Es macht der Skipperin Spaß zu planen, aber beim Segeln ist das nahezu unmöglich. Unsere ursprüngliche Idee eines Nonstop-Törns wurde durch anfangs beständige Nordwinde zunichte gemacht, dafür freuen wir uns über schöne Begegnungen. Leider beschäftigt uns aber weiterhin unser „Dieselproblem“ und sorgt für spontane Planänderung.

Samstag, 18.07.2026 – Ebeltoft – Hafentag
Nach dem Morgengetränk – der Skipper ist auf grünen Tee umgestiegen – wird die Backskiste oberhalb des Dieseltanks ausgeräumt. Heute will der Skipper die Dieselschläuche (Zu- und Rücklauf) zwischen Tank und Maschine ersetzen und den Vorfilter reinigen. Was auf Venga wegen der durchstandenen Dieselpest zur regelmäßigen Routine gehört, wurde hier auf Jento länger sträflich vernachlässigt. Der Skipper taucht tief in den Maschinenraum ein, der auf der Jento vergleichsweise eng und schwer zugänglich ist. Er befindet sich unter dem Cockpitboden. Ist dieser entfernt, bedeutet jede Bewegung in oder aus der Kabine oder durch das Cockpit Kletterei. Die Skipperin erinnert das an das Kinderspiel „Der Boden ist Lava“, bei dem man nicht auf den Boden treten darf. In diesem Fall droht beim Betreten des fehlenden Cockpitbodens der Sturz in den Maschinenraum.
Der Skipper tauscht erfolgreich die Dieselschläuche und findet dabei eine Scheuerstelle, die möglicherweise für die Probleme verantwortlich zeichnen könnte. Das wird sich bei der nächsten Motorfahrt zeigen.




Währenddessen widmet die Skipperin sich dem Bericht, der aufgrund der langen Pause doch deutlich umfangreicher ausfällt, als geplant. Auch die Disziplin in der Fotobearbeitung und -ordnung war in den vergangenen Wochen nicht optimal, was sich jetzt rächt. Zwischendurch wird die Sprayhood neu imprägniert, denn gestern beim Schauer hat es kräftig durchgeleckt und morgen erwarten uns erneut Regen.
Nach mehreren unter Deck verbrachten Stunden, krabbeln wir am Nachmittag an Deck, strecken die Glieder aus und genießen ein Abschiedsgetränk mit unseren WoMo-Freunden, bevor diese Richtung Süden aufbrechen. Es ist windig geworden, aber in der Sonne kann man es noch gut im T-Shirt aushalten.




