Elf Wochen war Venga! unser schwimmendes Zuhause und nun ist es Zeit Abschied zu nehmen. Wir machen sie winterfest und verabschieden uns von der hiesigen Community. Bevor es aber zurück nach Deutschland geht, wollen wir noch ein paar Tage für den Besuch der Klöster von Meteora nutzen. Wir haben uns eine kleine Ferienwohnung gebucht und der Wettergott scheint es endlich mal wieder gut mit uns zu meinen. Mit diesem Bericht verabschieden wir uns von euch in die Winterpause zuhause. Wir wünschen euch frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr 2026. Wir freuen uns schon, unsere kommenden Erlebnisse mit Venga! in Griechenland und mit Jento in der Ostsee mit euch zu teilen!
Samstag 06.12.2025 – Messolonghi – Hafentag – Nikolaustag
Es ist wieder Markttag und wir fahren wie letzte Woche mit den Rädern dorthin, um frisches, regionales Obst und Gemüse zu kaufen. Würden wir hier überwintern, wäre das sicherlich eine unserer wöchentlichen Routinen. Da wir aber nur noch drei Tage an Bord sein werden, beschränken wir den Einkauf auf das, was wir in dieser Zeit noch verbrauchen können. Barbara flitzt noch einmal los zu Lidl, um die Weinvorräte aufzustocken und trifft im Anschluss auf ein paar Vögel…




Zurück an Bord wird weiter geputzt und geplant. Werner nimmt die Winschen der Großschot und die Mastwinsch auseinander. Letztere sitzt bobenfest und nur mit Unterstützung von Stevey und seinem Werkzeug bekommen wir sie ab. Leider bricht eine Schraube – also kann an diesen Punkt auf der To-Do-Liste noch kein Haken gesetzt werden. Wir müssen entsprechendes Werkzeug aus Deutschland mitbringen, um das abgebrochene Stück aus der Halterung herauszubekommen – Bootsarbeiten dauern IMMER länger, als gedacht!















Abends kocht Werner wieder lecker, bevor wir Besuch von Stevy und Ulrike von der Twist bekommen, die gern einmal unser Boot kennenlernen möchten. Wir verbringen einen schönen Abend im nun doch etwas adventlich geschmückten Salon und erfahren Einiges aus Stevys bewegtem Leben – immer wieder spannend, Einblicke in die unterschiedlichen Lebenswege anderer Segler und Seglerinnen geschenkt zu bekommen. Am späten Abend lesen wir in der WhatsApp-Gruppe der Community, dass es gerade ein Erdbeben gab. Wir haben hier an Bord diesmal nicht bemerkt, aber diejenigen, die hier in ihren an Land stehenden Booten leben, konnten deutlich Erschütterungen spüren. Das Beben hatte sein Zentrum auf der anderen Seite des Golfes etwas südlich von Patras und war mit 4,8-5 nicht ganz schwach.







Sonntag, 07.12.25 – Messolonghi – Hafentag – Wanderung bei Kato Vasiliki
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2708928268
Als morgens die Augen aufgehen, ist etwas anders: Die Sonne scheint! Beim Morgenkaffee ergänzt der Skipper noch ein paar technische Aspekte im Bericht, bevor die Sonntagszeitung onleine geht. Dann hält uns nichts mehr an Bord. Die Beine wollen endlich wieder Bewegung. Barbara hat eine Wanderung im ca. 20 Kilometer entfernten Kato Vasiliki am Golf von Patras herausgesucht. Nach einer halben Stunde Fahrt stellen wir das Auto am Strand des kleinen, verschlafenen Dorfes ab. Sogar zwei Tavernen und ein Minimarkt haben geöffnet, denn es ist gerade „griechische Kaffeezeit“. Wir wandern an der Küste Richtung Osten und erklimmen den kleinen Hügel „Agia Triada“, auf dem sich die Ruinen des Aetolianischen Chalkis befinden. Der Zuweg ist ziemlich zugewachsen und von den Ausgrabungen außer den Grundmauern einer Basilika wenig zu sehen. Erst am Abend lesen wir, worum es sich hier handelt: Der Ort wird mit dem „homerischen“ Chalkis in Verbindung gebracht. Er lag strategisch günstig, um den Golf von Korinth zu kontrollieren. Erste Besiedelungen werden auf das frühe 5. Jahrhundert v. Chr. datiert, ein dazugehöriger Seehafen lag in unmittelbarer Nähe. Hier sollen Schiffe zur Unterstützung Odysseus nach Troja abgelegt haben. Auf dem Felsplateau im Westen befand sich eine Festung, in die sich die Bewohner des Ortes bei Gefahr zurückziehen konnten. Dorthin führt uns unsere Wanderung ebenfalls.










Wir steigen den gleichen Weg wieder hinunter und nehmen einen weiten Bogen zurück zum Dorf, um dann auf der anderen Seite den Aufstieg zu den Festungsruinen zu wagen. Der größte Teil des Aufstiegs ist über einen breiten Feldweg gut zu gehen, nur die letzten Meter werden steiler und schmaler, aber nun finden wir zumindest ein paar Wegmarkierungen. Aus dem grünen Buschwerk schauen ein paar mächtige Mauerreste heraus. Wir suchen uns einen Pfad entlang der östlichen Seite der Festung. Hier zieht sich eine steiler Felsabhang entlang, der nur in Teilen mit einer Mauer ergänzt werden musste. Die Felsstruktur ist sehr scharfkantig und weist viele Löcher und Spalten auf. Wir klettern ein Stück auf ihr entlang auf der Suche nach einem schönen Rastplatz. Fallen oder Umknicken ist in diesem Terrain mal wieder keine Option. Wir finden einen ebenen Felsen für unser Frühstücksspicknick nun überlassen den bei Komoot beschriebenen Aussichtspunkt den Bergziegen. Von der ehemaligen Festung sind außer ein paar Mauerresten kaum noch Überreste zu sehen.
















Der Rückweg führt über einen markierten Trampelpfad zurück zur Küste. Der Boden besteht aus Lehm und Steinen und macht eher den Eindruck eines Bachbettes. Hier ist wahrscheinlich in den letzten Tagen auch tatsächlich der Regen wie ein kleiner Bach hinabgeflossen. „Unsere Schuhe müssen wir heute am Steg ausziehen“, spricht die Skipperin ihren Gedanken aus, den der Gatte mit einem Lachen kommentiert, denn er hat gerade genau den gleichen Gedanken gehabt. Manchmal ist das schon etwas spuky, wenn nach 34 Ehejahren sogar die Gedanken synchron zu verlaufen scheinen… Vom Strand aus sieht das Gelände der ehemaligen Burg dann doch ziemlich beeindruckend aus. Die steilen, scharfkantigen Felsen mit ihren Spalten wirken unbezwingbar.
Am Nachmittag kümmert sich die Skipperin um Mehrfachleinen am Heck der Venga!. Auch wenn es hier im Hafen eher ruhig ist, wollen wir in unserer Abwesenheit das Boot gut vertäut wissen. Selbst wenn sich eine Leine durchscheuern sollte, kann nun nichts mehr passieren. Im Anschluss ist noch Zeit für eine Radtour entlang der Lagune.








