oder wir hören ein Plätschern im Gebüsch. In diesem Berg steckt offensichtlich viel Wasser! Unter der mächtigsten Platane rasten wir. Ihr gewaltiger Stamm lädt zum Klettern ein, aber es gibt einfach nicht genug Haltegriffe für die Finger, also geben wir es auf. Ihre gewaltige Krone hat eine Spannweite von 40 Metern und im teilweise hohlen Stamm scheint es schon mal gebrannt zu haben. Dieser Baum könnte sicherlich viele Geschichten erzählen.














Im weiteren Verlauf folgen wir einem Höhenweg, der uns mit schönen Ausblicken über Nydri beschenkt, kommen vorbei an der kleinen Kapelle St. Georg und erreichen bald darauf das Bergdorf Neochori. Hier gibt es ein paar sehr schöne Häuser mit fantastischer Aussicht und noch einige „Projekte“. Gleich neben dem Parkplatz an der Kirche zweigt ein Fußweg ab. Ein junger Mann ist gerade dabei, ihn etwas freizuschneiden – für uns? Nein, er führt zu seinem Haus und der nach Nydri biegt gleich rechts ab und scheint sich im Unterholz zu verlieren. Ohne seine Bestätigung wären wir hier nicht weitergegangen, aber so finden wir die Abkürzung zur Straße. Es geht nun steil bergab und wir müssen uns konzentrieren, den Pfad nicht zu verlieren. Er mündet am Fuß des Berges im Dorf Agos Christoforos. Wir lieben diese alten Verbindungswege zwischen den Dörfern. Leider sind nicht alle in den Komoot-Karten zu finden. Vielleicht müssen wir uns doch noch mal Messtischkarten der Ionischen Inseln besorgen.











Nach knapp 10 Kilometern erreichen wir wieder unsere Räder, mit denen wir einen Abstecher nach Nydri machen, wo wir ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt einkaufen, bevor wir an die Promenade radeln, um ein verdientes Kaltgetränk zu genießen. Auf dem Weg dahin sehen wir nahezu ein Duzend Reisebusse auf dem Parkplatz stehen. An der Promenade kommen uns massenweise Menschen entgegen, die anscheinend gerade eine Fähre aus Meganisi ausgespuckt hat. Alle streben zu den Bussen, die sie nach Lefkada, Preveza, Athen und Kalamata bringen – ein Vorgeschmack auf Hauptsaison an den griechischen Ostertagen!
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2879127376
Sonntag, 12.04.2026 – Vlycho-Bay Ankerplatz –„Hafentag“
Heute ist das griechische Osterfest und uns begrüßt ein Morgen mit magischer Stimmung. Es ist völlig windstill und die Bucht gleicht einem Spiegel.


Wir haben uns heute um 16:00 Uhr zum Osterlunch im Yachtclub angemeldet und die Männer wollen sich kleineren Bootsprojekten widmen. Die Skipperin ist rastlos und hat andere Pläne: Im Hinterland von Vlycho hat sie sich eine Wanderung geplant, nur eine kleine – eigentlich. Mit dem Rad geht es zum Ausgangspunkt und von dort über einen Schotterweg oberhalb der Straße. So gerne würde sie auf den Bergrücken oberhalb der Bucht gelangen, um von oben einen Blick auf den Ankerplatz zu werfen, aber nirgends findet sich ein abzweigender Pfad. Erst, als sie nach einigen Kilometern schon über eine Umkehr nachdenkt, zweigt unvermittelt ein deutlich erkennbarer Pfad ab. Er ist sogar in größeren Abständen durch Flatterbandfetzen gekennzeichnet. Also wird er wohl irgendwohin führen, auch wenn es ihn auf Komoot nicht gibt. Es geht steil bergan, wieder durch teilweise verwilderte Olivenhaine, dann durch lichten Wald. Irgendwann öffnet sich der hohe Bewuchs und mündet auf einen blumenbedeckten Bergsattel mit Kapelle – der richtige Platz für eine Rast. Von hier kann der Blick wieder weit über Inseln und Meer schweifen. Direkt unterhalb liegt das Bergdorf Katochori, von dem aus ein bereits bekannter Weg zum Ankerplatz führt. Aber leider lässt sich hier oben kein Pfad hinab finden. Alle vermeintlichen Pfade scheinen von Ziegen zu stammen und verlieren sich nach wenigen Metern. Also stellt sich wieder die Frage: umkehren oder weitersuchen? Auf Komoot ist ein Weg zum nächsten Bergdorf Fterno eingezeichnet. Das liegt gar nicht weit von Katochori entfernt und von oben sieht es aus, als gäbe es einen Verbindungsweg, der in den Karten allerdings fehlt. Ist klar, wofür sich die Skipperin entscheidet, oder? Umkehren kommt eigentlich nie in Frage. Also geht es weiter über Ftero und von dort super steil und etwas abenteuerlich abwärts nach Katachori. Nun ist der Weg bekannt und so erreicht sie pünktlich um 16:00 Uhr den Yachtclub zum ausgesprochen leckeren Lunch. Nur das Rad fehlt noch und wird nach dem Essen abgeholt.


















Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2882117160
Derweil hat sich der Skipper einigen Bootsprojekten gewidmet. Unsere Berliner Freunde hatten ein paar Bauteile mitgebracht, die der Skipper an ihre Adresse hat schicken lassen. Diese werden jetzt teilweise verbaut und dabei kann „Mann“ laut gute Musik hören, die Skipperin ist unterwegs und unser Nachbar Johan ist 50m mit seinem Boot entfernt!


Montag, 13.04.2026 Vlycho-Bay Ankerplatz – Meganisi/Platygiáli Cove – 11 Seemeilen
Heute ist griechischer Ostermontag. Wir versuchen trotzdem unser Glück beim Bäcker, denn es fehlt an frischem Brot. Er ist zwar geöffnet und Kaffee und die typischen griechischen Pasteten mit Spinat, Schafskäse oder Hühnchenfüllung sind verfügbar (da meist halbfertig eingefroren), aber frisches Brot gibt es heute nicht. Beim kleinen Supermarkt neben der Tankstelle finden wir zumindest abgepacktes Graubrot – das muss erstmal genügen. Auch die Wasservorräte können wir hier aufstocken und für das Abendessen morgen finden wir auch etwas in der TK-Abteilung. Damit kann es nun weitergehen. Mit Johan haben wir als nächsten Stopp Meganisi abgesprochen. Es sind kräftige Winde aus Südost angesagt, da liegen wir in den Buchten im Norden von Meganisi gut geschützt. Unter Genua gleiten wir bei nahezu achterlichem Wind aus der Bucht von Vlycho mit nur 2,5 Knoten hinaus und schlängeln uns so ganz gemächlich durch die vielen ankernden Boote. Von vielen bekommen wir erstaunte Blicke – unter Segeln hier auszulaufen ist offensichtlich nicht die Regel. Wir genießen es. Als wir Richtung Osten „abbiegen“, geraten wir ganz kurz in den Windschatten der Insel, bevor uns der Südostwind wieder erreicht. Wir setzen zusätzlich das Groß und kreuzen zwischen den Inseln etwas auf, bis wir die Bucht unterhalb von Spartochori anliegen können. Bei nur 6-8 Knoten Wind pflügt Venga! hier ohne Welle mit annehmbaren 4,5 bis 5 Knoten durch’s Wasser. So macht es Spaß! Kurz vor Spartochori bergen wir die Segel und laufen unter Maschine in die Bucht, in der es im Sommer an den Schwimmbrücken und Piers nur so von Charterbooten wimmelt. Jetzt herrscht gähnende Leere. Allerdings wollen wir frei ankern und dazu ist es uns in der Bucht zu tief. Selbst kurz vor dem Strand, und damit eigentlich schon im Badebereich, misst unser Tiefenmesser noch 20 Meter. Und irgendwie gefällt uns auch die Atmosphäre hier nicht. Also versuchen wir es in der nächsten Bucht – sowieso eine Empfehlung von Johan. Dort gibt es Platz für zwei frei ankernde Boote nebeneinander. Wir werfen den Anker auf 8 Meter Tiefe – viel besser! Um Johan genug Platz zum Schwoien (so nennt man das Drehen des Bootes im Wind um den Anker) zu geben, bringen wir eine Heckleine zu einem Felsen an Land aus. So liegt Venga! nahezu stationär und wir können uns nicht in die Quere kommen.