Sonntag, 19.07.2026 – Ebeltoft – Hafentag
Schon nachts sind die ersten Schauer durchgezogen und morgens erwarten uns frische Temperaturen um 14 Grad. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Der Heizlüfter kommt zum Einsatz. Nach dem Morgengetränk passen wir eine Regenpause für den Besuch des örtlichen Marine-Fachgeschäftes ab. Leider gibt es den benötigten Vorfilter nicht. Dafür kurbeln wir bei dem Outdoorladen „Westwind“ erfolgreich die dänische Wirtschaft an. Der Himmel ist grau verhangen und immer wieder ziehen Schauer durch. Das ist ein Tag wie gemacht für einen Sofa-Sonntag in der Kajüte bei Hörbuch, Strickstrumpf oder Filmen. Abends bringen wir die Räder an den nächsten Hafen, in dem wir morgen Tanken wollen, denn ihren Platz in der Heckkabine belegt gerade der Inhalt der Backskiste über dem Dieseltank. Wir wollen beim Tanken einen schnellen Blick auf Tank und Schläuche haben, um sicherzugehen, dass hier kein Dieselleck sichtbar wird, wenn der Tank mit Druck befüllt wird.
Montag, 20.07.2026 – Ebeltoft – Rørvig – 55 Seemeilen
Der Himmel zeigt wieder ein wunderschönes Blau, aber der Wind heult ganz ordentlich. Wir müssen heute unseren Liegeplatz verlassen, weil der Liegeplatzinhaber zurückerwartet wird. Also legen wir ab, um erstmal im Nachbarhafen Diesel zu bunkern und unsere Räder an Bord zu nehmen. Rein optisch von oben sieht es gut aus. Die neuen Dieselschläuche scheinen nicht zu lecken. Es dauert aber doch eine ganze Stunde, alle Dinge wieder an seinem Platz zu verstauen. Dann kann es losgehen. Am liebsten würden wir es heute bis Grenå schaffen, um von dort dann einen guten Ausgangspunkt nach Schweden zu haben. Der Wind bläst allerdings mit 20 Knoten aus Nord. Wir setzen die Segel in der recht geschützten Bucht vor Ebeltoft, binden das 2. Reff ins Groß und rollen die Genua nur als kleine Fock aus. So geht es mit achterlichem Wind aus der Ebeltofter Bucht heraus. Am südlichen Ende der Halbinsel biegen wir nach Osten ab. Hier befinden wir uns im Wind- und Wellenschatten. Da fühlt sich unsere Segelgarderobe zu klein an. Aber kaum haben wir den Windschatten verlassen, passt sie wieder. Schnell wird klar, dass wir mit dieser Besegelung keine anständige Höhe laufen können. Außerdem führt die recht hohe Welle dazu, dass Jento sich immer wieder feststampft und komfortabel ist es für uns auch nicht. So beschließen wir schnell, Plan A aufzugeben und abzufallen, um den Roskildefjord, unser „Plan B“, anzusteuern. Nun segeln wir auf Halbwindkurs. Es bleibt ruppig, aber überwiegend trocken. Nur ab und an findet die Gischt einer an die Bordwand klatschenden Welle, ihren Weg ins Cockpit. Das Vorschiff bekommt dafür regelmäßige Salzwasserduschen. Halbwindkurs mag Jento richtig. Trotz gegensetzender Strömung, sind wir mit durchschnittlich über 6 Knoten unterwegs. Jento surft mit ihren 7,5 Tonnen die großen Wellen mit 8 Knoten hinunter. Wir sitzen überwiegend unter der Sprayhood und beobachten unseren 2. Offizier, den Autopiloten, bei der Arbeit. Er macht einen richtig guten Job! Auch der Blick auf das aufgewühlte Meer und die heranrollenden Wellen wird nie langweilig. Unterwegs treffen wir auch auf große Pötte und bei der Querung deren Fahrwassers wird es kurz spannend. Aber am Ende ist dann doch eine halbe Meile zwischen uns. Unterwegs legt der Wind dann nochmal zu auf knapp 30 Knoten. Auch die Wellen bauen sich bei der Annäherung an die flache Einfahrt in den Roskildefjord weiter auf. Wir rollen die Genua ein und sind froh, dass die Halse bei diesen Bedingungen fehlerfrei klappt. Nach knapp 9 Stunden und 55 Seemeilen erreichen wir den Hafen von Rørvig und sind froh, noch einen Liegeplatz in der Hafeneinfahrt zu ergattern.











Unterwegs gab es außer ein paar Äpfeln und Bananen wenig und wir sind hungrig. Ein kurzer Blick auf die ausgelegten Menü-Karten der ansässigen Lokale, lässt uns dann aber doch selber kochen. Es gibt Nudeln mit Bolo aus der Dose – eine Notration von Mama Ragnhild. Dazu ein grüner Salat – allerbest! Der Skipper wirft natürlich noch einen Kontrollblick in die Bilge: frustrierend, wieder ungefähr ein halber Liter Diesel. Also ist das Problem doch noch nicht gelöst. Aber heute geht nichts mehr, außer Koje.


Dienstag, 21.07.2026 – Rørvig – Hafentag
…und täglich grüßt das Murmeltier – der Skipper steckt schon kurz nach dem Morgengetränk im Maschinenraum. Mit Taschenlampe und Schlüssellochkamera macht er sich erneut auf die Suche und wird fündig. An der Einspritzpumpe ist es nass. Chat-GPT hilft mit konkreten Hinweisen, was geprüft werden sollte. Alleine kommen wir hier aber nicht weiter, wir brauchen einen Fachmann. Das Recherchieren geht los. Auch für die Mitarbeiter der entsprechenden Unternehmen ist Urlaubszeit und so sind wir glücklich, jemanden zu finden, der im Nachbarort seinen Sitz hat und verspricht, nach Feierabend vorbei zu kommen. Unterdessen ist es schon Mittag geworden. So gibt es erst ein Frühstück, bevor wir auf eine ausgedehte Wanderung um die Halbinsel aufbrechen.
Der Wind hat nachgelassen und der Rundweg beginnt mit einer Waldetappe. Die Sonne schickt einzelne Strahlen durch das dichte Blätterdach und setzt einen hellen Fokus auf einzelne Blätter, Gräser und Früchte am Waldboden – sehr hübsch.