Montag, 08.12.2025 – Messolonghi – Hafentag – Fluss-Matsch-Wanderung
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2715443868
Wir haben mit der Laundry verabredet, dass wir unsere Wäsche morgens um 8:00 Uhr bringen und im Laufe des Tages wieder abholen können. Also heißt es früh aufstehen, Betten abziehen und nach einem schnellen Morgenkaffee die Wäsche wegbringen. Das übernimmt der Skipperin. Die Wäsche soll um 13:30 Uhr wieder abgeholt werden. Wenn wir wandern wollen, dann direkt jetzt, oder erst am Nachmittag. Wir entscheiden uns für jetzt und suchen uns eine Route in den Bergen direkt hinter Messolonghi. Mit dem Auto fahren wir die 14 Kilometer zum Ausgangspunkt. Kaum haben wir das Auto abgestellt und sind die ersten hundert Meter gegangen, hören wir schon das Rauschen von Wasser. Schon bei der Anfahrt haben wir einen Fluss überquert, der ziemlich viel Wasser führt. Nun befinden wir uns einige Höhenmeter oberhalb und hier speisen mehrere Bachläufe diesen Fluss. Die Wanderung führt über Wirtschaftswege und diese werden stellenweise von kleinen Bächen überflutet. Wir müssen mehrmals die Schuhe ausziehen und hindurchwaten.




Immer wieder öffnen sich schöne Blickachsen Richtung Meer und über Messolonghi und die Lagune oder aber in die Berge hinein, die weitgehend mit immergrünen Sträuchern bedeckt sind. Zwischendrin leuchten aber auch hier und da Laubbäume und Büsche in leuchtenden Herbstlaubfarben.Am höchsten Punkt der Wanderung steht eine Kapelle mit kleinem Friedhof und fantastischem Weitblick – genau der richtige Ort für unsere Picknicksrast.














Nun folgen wir einem Wirtschaftswege, der als Höhenweg am Bergkamm entlangführt. Hier wird mit schwerem Gerät gearbeitet, der Boden ist super lehmig und der Weg eine von Regen und Baumaschinen aufgeweichte Schlammwüste. Hier macht das Wandern weniger Spaß, aber der Blick ist wunderbar. Irgendwann zweigt unser Weg ab. Markiert ist hier nichts, aber dank Komoot fällt die Orientierung nicht schwer. Hin und wieder geht es durch dichtes Gebüsch und teilweise durch Brombeerranken. Für Werner in seiner kurzen Hose kein Vergnügen. Kurz bevor wie die Straße erreichen, an der unser Auto parkt, stehen wir vor einem geschlossenen Tor inter dem zwei unfreundliche Hunde kräftig kläffen und knurren. Hier scheint es nicht weiterzugehen. Also wieder bergan bis zu einem Abzweig, der nach Komoot in kleinem Bogen um das „Hundegehöft“ herumführen soll. Nach wenigen Hundert Metern stecken wir in Brombeergebüsch fest und ein Ende ist nicht in Sicht. Werners Beine sehen schlimm aus – das hat keinen Sinn. Also doch an den Hunden vorbei? Wir versuchen es und stellen fest, dass das Tor nur mit einem Riegel geschlossen ist und sich leicht öffnen lässt. Sobald wir hindurchgetreten sind, nehmen die Hunde Reißaus. Den Abstecher in die Brombeeren hätten wir uns also sparen können!





Wir schaffen es just in time zur Abholung unserer sauberen und duftenden Wäsche. Für zwei Maschinen Waschen, Trocknen und Legen bezahlen wir 25€. In der Marina wären wir den ganzen Tag beschäftigt gewesen und hätten mehr bezahlt, da hier sowohl die Waschmaschinen,- als auch die Trocknernutzung mit jeweils 6€ berechnet werden. Da der Trockner wenig taugt, braucht man i.d.R. mehrere Trocknungsgänge, bis die Wäsche wirklich schranktrocken ist.
Am Nachmittag kümmern wir uns um die letzten vorbereitenden Arbeiten an Bord, um Venga! für ein paar Wochen allein zu lassen. Das Bimini wird abgebaut und mit einer Plane ersetzt, die auch über die Sprayhood reicht. Mit dieser Plane haben wir im letzten Jahr in Kalamata gute Erfahrungen gemacht. Das Dinghi wird auf dem Vorschiff gut festgebunden, damit es bei Sturm nicht wegfliegen kann. Die Fahrräder werden geputzt und eingefettet, um dann in ihren Fahrradtaschen im Vorschiff verstaut zu werden. Werner telefoniert mit einem Segelmacher in Lefkada und vereinbart, dass wir dort morgen unsere Segel abgeben können. Also verstaut er die Segel schon mal im Auto. Barbara packt derweil den Koffer für das Aufgabegepäck. Einige Dinge gehen wieder mit nach Deutschland und wir brauchen die Koffer für den Rückflug, um all das bestellte Material für Bootsarbeiten aus Deutschland wieder hierher zu transportieren.
Der Smutje zaubert aus den Resten, die der Kühlschrank hergibt ein Risotto und im Anschluss spazieren wir mit der Crew der Twist zum zentralen Platz in Mesolonghi, wo heute erstmals die Lichter am Tannenbaum angeschaltet werden. Für die Kinder in Messolonghi scheint das ein wichtiges Ereignis zu sein. Die Stimmung gleicht etwas einem Jahrmarkt. Zeitgleich mit den Lichtern am Tannebaum werden dann auch noch Feuerwerkskörper gezündet – was für ein Schauspiel! Aber laut ist es, extrem laut. Wir suchen uns im Anschluss eine kleine Kneipe in einer Nebengasse, wo es ruhiger ist und man sich für ein Gespräch nicht anschreien muss. Bei Ouzo und einer kostenfrei dazu gelieferten Platte mit leckeren Kleinigkeiten lassen wir unseren letzten Abend hier ausklingen. Heute haben wir unser Bewegungsziel weit übertroffen, 26.000 Schritte zeigt das Handy an. Morgen werden wir im überwiegend sitzend im Auto verbringen, aber in Meteora warten mehrere Wanderungen und ganz viele Treppen auf uns. Wir sind gespannt!