Nach dem Frühstück brechen wir gemeinsam zu einer Wanderung über die Insel auf. Anfangs geht es auf der Straße zurück in die Bucht unterhalb von Spartochori und dort über Serpentinen und 90 Treppenstufen hinauf in den Ort. Er wirkt immer noch wie ausgestorben, obwohl wir in Nydri ja deutliche Zeichen von Saisonbeginn wahrnehmen konnten. Ein Café hat aber geöffnet. Also können wir hier wohl nach unserer Wanderung einkehren. Kleine und verwinkelte Gassen bringen uns an den Dorfrand und nun geht es auf einer Betonstraße mit beachtlicher Steigung auswärts. Es ist Mittagszeit und die Sonne steht senkrecht. Heute ist der bisher wärmste Tag und schnell halten wir sehnsüchtig Ausschau nach Schatten. Als wir den höchsten Punkt erreichen, ist es Zeit für eine Trinkpause im Schatten eines Olivenbaumes. Der Weg führt uns nun auf nahezu gleichbleibender Höhe durch Olivenhaine mit auffallenden Felsbrocken. Es sieht aus, als habe ein Riese mit Steinen gespielt und sie wild in der Landschaft verteilt. Hin und wieder vernehmen wir Glockenklingeln von Ziegen. Sie verziehen sich scheu, wenn wir näherkommen. Der Weg führt uns entlang der Westküste von Meganisi und schenkt uns immer wieder Ausblicke auf Lefkada. Wir sehen „unsere“ Ankerbucht Desimi-Bay im Vordergrund und dahinter die von Vlycho. Die Skipperin entdeckt den hübschen Bergsattel mit Kapelle, auf dem sie gestern rastete. Dann wendet sich der Blick Richtung Süden und wir können die Insel Atokos (Stichwort „Schweinebucht“ #69), Ithaka und Kefalonia ausmachen. Schließlich biegen wir ab in Richtung Norden und folgen der Ostküste der Insel. Von hier sehen wir die Inseln Kalamos und Kastos und die Festlandsküste. Mittlerweile haben wir schon viele Inseln und Buchten kennengelernt und das Revier fühlt sich fast etwas heimisch an. Trotzdem gibt es noch so viel zu entdecken und zu erwandern! Auf Meganisi befinden sich die Hauptorte und die meisten Feriendomizile im Norden der Insel. Unsere heutige Rundwanderung führt uns durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet. Entsprechend wenig Müll treffen wir an und können die Ruhe und Schönheit der Natur in vollen Zügen genießen. Zurück in Spatachori müssen wir allerdings feststellen, dass das Café unterdessen geschlossen hat. Also müssen wir auf das Stillen des Durstes warten, bis wir unsere Boote erreicht haben.











Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2883468515
Wir brauchen alle erstmal viel Wasser und einen Platz, um die Beine hochzulegen. Der Skipper schafft ein kurzes Bad und eine warme Dusche auf der Badeplattform. Die Skipperin kneift, als die letzte Stufe der Badeleiter erreicht ist und begnügt sich mit der warmen Dusche. Frisch geduscht und etwas erholt genießen wir dann das wohlverdiente Kaltgetränk im Cockpit der Isabelle bis kurz vor Sonnenuntergang. Another day in paradise!