Dann kommen wir an die Nordküste, an der noch gut der Spülsaum der gestrigen Wellen zusehen ist. Heute steht nur noch eine mäßige Restwelle und es hat viele Segler wieder aus den Häfen gelockt. Gestern waren wir nahezu allein unterwegs.

















Nach drei Stunden kommen wir wieder bei Jento an und genießen erstmal eine Wohneinheit im Cockpit, bevor wir das Hafenkino auf uns wirken lassen. Immer mehr Boote laufen ein und versuchen sich in zu enge Liegeplätze zu quetschen. Wir hatten noch morgens in eine freiwerdende Box verholt. Zum Abendessen gönnen wir uns Räucherfisch und Fischsalate von der örtlichen Räucherei und im Anschluss zum Brückenspaziergang noch ein Eis. Der Bootsmechaniker erscheint leider nicht, verspricht aber morgen ganz früh zu kommen.



Mittwoch, 22.07.2026 – Rørvig – Hafentag
Wir stehen sicherheitshalber ganz früh auf und warten beim Morgengetränk auf den Mechaniker „Peter“, der tatsächlich fast pünktlich erscheint. Werner beschreibt das Problem, Peter taucht in den Maschinenraum, schaut hier, fühlt da und diagnostiziert ein Leck an der Einspritzpumpe, evtl. die dortige Dichtung. In der technischen Diskussion mit dem Skipper bekommen wir einen guten Eindruck von seinem Fachwissen, was unser Vertrauen in seine Diagnose stärkt. Leider ist ein Tausch der Dichtung sehr aufwendig, da es sich um eine Hochdruckpumpe handelt. Den Dichtungstausch können nur Spezialwerkstätten durchführen und dazu muss die Pumpe eingeschickt werden. Seine Empfehlung: verbringt euren Urlaub und lasst das Problem zuhause lösen. Solange pumpt ihr den Diesel eben ab. Er weiß natürlich nicht, dass wir eigentlich noch gut sechs Wochen unterwegs sein wollen… Peter verspricht, sich mit einer Explosionszeichnung zum Motor zurückzumelden, die seine Einschätzung untermauern soll.
Wir sind frustriert. Für heute haben wir uns einen Ausflug nach Frederiksværk vorgenommen. Mit der Fähre setzen wir über nach Hundested und von dort geht es mit der Bahn weiter. Unterwegs hängt jeder seinen Gedanken nach.
Peter hält sein Versprechen und schickt die Explosionszeichnung die bestätigt, dass große Teile des Motors entfernt werden müssen, um überhaupt an die Einspritzpumpe heranzukommen. Würden wir das hier machen lassen, lägen wir für Wochen hier fest. Unsere Entscheidung ist schnell und einstimmig gefällt: Planänderung! Wir verabschieden uns von Norwegen, Nordsee und Limfjord. Der Dieselverlust an der Einspritzpumpe ist stark abhängig von der Drehzahl des Motors. So können wir uns nicht auf diesen Törn begeben. Aber wir wollen auch keinen Sofortabbruch. Jento ist ja gerade erst ins Wasser gekommen. Wir beschließen daher, in Dänemark zu bleiben, in „griechisch kleinen Schritten“ zu segeln und uns mehr auf die Erkundung des Landes und den Besuch von Museen zu konzentrieren. Den Isefjord kennen wir eigentlich gar nicht, also bleiben wir erstmal hier im Fjord und sehen dann, wohin der Wind uns weht.