Dienstag, 09.12.2025 – Messolonghi – Kalampaka/Meteora
Bevor es endgültig losgehen kann, stehen noch ein paar Vorbereitungen an: Die Bettdecken und Kopfkissen verstauen wir in Vakuumbeuteln, die Matratzen werden mit leeren Wasserflaschen unterfüttert, damit sie gut belüftet werden. In den Kleiderschränken stehen Luftentfeuchter. Die restlichen Lebensmittel fahren mit uns in die Ferienwohnung in Meteora und werden dafür verpackt. Der Kühlschrank wird abgeschaltet, gesäubert und offen stehengelassen. Die Wassertanks entleeren wir – reinigen werden wir sie, wenn wir wieder zurück kommen. Im Marinabüro melden wir uns ab und sagen den Marineros Bescheid, damit sie bei schlechtem Wetter unsere Leinen kontrollieren. Noch ein letzter Kaffee mit der Crew der Twist zum Abschied und dann geht es los.
Die Autobahn Richtung Norden ist teilweise gesperrt, weswegen Google Maps uns über Nebenstraßen schickt. So sehen wir mehr von der fruchtbaren Ebene hinter der großen Lagune westlich von Messolonghi, kommen aber langsamer voran. Zudem müssen wir noch einen Abstecher nach Lefkada machen, um unsere Segel zum Segelmacher zu bringen. Dort sollen sie gereinigt und teilweise repariert werden, bis wir sie Anfang März wieder abholen. Dieser Abstecher bringt uns allerdings auch gut zwei zusätzliche Stunden Fahrzeit ein. Wir kommen an vielen Orten vorbei, die wir vom Meer aus kennengelernt haben und Vieles kommt uns schon richtig vertraut vor. Erst deutlich nördlich von Preveza kommen wir in uns unbekanntes Terrain. Beeindruckend sind die schneebedeckten Gipfel in der Ferne. Nach einiger Kurverei auf Landstraßen kommen wir nördlich von Arta (dort waren wir mit dem Rad von Kopraina am Ambrakischen Golf aus) wieder auf die Autobahn. Sie steigt gemächtlich bis auf einen Pass mit 720m über dem Meer an. Dank des Kompasses im Handy sind solche Informationen immer schnell abrufbar. Bei der Stadt Ioannia wechseln wir die Autobahn. Es herrscht so gut wie kein Verkehr und Mautstationen gibt es wenige. Es geht weiter bergan, denn um zum Ziel zu kommen, müssen wir das Pindos-Gebirge queren. Die Autobahn führt durch unzählige, teilweise kilometerlange Tunnel und erreicht eine maximale Höhe von 1.20m über dem Meer. Die letzte Stunde führt uns dann über eine überaus kurvenreiche und oftmals sehr schmale Landstraße nach Meteora. Hier herrscht plötzlich reger LKW-Verkehr, der vermutlich für den schlechten Straßenzustand verantwortlich ist. Abgesackte Teile der Straße wurden einfach immer wieder übergeteert mit der Folge, dass die Leitplanken unterdessen nur noch knapp über das Straßenniveau hinausschauen. Einen wirklichen Schutz vor dem Sturz in die Tiefe bieten sie so nicht. In der Ferne sind in der Dämmerung schon die beeindruckenden Kloster-Felsen von Meteora auszumachen.





Mit einsetzender Dunkelheit erreichen wir unser Quartier, ein hübsche kleine 2-Zimmerwohnung in Kalampaka zu Füßen der beeindruckenden Felsen. Nachdem wir unsere Sachen im Appartment verstaut haben, brechen wir zu einem kleinen Rundgang im Ort auf der Suche nach einem Restaurant auf. Der Ort ist reich mit Weihnachtsbeleuchtung gechmückt und auf dem zentralen Platz ist eine fast lebensgroße Weihnachtskrippe aufgebaut. Es sieht alles sehr gepflegt aus, man merkt dem Ort an, dass hier viele internationale Touristen zu Gast sind. Es gibt Unmengen an Grills und Imbiss-Stuben, aber auch ein paar einladend aussehende Restaurants. Wir wählen das Syrtaki, in dem man auf der überdachten und verglasten Terrasse neben Heizstrahlern sitzt. Die Außentemperatur liegt unterdessen bei ca. 7-8 Grad – so richtig CO2-neutral kann das nicht sein. Das Essen ist sehr gut, aber die Preise auch recht touristisch, was man vor allem bei den Getränken und bei der Berechnung des nicht bestellten Wassers und Brotes merkt. An den nächsten Abenden wird wieder selber gekocht, aber heute waren wir nach der Fahrt dazu nicht in der Lage.






Abends setzen wir uns mit den Sehenswürdigkeiten vor Ort auseinander und schmieden einen groben Plan für die nächsten Tage. Meteora ist UNESCO Welterbe wegen seiner besonderen Klöster und zählt zu den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten Griechenlands. Der Name leitet sich von „meteorizo“ ab, was so viel wie „in der Höhe schweben“ bedeutet. In dieser Region mit fast unzugänglichen Sandsteinfelsen ließen sich Mönche ab dem 11. Jahrhundert auf diesen „Säulen des Himmels” nieder. Trotz unglaublicher Schwierigkeiten wurden im 15. Jahrhundert, zur Zeit der großen Wiederbelebung des Einsiedlerideals, vierundzwanzig dieser Klöster erbaut. Die meisten dieser Klöster waren ursprünglich nur über Seilwinden zu erreichen und scheinen insbesondere bei Nebel zwischen Erde und Himmel zu schweben.
Viele von ihnen sind schon lange aufgegeben worden und wegen Einsturzgefahr gesperrt, nur sechs öffnen ihre Türen für Besucher und werden noch heute von Nonnen oder Mönchen bewohnt.
Mittwoch, 10.12.2025 – Meteora/Kalambaka
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2711809366
Wir befinden uns nur auf 220m über dem Meer, aber die nächtlichen Temperaturen sinken bis auf zwei Grad ab. Zum Glück haben wir sonnige Tage für unseren Besuch der Klöster und der Ort Kalambaka liegt südlich der mächtigen Felsen. So erreichen schon die morgendlichen Sonnenstrahlen den Ort und erwärmen die Luft bis 9:30 Uhr, als wir das Haus verlassen, von zwei auf sagenhafte fünf Grad. Unsere heutige Wanderung soll uns zudem zu den ersten Klöstern und damit 400 Meter in die Höhe bringen. Dabei wird uns warm! Da in den Klöstern eine strenge Kleiderordnung gilt, trägt Barbara heute Leggings und führt im Rucksack einen langen Rock mit. Kurze Hosen und nackte Schultern sind absolut tabu! Für den ersten Tag haben wir uns eine Wanderung zu den Klöstern Agia Triada (Heilige Dreifaltigkeit) und Agiou Stefanou herausgesucht. Der Weg beginnt mit moderater Steigung, bringt aber auch einige steilere Abschnitte, die die Kondition fordern. Nach gut einer Stunde erreichen wir das Kloster Agia Triada, eine Klosteranlage, die lange nur über Leitern und das traditionelle Netz am Lastenkran zu erreichen war. Seit 1925 ist es über 140 in den Stein geschlagene Treppenstufen zugänglich. Später beobachten wir sogar, dass es eine kleine Seilbahn gibt, die nicht nur Lasten, sondern anscheinend auch Menschen transportiert. Das Kloster erlangte einige Bekanntheit, weil es 1981 als Kulisse für den James Bond Film „in tödlicher Mission“ diente. Die Anlage befindet sich in einem guten Zustand – man sieht, dass hier fleißig renoviert wurde. Der älteste für Besucher sichtbare Teil ist das Katholikum mit Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Heute leben nur noch wenige Mönche im Kloster. Bemerkenswert ist die große Freifläche mit Terrassen und Gartenanlagen, von der große Teile auch von den Besuchern betreten werden können. Die Klosterfläche hier oben beträgt ungefähr 8.000 m2 und bietet einen atemberaubenden Blick über das Tal und den Ort Kalambaka, aber auch über die Felsformationen und zu den weiter entfernten Klöstern. Für unsere Picknickrast erscheint uns der Ort aber doch unpassend und so wandern wir weiter Richtung Agiou Stefanou.






