Dienstag, 14.04.2026 Meganisi/Platygiáli Cove – „Hafentag“
Morgens tröpfelt es auf’s Deck – das war doch gar nicht vorhergesagt! Es bleibt zum Glück (vorerst) bei ein paar wenigen Tropfen, aber die Sonne soll sich heute wenig zeigen. Der vorhergesagte Starkwind aus Südost erreichte uns nachts in der Bucht nur sehr abgeschwächt. Die Rechnung mit einer geschützten Bucht an Meganisis Nordküste ist aufgegangen. Warm ist es trotz des bedeckten Himmels. Dennoch haben wir uns für heute keine große Tour vorgenommen. Die Beine brauchen mal etwas Schonung. Lediglich einen kurzen Spaziergang ins benachbarte, knapp drei Kilometer entfernte Vathy wollen wir unternehmen. Wir wissen, dass es dort einen Bäcker gibt und auch ein paar kleine Supermärkte und Gastronomie. Im Oktober war einiges geöffnet, also hoffentlich auch jetzt. Obwohl wir die ganze Strecke auf der Straße gehen müssen, ist das zur Zeit kein Problem. Uns begegnen zwar ein paar Autos, aber wirklich viel Verkehr herrscht (noch) nicht. In Vathy ist tatsächlich deutlich mehr Leben, als gestern in Spartochori, was auch daran liegen mag, dass nun die Osterfeiertage vorbei sind. Wir bekommen das gewünschte Brot und noch ein paar Kekse für die spätere Fika beim Bäcker, können ein paar fehlende Lebensmittel aufstocken und einen leckeren Cappuccino genießen. Allerdings erreichen uns auch hier schon ein paar Regentropfen und der Himmel sieht nach mehr aus. Also kehren wir zu den Booten zurück.










Den Nachmittag nutzen wir für Bootsarbeiten. Die elektrische Ankerwinsch der Isabelle versagte gestern beim „Ankerauf-Manöver“ den Dienst und so verbringen die beiden Männer den Nachmittag mit dem Zerlegen der Winsch samt Motor, bis der Fehler lokalisiert und vorübergehend behoben ist. Lange wird das Provisorium nicht halten. Von den vier Kohlebürsten arbeiten nur noch drei, die vierte ist verschmolzen – ein neuer Motor für die Winsch muss her. In Nydri gibt es gute Bootsausstatter und von einem hat der Skipper den Whatsapp-Kontakt. Er reagiert sofort auf seine Nachricht und verspricht sich schon morgen mit einem Preis und einem Liefertermin zurückzumelden. Da ist es gut, dass uns nichts treibt und wir sowieso noch in der Nähe bleiben wollen.



Die Skipperin kümmert sich derweil um die Reinigung des Unterwasserschiffs der Venga!. Die drei Monate im Hafen von Messolonghi sind an diesem nicht spurlos vorüber gegangen. Insbesondere am Ruderblatt und unterhalb der Wasserlinie ist deutlicher Bewuchs auszumachen. Sie beginnt mit der Steuerbordseite. Vom Dinghi aus wird mit einem der Paddel das Ruderblatt abgekratzt. An ihm lassen sich einige Gruppen von Seepocken ausmachen und vielleicht sogar ein paar kleine Muscheln. Insbesondere Seepocken lassen sich oft sehr schwer entfernen, aber auf unserem neuen Unterwasseranstrich von F2 (biozid- und silikonfrei) geht es erstaunlich leicht. Nur das „Werkzeug“ und der Arbeitswinkel sind nicht optimal. Am übrigen Unterwasserschiff wird mit einer Bürste mit ausziehbarem Stiel gearbeitet. Schon besser, aber auch nicht optimal. Und warum ist dieses Boot eigentlich so groß? Nach einer Seite sind die Kraftreserven verbraucht. Passenderweise sind auch die Männer gerade durch und so geht es auch für die Skipperin hinüber zur Isabelle zur Fika. Leider ziehen viel zu früh die angekündigten Regenwolken auf und vertreiben uns aus dem Cockpit. Im Schutz eines Regenschirmes paddeln wir zurück zur Venga! und nutzen den regnerischen Abend für Bericht und Fotosichtung.