Frederiksværk ist Dänemarks erste echte Industriestadt, gegründet von König Frederik V., benannt nach dessen Kanonenwerk und geprägt durch den Wandel von der Rüstungsproduktion zur heutigen Kultur- und Kanalidylle. Vom Bahnhof spazieren wir durch den Ort, kommen an der ehemaligen Kanonengießerei (Gjethuset) vorbei, die heute als Veranstaltungszentrum dient, durchstreifen die Einkaufsstraße und landen schließlich an den alten Pulverwerken, die als Industriemuseum erhalten sind. Frederikværk verdankt seine Entstehung an diesem Ort der Tatsache, dass König Frederik sich gezwungen sah, den oberhalb des Ortes gelegenen größten See Dänemarks (Arresø) mittels eines Kanals mit dem Roskildefjord zu verbinden. So sollte verhindert werden, das regelmäßig landwirtschaftliche Flächen überflutet und die Ernte vernichtet wurde. Das Gefälle zum Roskilde-Fjord lieferte die entscheidende Wasserkraft, die ab 1728 die Ansiedlung von Fabriken ermöglichte und damit das Fundament für die spätere Industriestadt legte. Im Industriemuseum erfahren wir, wie zuerst die Grundsubstanzen Salpeter (=75% des Schwarzpulvers), Schwefel (=10% des Schwarzpulvers) und Kohle gereinigt und fein gemahlen wurden, bevor sie dann miteinander vermischt und nach Körnung sortiert wurden. Insbesondere die Vermischung der Substanzen war ein gefährlicher Arbeitsschritt. Um Funkenschlag zu vermeiden, wurden die Zähne der Zahnräder aus Holz hergestellt und selbst die Holzfässer nicht mit Nägeln sondern mit Bambusstreifen zusammengehalten. Auch die Räder der Fuhrwerke zum Transport hatten keine Eisenringe um die Räder. Dennoch war die Explosionsgefahr groß. Um die negativen Auswirkungen von Betriebsunfällen und Explosionen so gering wie möglich zu halten, wurde jeder Arbeitsschritt in einem eigenen Gebäude durchgeführt, das sich in ausreichender Entfernung zu den anderen befand. Zudem waren die Anlagen von Erdwällen und hohen Bäumen umgeben, um die angrenzende Stadt vor möglichen Explosionen, Splitterflug und Feuern zu schützen.










Im Anschluss gibt es für den Skipper einen Abstecher zu einem der vielen Friseurgeschäfte im Ort, während die Skipperin sich in einem Wollgeschäft eindeckt. Nun ist noch Zeit für etwas Bewegung entlang des von dänisch-norwegischen Soldaten und schwedischen Kriegsgefangenen von 1717 bis 1719 in mühsamer Handarbeit gegrabenen Kanals zwischen dem Arresø und dem Roskildefjord. Insbesondere im ersten Teilstück umfängt uns ein grünes Licht, das sowohl von den Buchen, als auch vom Wasser des Kanals auszugehen scheint. Nach einiger Zeit passieren wir die Anlegestelle des Ausflugsdampfers für den Arresø, der gerade ablegt. Sein Propeller wühlt den Schlamm des flachen Kanals auf. Auch Kanus kann man hier zur Erkundung ausleihen. Bei schönem Wetter bestimmt ein Vergnügen, heute ist es bedeckt und sogar ein paar Regentropfen erreichen uns.



Also heißt es umkehren und zurück nach Hundested, wo wir das Nötigste einkaufen, bevor es mit der Fähre zurückgeht. Hier weht der gleiche Nordwind, wie vor zwei Tagen und in den Masten am Hafen pfeift und klappert es kräftig. Selbst die Fähre schaukelt ordentlich. In Rørvig ist davon aber wenig zu spüren. Es liegt viel geschützter!

Donnerstag, 23.07.2026 – Rørvig – Nykøbing/Seeland – 6 Seemeilen
Peter hat sein Kommen zwecks Abrechnung angekündigt, also warten wir im Hafen. Aber irgendwie kommt er nicht und uns reißt der Geduldsfaden. Wir beschließen abzulegen und „weiter zu tingeln“ nach Nykøbing. Dort hat er seine Werkstatt und kann dann ja auch dort sein Geld bekommen. Nur unter Genua und bei achterlichen Winden segeln wir ganze sechs Seemeilen weiter. In Nykøbing gibt es eine recht große Marina und viele freie Liegeplätze. Nach dem Frühstück packen wir die Fahrräder aus und machen uns auf den Weg auf eine gut 40km lange Radtour, die uns vorbei an einem Vogelschutzgebiet nördlich des Hafens führt, in dem beachtliche 267 verschiedene Vogelarten beobachtet wurden. Wir sehen überwiegend Kormorane, Enten, Gänse und Fischreiher. Aber auch ein großer Raubvogel kreist in der Ferne, möglicherweise ein Seeadler.