Statt der Straße wählen wir einen Trampelpfad, der uns auf den Kopf eines der mächtigen Steilfelsen bringt. Zu drei Seiten geht es hier senkrecht in die Tiefe. Werner macht ja (fast) alles mit, was die Skipperin vorschlägt, aber angesichts dieser Tiefe vergeht ihm der Appetit, also verschieben wir das Picknick und schauen uns erst das nächst Kloster an: Agiou Stefanou. Dieses Kloster ist das letzte an der Meteora-Straße und hat den bequemsten Zugang – man parkt direkt davor und erreicht es über ein Brücke. Die allermeisten Besucher kommen nämlich nicht wie wir zu Fuß, sondern mit Auto oder Reisebussen. Das Kloster wurde 1312 vermutlich als Frauenkloster gegründet. Nachdem diese es aufgaben, war es jahrhundertelang ein Mönchskloster, bis es 1960 nahezu verlassen war. Ein Jahr später wurde es erneut in ein Nonnenkloster umgewandelt. Heute leben hier XX Nonnen. Auch dieses Kloster macht einen sehr gepflegten Eindruck, vieles wurde renoviert, aber das Museum im ehemaligen Speisesaal zeigt beeindruckend alte Heiligtümer wie tragbare metabyzantinische Ikonen, goldbestickte Priestergewänder und andere gewebte Stoffe, holzgeschnitzte und mit Silber eingefasste Kreuze, kunstvolle Silberschmiedewerke (Abendmahlskelche, Weihrauchgefäße u.a.). Außerdem werden im Kloster heute an die 150 Manuskripte aufbewahrt; viele davon sind mit schönen und kunstvollen Miniaturen, mannigfaltigen Übertiteln und vielfarbigen dekorativen Anfangsbuchstaben geschmückt. Uns beeindrucken auch die wunderschönen Buchdeckel. Auch dieses Kloster verfügt über eine Freifläche, die mit Höfen, Terrassen und Gärten gefüllt ist. Für die Besucher ist das meiste zugänglich und bietet einen einzigartigen Blick über das Tal, den Ort Kalambaka und bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Pindos-Gebirges.














Wir machen uns auf den Rückweg, der uns im weiten Bogen um den Felsen des Klosters Agou Stefanou herumführt. Als wir von der Straße auf einen Feldweg abzweigen, finden wir auch endlich einen Platz in der Sonne für unser Picknick. Von unten sehen die Felsen noch beeindruckender aus. Nach 11 Kilometern mit 400 Höhenmetern erreichen wir wieder unsere Unterkunft. Wir sind platt und brauchen eine Pause auf dem sonnigen Balkon.





Am späten Nachmittag nehmen wir dann das Auto und brechen zu einer Sonnenuntergangstour auf. Die Farben sind traumhaft und die Fotomotive reißen gar nicht ab.



















Im Anschluss wird zuhause gekocht. Nudeln mit Pesto, dazu einen griechischen Salat und dann geht’s an die Arbeit: Fotos sichten, aussortieren und bearbeiten.
Donnerstag, 11.12.2025 – Meteora/Kalambaka
Hier gehts zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2712733909
„Eigentlich“ hatten wir gestern die Idee einer Sonnenaufgangstour, aber als wir nach acht wach werden, ist es dafür natürlich viel zu spät. Also müssen wir uns auch gar nicht beeilen, trinken in Ruhe unseren Morgenkaffee und starten erneut gegen halb zehn. Die heutige Tour ist nicht selbst geplant, sondern existierte bereits bei Komoot. Es geht durch den Ort bis zu einem Einstieg in einer Spalte zwischen zwei Felsen, die sich im Laufe der Jahrtausende mit herabfallenden Felsbrocken und Steinen gefüllt hat. Die Tour ist als schwer gekennzeichnet, weil sich hier ein „gefährlicher knapp 300 Meter langer Abschnitt“ befindet. Wir versuchen unser Glück und nehmen bei der Kletterei die Hände zur Hilfe. Es ist wirklich steil und gefühlt bewegen wir uns auf allen Vieren. Unsere Rucksäcke sind natürlich nicht sehr hilfreich, denn sie verfügen nicht über einen Hüftgurt und rutschen so auf dem Rücken hin- und her. Wir schaffen es ohne Blessuren und werden mit tollen Ausblicken belohnt. Zudem stehen wir nun vor einer bewohnten Einsiedelei. Die Höhlen im Felsen wurden mit Mauern geschlossen. Das „Gebäude“ zieht sich über mehrere Stockwerke und im unteren befindet sich eine Tür mit Klingel. Schon ab dem 11. Jahrhundert n. Chr. kamen die ersten Einsiedler nach Meteora. Diese standhaften Asketen schufen kleine Orte des Gebets, die so genannten Gebetsnischen, neben oder in ihrer Wohnhöhle und begründeten somit die eremitische Askese in Meteora. Die gläubigen Höhlenasketen schlossen sich im 12. Jahrhundert zu Gruppen zusammen und versammelten sich an Sonn- und hohen Feiertagen am gemeinsamen Ort der Verehrung. Einer dieser Orte scheint nun hier vor uns zu liegen. Leider finden wir keine näheren Informationen dazu im Internet.