Mittwoch, 15.04.2026 Meganisi/Platygiáli Cove – Ormos Gerolimnionas/Kalamos – 14 Seemeilen
Uns begrüßt ein bedeckter Himmel, dafür gibt es Wind. Wir wollen heute nach Kalmos weitersegeln, wo die Skipperin schon seit einiger Zeit eine Wanderung im Sinn hat. Kaum aus der Bucht heraus, setzen wir die Segel und es beginnt zu nieseln. Der Wind weht aus Südwest mit 10 Knoten und wir laufen auf Halbwindkurs entlang der Nordküste von Meganisi. Leider wird das Nieseln stärker, wechselt in einen stetigen Regen – die Regenjacken kommen zum Einsatz und wir verkriechen uns unter der Sprayhood. An der Nordostecke von Meganisi kommen wir aus dem Windschatten und der Wind frischt auf. Wir wollen Richtung Süden, also heißt es kreuzen. Leider dreht der Wind permanent zwischen Südwest und Südost. Unsere Wendewinkel sind frustrierend. Irgendwie finden wir nicht das richtige Timing und wechseln irgendwann entnervt auf „motorsailing“. Mit dem Groß als Unterstützung können wir so die Südestspitze von Kalamos anlegen. Ab dort geht es mit nahezu achterlichem Wind bis zur ausgewählten Ankerbucht. Der Regen erreicht uns nun also auch unter der Sprayhood. Wir rollen das durchnässte Segel ein und geben Gas – so macht das gar keinen Spaß. Die Isabelle ist schon in der Ankerbucht und wir setzen den Anker in gefühlt ausreichender Entfernung. Kaum ist er richtig eingefahren, beginnt Venga! zu schwoien und es wird deutlich, dass wir „eigentlich“ zu dicht beieinander ankern. Aber es ist abnehmender Wind aus Nord vorhergesagt, weshalb wir es dabei belassen. Auch der Regen hat pünktlich zum Ankermanöver aufgehört, also kann das Cockpit wieder trocknen.


Die Skipperin macht zum späten Nachmittag noch einen kleinen Landausflug und paddelt mit dem Dinghi an einen leider wieder sehr verschmutzten Strand. Von dort versucht sie einen Weg zu den auf einer Landzunge gelegenen Windmühlenruinen zu finden. Es wird ihr „Spidertrail“. In kürzester Zeit kleben an der Kleidung unzählige Spinnenweben und vielleicht auch Spinne?!? Grrr – nicht schön. Mit dem ausgezogenen Selfiestab als „Machete“ geht es etwas besser.







Abends kommt Johan zu einem Sundowner und gemeinsamen Videocall mit Candy zur Venga! Candy wird Ende des Monats unsere kleine Segelgemeinschaft ergänzen, wenn sie wieder auf der Isabelle anheuert. Gemeinsam beschließen wir, dass das auf Kefalonia geschehen soll. Die Skipperin möchte unbedingt entlang der Westküste von Kefalonia einige Buchten erkunden – hoffentlich spielt das Wetter mit!
Donnerstag, 16.04.2026 Kalamos – Ormos Gerolimnionas/Kalamos – Kalamos Hafen – Ormos Gerolimnionas/Kalamos – 6 Seemeilen
Es ist zwar ein überwiegend bedeckter Tag vorhergesagt, aber trocken. Wir verholen in den Hafen von Kalamos, denn von dort wollen wir zu unserer Wanderung starten. Entlang der Küste soll es einmal um die Nordhälfte der Insel auf der „Hauptstraße“ bis zum zweiten Inselort „Episkopi“ herumgehen. Von dort soll ein (ziemlich steiler) Pfad quer über die Insel und über einen Pass zurück nach Kalamos führen. Auf der Insel gibt es nur sehr wenige Autos. Die meisten Bewohner haben Golfcarts, allerdings überwiegend nicht elektrisch betrieben. Auf den 10 Kilometern bis nach Episkopi treffen wir drei Autos und zwei Mopeds an – wandern auf der Hauptstraße ist also verkehrsmäßig kein Problem. Uns überrascht unterwegs, wie groß die Pinien sind, mit denen die Insel zu einem Großteil bedeckt ist. An der Nordspitze haben wir einen schönen Blick auf das gegenüber am Festland liegende Mytikas, wo wir in der letzten Woche so schön im Fischrestaurant gesessen haben.