Weiter geht es durch die Orte Nykøbing und Højby mit einem Abstecher an die Ruine Næsholm im nahezu ausgetrockneten Nygård See bis an die Westküste und damit an den nördlichen Zugang zum großen Belt. Dort wartet eine Landschaft auf uns, die uns an die nordfriesische Nordseeküste erinnert mit kleinem Deich, Salzwiesen und vorgelagertem Strand. Der Weg zum Schwimmen ist hier lang, führt erst über einen langen Holzsteg und dann noch mehrere hundert Meter durch flaches Wasser. Hier kann der Blick weit schweifen. Irgendwo am Horizont können wir die Umrisse der Insel Sejero ausmachen. Die Sonne kommt raus und wir finden einen geschützten Platz für eine Wohneinheit.













Im Anschluss geht es weiter durch Ferienhausgebiete, Agrarlandschaft und Wald in Richtung Osten zurück zum Isefjord. Unterwegs kommen wir an dem ehemaligen Walddorf Ulkerup vorbei. Dabei handelte es sich um ein im Mittelalter erbautes und ursprünglich im Besitz der Bischöfe von Roskilde stehendes Dorf, das später unter königliche Verwaltung gestellt wurde. Von den ehemals vorhandenen Gehöften sind nur noch ein paar überwucherte Grundmauern zu erkennen, aber die Landschaft wirkt wie ein mystischer Landschaftspark mit strukturgebenden Bäumen und einem kleinen See. Die Viehpest (1750–1760) und anschließende staatliche Räumungen im Jahr 1782 zwangen die Bewohner zur Aufgabe der Siedlung, woraufhin der Wald das Gebiet teilweise zurückeroberte. Am Rande des ehemaligen Dorfes halten 9 kindsgroße Tonfiguren Wache und verstärken mit ihren hohlen Kapuzen den mystischen Eindruck.








Nun biegen wir wieder Richtung Norden ab und durchradeln den Annebjerg Wald. In diesem Teil Seelands, der der erste ausgewiesene UNESCO Geopark Dänemarks ist, fühlen wir uns erinnert an unsere Heimatlandschaft „Angeln“. Auch hier hat die letzte Eiszeit ihre Spuren in Form von Endmoränen hinterlassen, die uns nun zu einem kräftezehrenden radeln mit wechselnden Steigungen und Abfahrten zwingen.
Kurz vor dem Ziel passieren wir zwei gelbe Torhäuser, hinter denen eine breite Allee den Hang hinaufführt. Die Skipperin biegt ab und entdeckt so unerwartet weitläufige Gebäudekomplexe mit vereinzelten Skulpturen in den Grünflächen. Diesen Ort sparen wir uns für eine Erkundung am nächsten Tag auf.




Freitag, 24.07.2026 – Nykøbing/Seeland – Hafentag
Beim Studium der örtlichen Gästebroschüre erfahren wir, dass Nykøbing/Sjælland und die umliegende Region Odsherred seit fast 100 Jahren ein Künstler-Hotspot und Heimat der sogenannten Odsherred-Maler ist. Es begann in den 1930er Jahren, als einige bekannte dänische Künstler aus Kopenhagen hierherzogen. Sie reizte die hügelige Landschaft und das klare helle Licht am Isefjord. Sie bildeten nach Skagen, Fünen und Bornholm die vierte große dänische Künstlerkolonie. So gibt es hier einen Kunstweg, der durch den Ort und vorbei an vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum führt. Er verbindet außerdem den Ort mit dem Gelände der ehemaligen Psychiatrischen Klinik Anneberg, die die Skipperin gestern zufällig entdeckte. Zudem startet heute ein dreitägiger Kunsthandwerkermarkt direkt am Hafen. Damit ist klar, dass der heutige Tag voll und ganz unter dem Thema Kunst und Kunsthandwerk steht, nachdem wir so prosaische Dinge wie einen Lidleinkauf erledigt haben.







Wir starten mit einem Rundgang über den Kunsthandwerkermarkt, auf dem viel Keramik, aber auch beeindruckende Holz- und Drechselarbeiten, Lederwaren, Handgewebtes, Schmuck und Strickwaren angeboten werden. Alles überaus hochwertig und teuer. Sowohl die Kunsthandwerker, als auch die Besucher scheinen zum Großteil aus der Hauptstadt zu kommen. Das angebotene Geschirr gefällt uns zwar sehr gut, allerdings sind wir nicht bereit für einen Teller 60€ und einen Becher 40€ zu bezahlen, auch wenn die Qualität wirklich bemerkenswert ist.