Kalter Wind zieht durch die Schlucht und wir sehen zu, dass wir weiterkommen. So durchgeschwitzt wie wir sind, kann das schnell zu einer Erkältung führen. Das wollen wir so kurz vor dem Heimflug unbedingt vermeiden! Von hier führt ein gut begehbarer Weg mit Treppenstufen wieder hinab, endet allerdings vor einer verschlossenen Tür. Privatbesitz? Das war beim Aufstieg nicht erkennbar. Wir klettern über zwei Mauern und kommen so wieder auf den (öffentlichen) Weg, der uns vorbei an weiteren aufgegebenen Einsiedeleien und dem „Kloster des Heiligen Antonius“ führt. Da wir nun auf der Nordwestseite der Felsen unterwegs sind, ist es weiterhin schattig und kühl und wir marschieren flott voran, um nicht kalt zu werden. Kurz touchieren wir den Ortsrand von Kastraki, dem zweiten beliebten Ausgangsort für Meteora Besucher. Dann biegt unser Weg aber wieder ab ins „Unterholz“. Wir bewegen uns auf dem Mountain Train Run, einem gut markierten Pfad (MTR), bei dem wir uns allerdings fragen, wie man ihn laufend bewältigen soll. Dazu ist er in unseren Augen viel zu unwegsam. Abseits des Weges sieht es nach Urwald aus. Wir kommen an einem markanten, senkrecht aufragenden Felsen vorbei, der den Namen „der Daumen“ trägt – nachvollziehbar!












Wieder geht es über einen Schuttkegel zwischen zwei Felsen hindurch, diesmal aber mit machbarer Steigung. Auf der anderen Seite öffnen sich nun wieder Blickachsen zu den Klöstern und wir haben jetzt die Sonne im Rücken! Unser Ziel ist das Kloster (Varvara) Roussanou, ein Nonnenkloster in dem heute noch 14 Nonnen leben. Das Kloster wurde im 16 Jahrhundert gegründet – damals als Mönchskloster – und auf den Ruinen einer Einsiedelei errichtet. Nachdem es von den Mönchen aufgegeben wurde, nutzen es einzelne Personen und Familien als Zufluchtsort bevor es nach seiner Restaurierung in den 1980er Jahren als Nonnenkloster weitergeführt wurde. Wir kommen von unten am Kloster an und dürfen daher auch hier erstmal ca. 140 Treppenstufen hinaufsteigen, bevor wir die Zugangsbrücke zum Kloster erreichen, das sich auf einer eindrucksvollen, senkrechten, ca. 60 Meter hohen Felsensäule befindet. Für Garten und Terrassen ist hier kein Platz. Das gesamte Felsplateau von ca. 500 m2 ist bebaut, Gärten finden sich unterhalb des Klosters und nur ein nahezu frei über dem Abgrund schwebender Balkon ist vorhanden. Von ihm hat man einen wunderbaren Blick Richtung Norden zu den Klöstern „Varlaam“, „Agios Nikolaos Anapafsas“ und „Megalo Meteoro“. Im Südosten liegen die beiden Klöster, die wir gestern besucht haben. Man kann sie aus den Fenstern des Katholikons sehen. Das Katholikon wird von mehreren Videokameras überwacht. Fotografieren und Filmen ist verboten. Die kunstvolle Wandbemalung stammt aus dem Jahre 1560. Im Kloster wird mit besonderer Frömmigkeit und Pracht das Andenken der hl. Barbara (4. Dez.) gefeiert mit großem Zustrom von gläubigen Besuchern aus nah und fern. Deshalb trägt es auch den Beinamen „Varvara (=Barbara)“.








Nach dem Besuch des Klosters steigen wir weitere 160 Stufen hinauf bis an die Straße, die heute die Meteora-Klöster verbindet. Hier befindet sich ein Aussichtspunkt, an dem wir unsere Picknickrast einlegen, bevor wir den Abstieg in Angriff nehmen. Dieser führt etwa zur Hälfte über den gleichen Weg, den wir gestern für unseren Aufstieg genutzt haben. In umgekehrter Richtung bieten sich erstaunlicher Weise ganz neue Blickachsen.







Nach neun Kilometern und 440 Höhenmetern erreichen wir einigermaßen erschöpft unser Appartement. Wir machen es uns in der Sonne auf dem Balkon gemütlich, bis sie gegen 16:00 Uhr so tief steht, dass es kalt wird.
Abends gibt es Sandwiches aus dem Sandwichbereiter – so etwas haben wir in keinem unserer „Zuhause“ und müssen das gleich nutzen. Nach Fotosortierung und Berichtschreibung geht es ab zu Bett. Wir spüren unsere Knochen und planen für morgen eine etwas moderatere Tour!
Freitag, 12.12.2025 – Meteora/Kalambaka
Die Sonnenaufgangsrunde steht noch auf dem Programm – doch auch heute werden wir einfach zu spät wach! Stattdessen starten wir zur gewohnten Zeit, diesmal allerdings mit dem Auto. Eine Seglerin aus der Community in Messolonghi empfahl uns einen Ausflug mit mehreren „Highlights“ (Danke Ani!) in der näheren Umgebung von Meteora. Mit dem Auto fahren wir eine gute dreiviertel Stunde bis zur alten Bogenbrücke Palaiokarya aus dem 16. Jahrhundert, hinter der sich ein breiter, künstlich angelegter, 12 Meter hoher Wasserfall befindet. Die Brücke spannt sich in perfekter Symmetrie über den Paleokariotis Fluss. Sie verband Dörfer in Thessalien mit Dörfern in Epirus und war in früherer Zeit eine viel befahrene Route, da der Fluss auch im Sommer Wasser führt – heute wird sie nur noch von Wanderern genutzt. Die Brücke selbst ist 10,5 Meter hoch und hat eine innere Spannweite von knapp 19 Metern und passt sich mit ihren Farben perfekt in die umgebende Natur mit ihren felsigen Steilhängen ein. Wir parken das Auto oberhalb der Brücke und steigen über eine Steintreppe in die Tiefe. Je näher wir dem Wasserfall kommen, umso lauter wird es. Eine Verständigung ist nur noch schreiend möglich. Leider liegen Brücke und Wasserfall zu dieser Jahreszeit ganztägig im Schatten. Die Berge erheben sich auf beiden Seiten einfach zu hoch. Es ist trotzdem ein beeindruckendes Naturerlebnis: das Wasser ist klar und türkis-grün, über dem Fluss hängt ein leichter Schleier aus winzig kleinen Wasser-Nebel-Tropfen und es ist kalt. Nachdem wir uns am Blick von oben sattgesehen haben, geht es nach unten, von wo die Rundbogenbrücke erst in voller Schönheit zur Geltung kommt. Außerdem bemerken wir erst hier, dass es noch einen zweiten künstlich angelegten Wasserfall vor der Brücke gibt. Beide Wasserfälle hintereinander und die Brücke dazwischen, dazu ein paar fast kahl in den Himmel aufragende Bäume verwandeln den Ort in eine Szene, die direkt aus J.R.R Tolkiens „Mittelerde“ entsprungen zu sein scheint.