Dann kommen wir zum ersten Highlight der Wanderung, der Festungsruine Episkopi. Wir sahen sie schon von See, aber nun wirkt sie erheblich größer, als gedacht. Sie ist in keiner Weise touristisch erschlossen, aber über einen Trampelpfad im hohen Gras gelangen wir durch einen Eckturm ins Innere, wo Zitronen und Orangenbäume wachsen. Das Gras und die Diesteln stehen hier fast hüfthoch und machen eine ausgiebige Erkundung schwer. Auch einen Picknickplatz finden wir hier nicht und beschließen noch ein Stück weiterzuwandern. Im Internet finden wir nur wenig Informationen zur Festung. Sie ist vermutlich venezianischen oder byzantinischen Ursprungs und stammt aus dem 13. Oder 14. Jahrhundert. Die hohen Bögen in den Außenwänden, die in mehreren „Etagen“ erhalten sind, lassen eine mehrstöckige innenliegende Bebauung vermuten. Am Ostende wirken die im Halbrund stehenden Mauerreste zudem wie die Apsis einer Kirche. Vor Ort gibt es außer eines Hinweisschildes „Episkopi Castel“ keine Informationen. Neben der Ruine stehen ein paar verfallenen oder teilrenovierte Häuser, Kinder toben herum, Männer sitzen unter Bäumen, die in Wannen gewaschene Wäsche hängt zum Trocknen an Leine und Gartenzaun. Es wirkt friedlich. Kurz hinter der Ruine führt ein kurzer Abstecher aufwärts zu einer Wasserstelle mit sehr gutem Wasser.














Wir wandern weiter und rasten oberhalb des Dorfes Episkopi, um im Anschluss den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Leider ist der Pfad total überwuchert und man kann ihn schon wenige Meter hinter dem letzten Haus nicht mehr erkennen. Gras, Diesteln, Gestrüpp stehen mehr als kniehoch und von Markierungen keine Spur. Das macht gar keinen Sinn. Etwas enttäuscht beschließen wir, auf dem gleichen Weg zurückzugehen, auf dem wir gekommen sind. Für die Skipperin eigentlich inakzeptabel… Aber vorher machen wir noch einen kleinen Abstecher zum völlig verschlafenen Hafen von Episkopi. Die Männer finden eine Bank für eine weitere Rast, während die Skipperin auf der Suche nach Fotomotiven um den Hafen schlendert. Gerade hat sie einen roten Farbfleck in Form einer Mohnblume im Blick, als ein lautes Tuten ertönt. Die Fähre aus Mytikas steuert den Hafen an und eine Idee blitzt auf. Falls der nächste Stopp der Fähre Kalamos-Hafen sein sollte, wäre das doch eine schöne Alternative. Im Stechschritt geht es zurück zu den ruhenden Männern, die die Idee sofort begeistert aufnehmen. Und wir haben tatsächlich Glück, die Fähre fährt direkt weiter nach Kalamos und wir können mitfahren. Für 0,834 € pro Person geht es so eng entlang der Küste mit wunderbaren Ausblicken zurück zum Boot. Irgendwie fühlt es sich merkwürdig an auf dem Wasser zu sein, ohne auf Kurs, Wassertiefe usw. achten zu müssen. Wir genießen es alle drei!













Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2888486699
Zurück im Hafen machen wir einen Abstecher zum kleinen Supermarkt und decken uns vor allem mit Getränken ein. Man muss die Gelegenheiten nutzen, bei denen man kurze Wege mit schweren Einkäufen hat. Leider wird an „unserer“ Pier kräftig gearbeitet, weshalb wir für das kühle Getränk in eine der bereits geöffneten Cafés wechseln. Auch nach unserer Rückkehr hört der Lärm nicht auf – schlimmer noch, die Verpackungsreste von Beton und Pflastersteinen (Pappe und PLASTIK) werden direkt neben unseren Booten verbrannt. Asche rieselt auf Venga! und so nehmen wir Johans Vorschlag, wieder in die Ankerbucht zurückzufahren, dankbar an. Keine 15 Minuten später tuckern wir zurück in die absolut ruhige Bucht – herrlich. Beim gemeinsamen Abendessen werden die Pläne für den nächsten Tag besprochen, Ithaka wird als Ziel festgelegt.
Freitag, 17.04.2026 Ormos Gerolimnionas/Kalamos Kioni/Ithaka – 14 Seemeilen
Morgens um sieben werden wir von einem tuckernden Motor geweckt. Ein Fischer legt seine Netze in der Bucht aus. Knapp eine Stunde ist er damit beschäftigt, an weiterschlafen ist nicht zu denken, aber etwas Augenpflege geht noch. Der Himmel ist weiterhin bedeckt, aber es ist warm, irgendwie „lummerig“. Nach dem Morgenkaffee wird sicherheitshalber Venga! seefest gemacht, denn im Windschatten der Insel ist immer schwer abzuschätzen, wie es „draußen“ wirklich aussieht. Wir holen den Anker auf und auch, als wir aus dem Windschatten der Insel herauskommen, präsentiert sich die See sehr ruhig und mit wenig Wind. Wir setzen dennoch die Segel, denn wir haben einen Halbwindkurs und wir haben es nicht eilig. Da können wir auch eine Zeitlang mit 2,5 bis 3,5 Knoten unterwegs sein. Leider schläft der Wind auf halber Strecke komplett ein und dreht dabei von Nordwest auf West – unsere Zielrichtung. Also rollen wir die Segel ein und fahren unter Maschine weiter. Unser Ziel heißt Kioni auf Ithaka. Dort gibt einen ausgewiesenen „Ithaka-Trail“, den die Skipperin schon länger gespeichert hat. Mit 15 Kilometern und 510 Höhenmetern allerdings eher ein Tagesprogramm für den morgigen Tag. Wir ankern quasi im Hafenbecken und haben einen schönen Rundumblick auf den idyllischen kleinen Hafenort, der sich noch sehr verschlafen präsentiert. In der Hochsaison liegen hier täglich 50 Boote, aktuell drei. Die Skipperin legt erstmal die Bilge trocken, denn dort hat sich schon wieder Wasser angesammelt. Es ist nicht ganz klar, ob es noch von der letzten Undichtigkeit des Heißwasserschlauches herrührt, oder ob es ein neues Problem ist. Nachdem alles trocken ist, geht es an Land – aber die Baustelle lassen wir offen, um nach der Rückkehr nochmal kontrollieren zu können. Heute streifen wir nur etwas durch den Ort und spazieren auf eine weitere Landzunge mit Windmühlenruinen, bevor wir den Nachmittag mit einem kühlen Getränk in einem Café am Hafen ausklingen lassen.























Nach dem Abendessen kümmert sich die Skipperin erst um den Abwasch, dann stellt sie fest, dass sich schon wieder Wasser in der Bilge angesammelt hat und bei eingeschalteter Frischwasserpumpe findet der Skipper auch die Tropfstelle. Wieder der Heißwasserschlauch. Es hilft nichts, der muss JETZT ersetzt werden. Leider haben wir nur einen Wasserschlauch, der bis zu einer Temperatur von 60 Grad „zugelassen“ ist und auch davon nicht genug. Also muss die Temperatur des Boilers reduziert werden und vorerst nur der poröse obere Teil des Schlauches ersetzt werden. Mit einem zum Glück vorhandenen Verbindungsschlauch bekommt Skipper „McGyver“ die Reparatur hin. Aber nun steht definitiv fest, dass alle Heißwasserschläuche an Bord gewechselt werden müssen – leider aufwendig. Die Skipperin krabbelt anschließend tief in den „Keller“ von Venga!, um möglichst alle Bilgenabteile trocken zu legen. Wie gut, sie ist so klein!