Unser Weg führt uns nun durch ein kleines Wäldchen am Hafen aufwärts zur ehemaligen Klinik Anneberg.



Der dänische Reichstag beschloss den Bau des Krankenhauses 1913, um die Versorgung psychisch kranker Menschen östlich des Großen Belts zu entlasten. Der Architekt Kristoffer Nyrop Varming entwarf die herrschaftliche, an ein dänisches Gutshaus erinnernde Anlage. Es handelt sich um die größte Anlage im dänischen Architektur- und Gestaltungsstil der „besseren Bauart“ (=Bedre Byggeskik) in Dänemark. Dieser Stil setzte auf handwerkliche Qualität, klassische dänische Bautraditionen, Schlichtheit, Symmetrie und harmonische Proportionen. Die Anlage wurde als „Stadt in der Stadt“ konzipiert. Die 48 Einzelgebäude stehen nicht dicht gedrängt, sondern wurden bewusst feinfühlig in ein weitläufiges, parkähnliches Waldgelände direkt am Fjord eingebettet. Geschwungene Straßenverläufe und alte Alleen prägen das harmonische Gesamtbild. Statt die Kranken hinter hohen Zäunen einzusperren, versuchte man hier die Heilung durch die Natur zu fördern. Das weitläufige Gelände liegt idyllisch am Isefjord nahe dem Annebjerg-Wald südlich von Nykøbing Sjælland. Fast 100 Jahre lang fungierte das Areal als großes psychiatrisches Krankenhaus, bis es 2015 endgültig geschlossen wurde.

Bereits 2016 verkaufte die staatliche Immobiliengesellschaft Freja den zentralen Gebäudekomplex, wodurch der Weg für die Umwandlung in den heutigen Anneberg Kulturparken geebnet wurde. Der zentrale Kern des ehemaligen Klinikgeländes und der heutige Anneberg Kulturpark gehören heute der dänischen Unternehmerin Gitte Klausen, die große Teile des geschichtsträchtigen Areals gemeinsam mit ihrem Ehemann Morten Schantz in mehreren Etappen kaufte, um es in ein Kultur- und Gastronomiezentrum zu verwandeln. Diesem Umstand verdanken wir, dass wir nun im ehemaligen Verwaltungsgebäude durch eine lebendige Kunstausstellung mit vielen kleinen Ateliers schweifen können, in denen sich die Künstler- und Künstlerinnen bei der Arbeit beobachten lassen und gern bereit sind, Interessenten ihre Arbeiten zu erläutern. Auf dem Gelände befinden sich außerdem das Sterne-Restaurant „Mota“, das „Spisehus“, eine Brauerei und ein Gästehaus. Rund um das Jahr werden verschiedene Workshops angeboten. Auch Musikfestivals finden hier statt. Zudem gibt es Produktionsräume heimischer Lebensmittelproduzenten wie beispielsweise von „Sjælland Tang“, die verschiedene essbare Tangsorten verarbeiten.






Derf Rückweg führt uns an das Ufer des Isefjord und weiter zum Hafen. Die Skipperin besorgt noch fix zwei große Stücke Tiramisu vom örtlichen Konditor – das Einzige, was in seiner Auslage noch verfügbar ist – und wir genießen sie zusammen mit einem großen Becher Milchkaffee eingekuschelt unter unseren Wolldecken im Cockpit. Leider reißt die Wolkendecke nicht wie versprochen auf und so verziehen wir uns nach dem Abendessen in den Salon.



2 Kommentare
Endlich wieder Sonntagszeitung!
O.k., ich habe die von letzter Woche auch gerade jetzt erst gelesen.
Wie immer, spannend und interessant geschrieben. Und tolle, dramatische Bilder.
Und „McGyver“ Werner in voller Action. So kennen wir das ja auch von unseren gemeinsamen Tagen in Griechenland ????. Schade nur, daß ihr umplanen musstet. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.
VG H&T
Endlich wieder Sonntagszeitung!
O.k., ich habe die von letzter Woche auch gerade jetzt erst gelesen.
Wie immer, spannend und interessant geschrieben. Und tolle, dramatische Bilder.
Und „McGyver“ Werner in voller Action. So kennen wir das ja auch von unseren gemeinsamen Tagen in Griechenland ????. Schade nur, daß ihr umplanen musstet. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.
VG H&T