Auf dem Sockel des Brückenpfeilers kann man bis an den Wasserfall herankommen. Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen und werden ordentlich feucht. Später lesen wir, dass die Brücke bis 2006 nahezu unbekannt war, bis sie zum ersten Mal als Foto in einem Reisemagazin abgelichtet wurde. Seitdem zieht sie immer mehr Amateur- und Profi-Fotografen an und gilt unterdessen als einer der „instagrammwürdigsten“ Orte in Thessalien.
Gleich nebenan finden wir eine weitere Geosite: das geschlossene Tal und die Schlucht von Gropa. Entlang der steilen Hänge neben der Straße und den Schluchtwänden kann eine vollständige Abfolge von geologischen Formationen beobachtet werden, die zur geotektonischen Zone des Pindos gehören. Hier gibt es auch verschiedene Wandertouren, dazu reicht aber leider heute unsere Zeit nicht aus. So fahren wir nur ein Stück mit dem Auto in die Schlucht hinein und sind verblüfft, dass man am Ende der Straße irgendwann in Arta am Ambrakischen Golf wieder herauskäme. Gropa war traditionell als die schwierigste Bergstraße Griechenlands bekannt, bis der Gropa-Tunnel gebaut wurde, der die Strecke nun zwar deutlich verkürzt und vereinfacht, aber dennoch eine Stunde länger dauert, als die Autobahnstrecke, die wir für unsere Anreise gewählt hatten. Das Pindos-Gebirge, dass hier Thessalien von Epirus trennt, verläuft in nord-südlicher Richtung über eine Länge von 230 Kilometern und erhebt sich auf bis zu 2.637 Meter über dem Meer. Es bildet das Ende des Alpenbogens in Griechenland.



Anis Empfehlung folgend, ist unser nächstes Ziel die schiefe Kirche von Ropotó. Der Ort liegt an einem nach Osten ausgerichteten Berghang auf 700 Metern Höhe auf einem Schuttkegel. Seit den 1960er Jahren war bekannt, dass das Grundwasser unter dem Dorf an den Fundamenten der Häuser nagte. Trotzdem errichtete man 1994 in der Ortsmitte eine stattliche Kirche. Im Jahr 2010 ereignete sich dann eine Naturkatastrophe. Das Grundwasser verursachte eine Bodensenkung, die einen Waldabschnitt oberhalb des Dorfes abrutschen ließ und mitten ins Dorfzentrum spülte. Viele Häuser rund um die Kirche hielten dem Druck nicht stand und wurden zerstört. Die Kirche blieb wie durch ein Wunder nahezu unbeschädigt. Bis Ostern 2012 schien alles gut zu gehen. Am Oster-Dienstag fand noch eine Messe in der Kirche statt. Kurz darauf wurde das Zentrum dem Erdboden gleichgemacht und 500 Meter tiefer gelegt. Die Kirche geriet ins Wanken, neigte sich stark, blieb aber ansonsten unbeschädigt. Im Juni 2012 hörten die Erdrutsche glücklicherweise auf. Es entstanden zwar große materielle Schäden, aber es gab keine Opfer zu beklagen. Unterdessen hat sich der Boden stabilisiert und die Kirche steht unversehrt mit einem Neigungswinkel von 17° an nahezu ihrer ursprünglichen Stelle und lockt nun Besucher an.












Es ist schon merkwürdig, wie unser Gehirn auf den Schiefstand der Kirche reagiert. Wir kommen uns vor, als seien wir betrunken, als wir uns der Kirche nähern. Noch schlimmer wird es, als wir sie über ihre schiefe Treppe betreten. Unser Gehirn vermittelt uns, dass ein Gebäude senkrecht steht, also muss es an uns liegen, dass die Gebäudelinien verschoben sind. Automatisch versucht unser Körper, sich der Linienführung der Kirche anzupassen und wir geraten unversehens ins Straucheln. Es bedarf einiger Konzentration, sich aufrecht zu halten. Dieses Problem hätten wir nicht, stünden wir beispielsweise auf einer geneigten Felsplatte in freier Natur. Aber in der Kirche mit ihrer Kuppel, den Säulen und den Mosaiken auf dem Boden, fällt es ungleich schwerer. Die Weihrauchgefäße hängen schräg im Raum, als seien sie mit unsichtbaren Fäden in diese Position gezwungen worden. Dabei ist es einzig und allein die Schwerkraft. Auch die schief hängenden Bilder scheinen uns aufzufordern, sie gerade zu rücken. Es ist gar nicht so einfach, das fotografisch festzuhalten. An welchen Linien orientiert man sich dabei? Zum Glück hat das Handy ja eine „eingebaute“ Wasserwaage. Aber einige Bilder haben wir trotzdem „schräg“ aufgenommen.
Vor der Kirche finden wir einen Platz in der Sonne mit Weitblick ins Tal für unser Picknick, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Kurz von dem kleinen Ort Pyli kommen wir an einer weiteren Bogenbrücke vorbei, der Agio Vissarion, die sogar in der Sonne liegt. Wir halten an und vertreten uns etwas die Beine. Die Brücke wurde 1513 gebaut und stellte ebenfalls eine wichtige Verbindung der beidseits liegenden Gebiete dar. Sie ist deutlich größer, als die erste Halbbogenbrücke dieses Tages und misst in der Spannweite 29 Meter bei einer Gesamtlänge von 65 Metern. Nun haben wir zwar Sonnenlicht zum Fotografieren, aber nicht die spektakulären Wasserfälle von heute morgen. Auch ist das Wasser zu unruhig für Spiegelungen, die andernfalls das perfekte Halbrund scheinbar zum Kreis vollenden könnten – irgendetwas ist ja immer! Ein paar brauchbare Fotos sind trotzdem entstanden!












Die Sonne sackt recht schnell hinter die hohen Berge und wir bemühen uns, zumindest eine kleine Sonnenrunde am Fluss zu spazieren. Hier sind große Ufersicherungsarbeiten im Gange. Mit schwerem Gerät wird die Böschung wie im Deichbau abgeflacht und wo dafür nicht genügend Platz vorhanden ist, werden riesige Gabionen mit Steinen befüllt und tief in die Uferkannte versenkt und weiter in die Höhe gestapelt. Wir queren den Fluss auf einer Fußgängerbrücke und spazieren auf der Sonnenseite bis zur nächsten Straßenbrücke. Dort folgen wir dem Gehweg auf der Talseite und stehen am Ende der Brücke vor einer Leitplanke, die uns den Weg versperrt und den Gehweg enden lässt. Das ist mal wieder typisch griechisch. Wir klettern über die Leitplanke, überqueren die Straße und klettern auf der anderen Seite über ein weiteres Geländer, um wieder auf einem Fußweg zu landen. Wenig später passieren wir ein großes Hinweisschild, dem wir entnehmen können, dass die Ufersicherungsarbeiten an dieser Stelle auf EU-finanziert sind und ein Gesamtvolumen von 113 Mio € haben – im Vergleich zur Elphi also ein echter „Schnapper“.





Nun geht es weiter zum letzten heutigen „Highlight“ in das Städtchen Trikala im Herzen Griechenlands. 327 Tage im Jahr ist nämlich Athen die Hauptstadt Griechenlands, in der Zeit von Ende November bis 06. Januar ist es Trikala mit ihrem Weihnachtsmarkt rund um die historische Matsopoulos Wassermühle. Sie ist ein monumentales industrielles Wahrzeichen, das von 1884 bis 1984 ein Jahrhundert lang als erste industrielle Getreidemühle Griechenlands in Betrieb war. Seit 2011 wird rund um dieses bemerkenswerte Gebäude jährlich die „Mühle der Elfen“ aufgebaut. Jedes Jahr wird ein neues Thema für die Dekoration, den Aufbau und die Figuren ausgewählt, kombiniert mit der Weihnachtsmagie Tausender Lichter und Weihnachtsbäume. Es ist eine bunte Weihnachtswelt mit viel Liebe zum Detail. Im Jahr 2025 steht der Weihnachtspark ganz im Zeichen von Peter Pan, Tinkerbell und Nimmerland! Auf der Webseite der „Mühle der Elfen“ liest sich das ungefähr so:
Wo die Zeit stillsteht und die Fantasie erwacht, bekommen Träume dieses Jahr Flügel. Peter Pan fliegt über den Weihnachtslichtern, begleitet von Tinkerbell, Wendy und den Kindern von Nimmerland. Unter ihnen erscheint der Weihnachtsmann mit funkelnden Augen, bereit, sich die Wünsche der Kinder anzuhören und die Mühle mit Dekorationen voller Freude und Liebe zu schmücken.
Das Postamt der Elfen füllt sich mit Wünschen und kleinen Träumen, während in Tinkerbells Baumhaus sanfter goldener Staub auf das Lachen der Kinder fällt.
Wir kommen am frühen Nachmittag an und finden einen Parkplatz in der Nähe. Die Musik schallt vom Weihnachtspark herüber. Neben dem eigentlichen Themenpark rund um die Mühle gibt es auch jahrmarktähnliche Fahrgeschäfte und Buden. Eine kleine Eisbahn ist aufgebaut und eine Schneerutsche (ohne Schnee). Wir lassen uns durch den Park treiben, genießen einen Cappuccino und schauen uns die historische Mühle von innen an. Sehr lange halten wir allerdings die Lautstärke nicht aus, freuen uns aber, den Abstecher gemacht zu haben. So etwas hätten wir in Griechenland nicht vermutet. Sicherlich versprüht der Park abends mit seiner Beleuchtung deutlich mehr Flair, als tagsüber. Dann tummeln sich hier aber auch zehntausende Menschen, was für unser ungeübtes Immunsystem sicherlich zur Herausforderung hätte werden können.
















So erreichen wir nach einem kurzen Einkaufsstopp bei Lidl (Schwarzbrot!!!) unser Appartement noch rechtzeitig für eine sonnige Pause auf dem Balkon, bevor wir uns zum Sortieren der Fotos (wieder viel zu viele) und zum Berichtschreiben in das Wohnzimmer verziehen. Es war ein wunderbarer Tag und genau der richtige Break nach den Wandertagen zu den Klöstern. Nun freuen wir uns morgen auf den letzten Wandertag zu den noch nicht besichtigten Klöstern von Meteora.
Samstag, 13.12.2025 – Meteora/Kalambaka
Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2714685658
Gestern Abend haben wir uns fest vorgenommen, den Sonnenaufgang an den Klöstern zu erleben. Also weckt uns der Wecker um 7:00 Uhr. Sonnenaufgang ist um 7:41 Uhr, also Zeit genug für einen Kaffee und dann geht es los. Die Nacht war nicht ganz so kalt, wie die letzten, aber das Thermometer des Autos zeigt nur 4 Grad. Mütze und Handschuhe wären gar nicht so schlecht. Beides haben wir aber nicht im Gepäck. Wir sind fast die einzigen Besucher zu dieser frühen Stunde. Im Süden liegt Nebel im Tal und die Sonne kämpft sich durch den Dunst, aber über uns ist der Himmel wolkenlos. Als wir die Meteora-Straße entlangfahren, wandert die Sonne an den vorderen Felsen langsam herab – ein schönes Schauspiel. Wir halten an den uns nun schon bekannten Aussichtspunkten und schätzen ab, wie der Lichteinfall sein wird. Langsam steigt die Sonne über die ersten Felsen und sendet Lichtspots auf einzelne Abschnitte der Felsen vor uns. Das Erlebnis ist ähnlich magisch, wie beim Sonnenuntergang vor zwei Tagen. Wunderschönes warmes Licht, aber eisige Temperatur. Die Skipperin trägt unter der langen Hose eine Leggings und über Top, T-Shirt und Pulli noch zwei Lagen Jacken. Aber die Ohren und die Hände frieren schnell ein. Eine knappe Stunde dauert das Schauspiel, dann steht die Sonne so hoch, dass die Lichtmagie verschwindet.

















Uns fehlen noch drei Klöster und zwei wollen wir gleich am Morgen besuchen. Wir beginnen mit dem Kloster Varlaam, denn es öffnet bereits um 9:00 Uhr. Obwohl schon der erste Bus angekommen ist, erleben wir das Kloster fast allein. Uns gefällt besonders die wunderschöne, mediterran anmutende Terrasse und das Museum, in dem sehr anschaulich in Form eines Filmes gezeigt wird, wie die Mönche hier früher lebten und arbeiteten und wie sie zum Kloster hinauskamen. Treppen und Brücken wie heute, gab es nicht. Es ging entweder an hölzernen Leitern oder im Lastennetz nach oben.
Das Kloster wurde 1350 von dem wagemutigen Asketen „Varlaam“ gegründet, der den Felsen erklomm und dort allein mit dem Bau begann. Er baute drei Kirchen, eine kleine Zelle und einen Wassertank. Als er verstarb, blieb der Felsen 200 Jahre unbewohnt, bis zwei reiche Brüder und Priester-Mönche aus der Stadt Ioannina den Felsen erreichten. Sie begannen die ersten Gebäude zu errichten, die kleinen Kirchen zu renovieren und bauten einen Turm und die zentrale Kirche. Die Beschaffung der Materialien und deren Beförderung auf den Felsen war eine große Herausforderung und Glanzleistung der damaligen Zeit und dauerte 22 Jahre. Heute leben aktuell 8 Mönche im Kloster.





















Über einen alten Mönchspfad kann man vom Kloster Varlaam durch die Schlucht und hinauf zum größten und ältesten Kloster „Megalo Meteoro“ wandern. Wir lassen also unser Auto auf dem sich langsam füllenden Parkplatz des Klosters Varlaam stehen und laufen los. Erst geht es (leider) einige Höhenmeter bergab. Wir wissen, dass wir alles wieder hinauf müssen. Die Sonne schickt die ersten Sonnenstrahlen in die Schlucht und zaubert schöne Lichtreflexe auf Baumstämme und moosbewachsene Steine. Auf dem Sattel des Schuttkegels zwischen dem Felsen, auf dem das Kloster wie ein Wolkenkratzer des Mittelalters in 613m Höhe thront und der Meteora Straße, endet der Weg. Nun liegen noch 170 in den Felsgeschlagene Stufen und ein Felstunnel vor uns, bis wir den Eingang des Klosters erreichen. Im Kloster, das eine Größe von 60.000m2 hat, leben heute nur noch sechs Mönche. Für Besucher ist nur ein Teil des Klosters zugänglich. Wir gehören heute zu den ersten. Auch hier gibt es eine beeindruckende Terrasse mit Aussicht auf vier weitere der zugänglichen Klöster. Nur das südöstliche Kloster Rousseau versteckt sich hinter einer Felsnase.






1344 gründete Athanasios das Klosters und legte auch die Regeln für das Klosterleben fest, denen fortan alle Mönche folgten. Bis 1923 war das Kloster nur über Seilleitern oder eine Winde mit Netz erreichbar. Heute steigen die Besucher vom Parkplatz ca. 130 Treppenstufen hinab und dann am Klosterfelsen etwas mehr wieder hinauf. Oben angekommen wird man mit sagenhaften Ausblicken belohnt. Uns beeindruckt hier neben der zentralen Kirche mit ihren bunten Glasfenstern insbesondere die alte Küche, der Weinkeller und die Tischlerwerkstatt. Als immer mehr Busse vorfahren, verabschieden wir uns vom Kloster. In den letzten Tagen war die Besucherzahl wirklich überschaubar, aber heute, am Samstag stehen die Busse bereits morgens Schlange. Meteora ist das nach der Akropolis in Athen die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit des „Festland-Griechenlands“. Die Schätzung der jährlichen Besucherzahl geht stark auseinander. Wir haben Angaben von einer bis zu zweieinhalb Millionen Besucher gefunden – für uns unvorstellbar!










Wir haben uns für unseren letzten Tag eine Wanderung etwas abseits der Touristenströme ausgesucht, der um den Berg im Rücken der Klosterfelsen herumführt. Kaum biegen wir um den nächsten Bergsattel, sind wir allein auf dem Berg. Über einen markierten Trampelpfad geht es am Nordrand der Felsformation entlang mit letzten Blicken zum Klosterplateau, aber auch in die Ferne entlang den Hängen des Pindos-Gebirges. Wer möchte, kann hier ein paar Stichpfade zu Aussichtspunkten auf vorgelagerten Felsnasen nehmen. Nach einiger Zeit schwenkt der Pfad in den Eichenwald ein. Unter unseren Füßen raschelt Herbstlaub und es wird rundum wunderbar still. Es geht gemäßigt bergab. Wir kommen am Felskloster Ypapanti vorbei, dass an der Steilwand zu kleben scheint. Etwa 100 Felsstufen führen hinauf, aber es ist geschlossen. Wir wählen den gegenüberliegenden sonnigen Aussichtspunkt für unsere Picknickrast. Dann geht es weiter, immer wieder etwas bergan, dann wieder bergab. Eigentlich hatten wir auf einen Höhenweg mit wenig Steigung und Gefälle gehofft, aber dieser Wunsch wird nicht erfüllt. Nach jeder Wegbiegung um den Berg, öffnen sich neue Blickachsen. Irgendwann finden wir einen Abzweig, der uns zur Meteora-Gradwanderung auf eine Höhe von 680m bringt. Von diesem sehen wir nun wieder die Klosterfelsen und sofort ist es mit der Ruhe vorbei. Motorengeräusche von Autos und Motorrädern erreichen uns genauso, wie das Stimmengewirr zahlloser Besucher. Unter uns parken Auto an Auto und Bus an Bus – Wahnsinn! Wir sind froh, dass wir heute so früh aufgestanden sind und die beiden Klöster noch in großer Ruhe besuchen konnten. Jetzt steigen wir nur schnell in unser Auto, um diesem Rummel zu entgehen. Zur Belohnung wartet ein sonniger Balkon mit einem Kaltgetränk im Tal auf uns. Obwohl durch unsere Straße in den letzten Tagen einige öffentliche Busse fuhren, erscheint es uns heute auf dem Balkon ausgesprochen ruhig.













Nach einer verdienten Erholungspause und einer heißen Dusche, sortieren wir die letzten Fotos für den Bericht. Morgen geht es mit dem Auto nach Athen und Montag nach Deutschland. Deshalb endet hier unser Griechenland 2025 Blog!

4 Antworten
Hey there, sitting here in Sweden with horrible weather. Cold and rainy. We are staying in a quaint little cottage in his hometown and I’m enjoying seeing all of his hometown haunts and visiting family. I was so pleased to read your trip. I’m hoping I can convince Johan to participate in this wonderful adventure when we return. So impressive. Loved your blog.
I hope you guys have a fabulous holiday back home with your family. I send big hugs and wishes to both of you and look forward to seeing you when we come back. ????????????
Dear Candy,
Thank you for your comment – it was indeed an amazing trip! Now we are at the airport in Athens after a long trip from Meteora. Normally it needs only round about 3 hours. But because of the farmers protests (actually since one month), some Hihgways are occupied by tractors. We had to use smaller roads instead. Tomorrow morning the shuttle will bring us to the airport at six o’clock. We are excited to see what awaits us at home. We wish you a wonderful time in Sweden and a Merry Christmas on Gotland.
We send big hugs and wishes to both of you and look forward to seeing you next year!
Barbara and Werner
Was für ein Abschluss, die Bilder sind phänomenal! Ihr werdet Euch in Deutschland bestimmt furchtbar langweilen. 🙂
Liebe Doro,
danke dir! Wir sind gespannt, was uns in Deutschland erwartet, mit Langewreile rechnen wir eigentlich nicht…
Liebe Grüße und die besten Wünsche für Weihnachten und das neue Jahr von der Venga!-Crew