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#71 Wunderschöne Inseln: Ithaka und Kefalonia

Bereits im November hatten es uns diese beiden Inseln angetan. Neben vielen ausgewiesenen Geosites gibt es gut markierte Wanderwege über alte Esels- und Mönchspfade, spektakuläre Buchten mit türkisfarbenem Wasser, hübsche Hafenorte und uralte Bergdörfer zu entdecken. Im November wirkte Vieles ausgestorben und war geschlossen, jetzt nähern wir uns der Saison und hoffen auf etwas mehr Leben.

Hier geht’s zum Geopark: https://kefaloniageopark.gr/De

https://visitkefaloniaisland.gr/de/geopark-von-kefalonia-ithaka/

Samstag, 18.04.2026 Kioni/Ithaka – „Hafentag“

Die Wettervorhersage hat 9 Sonnenstunden angekündigt, daher haben wir uns zum Start der heutigen Wanderung (14 Kilometer mit 520 Höhenmetern) schon für 9:00 Uhr mit Johan verabredet. Als der Skipper vor acht die Augen öffnet, ist der Himmel bedeckt, beschenkt ihn dafür mit farbenfroher Sonnenaufgangsstimmung.

Zum Morgenkaffee schmiert die Skipperin die Stullen für das Picknick. Statt knapp einem Liter Wasser pro Person, kommen heute 1,5 Liter ins Gepäck. Dann geht es los. Der erste steile Anstieg geht durch den Ort Kioni, der sich vom Hafen den Hang hinaufzieht. Von oben der erste schöne Ausblick. Wir folgen den blau-weißen Markierungen und enden auf einem überwucherten Feld. Von Weg keine Spur. Ein Schäfer erklärt in gebrochenem Englisch, dass es hier Probleme gibt und weist zurück zur Straße. Komoot zeigt uns, dass wir von der Straße wenig später erneut auf den Wanderweg abbiegen können. Also nur ein kleiner Umweg. Der schmale Pfad ist gut markiert, aber in letzter Zeit wenig benutzt worden – also wieder „Spider-trail“ (voll mit Sinnennetzen!). Wir wechseln uns an der Spitze ab. Es geht überwiegend im Schatten der Bäume teils steil bergan. Fast jeder Schritt will mit Bedacht gesetzt werden.

Um den Blick schweifen zu lassen, muss man schon stehen bleiben. Im dichten Wald staunen wir über viele von Menschenhand angelegte Terrassen mit Steinmauern. Hier wurde früher fleißig Olivenanbau betrieben. Heute dominieren Steineichen. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Art Plateau, die Landschaft verändert sich. Nun gibt es flache Freiflächen, vereinzelte Bäume und von Schafen oder Ziegen kurz gehaltenes Gras. Auffällig sind die großen Steine und Felsbrocken, durch die sich nun der Pfad windet. An der ersten kleinen Kapelle, Agios Nicolaos, machen wir einen Trinkstopp, bevor das nächste Steilstück auf uns wartet. Obwohl der Weg überwiegend gut markiert ist, braucht es manchmal den Blick auf die Komoot-App, um zu wissen, in welcher Richtung man nach der nächsten verwitterten Markierung suchen muss. Als wir fast den höchsten Punkt erreicht haben, lädt uns die nächste Kapelle zur Picknickpause ein. Hier herrscht abgesehen von Vogelgezwitscher, absolute Ruhe. Die Sonne kommt erst jetzt ab und zu zwischen den Wolken raus – und wir sind froh darüber, denn der Aufstieg war auch ohne Sonnenschein schon schweißtreibend genug.

Gestärkt geht es weiter, nun ein Stück auf der Straße (ohne viel Verkehr) bis zum Dorf Anogi, dem ältesten Ort der Insel, wie wir hinterher im Internet recherchieren. Auffallend sind schon ein paar Steine am Wegesrand mit griechischen Inschriften, die wir nicht entziffern können. In der Dorfmitte steht die Kirche Panagia mit ihrem Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert. In einigen Häusern wird renoviert, ein paar Katzen streunen herum, aber ansonsten wirkt der Ort wie ausgestorben.

Das Museum, dass alles Wissenswerte über den am Ortsrand befindlichen Monolithen „Araklis“ (lokale Abwandlung für Herakles) enthalten soll, ist geschlossen. Wir sehen ein Schild, dass auf das „alte“ Anogi hinweist. Aber da die Straße bergan führt, nehmen wir von einem Besuch Abstand. Noch höher muss heute wirklich nicht sein. So wenden wir uns dem Besuch des Monolithen, oder auch „Menhir“ (in der Bretonschen Sprache men = Stein + hir = lang) „Araklis“ zu. Er steht in einem eingezäunten kleinen Bereich mit mehreren Bänken. Wir sind über die Größe erstaunt. Von Fotos hätten wir ihn kleiner eingeschätzt. Er ist ca. 9m hoch und besteht aus unlöslichem Kalkstein.

Im gesamten Areal um den Ort Anogi fällt das Relief der wie zufällig ausgestreut wirkenden Felsen auf. Der Hauptfaktor für die Bildung dieses Reliefs ist die Auflösung von Kalksteinfelsen durch Wasser (Karstifizierung). Insbesondere die „Menhir“ von Anogi sind die unlöslichen Reste von Kalkstein, die hauptsächlich länglich, glatt geschnitten wirken und von denen einige aufrecht platziert sind.

Im Anschluss führen die Markierungen uns um den Helikopterlandplatz der Insel herum und dann beginnt ganz unverhofft ein mit großen Steinen gepflasterter Weg, der aus dem 16. Jahrhundert stammt und uns abwärtsführt. Diese Wege verbinden schon seit Jahrhunderten die Orte auf den Inseln oder die Orte mit den Häfen. Größtenteils geht es nun durch bewaldetes Gebiet, aber zwischendurch gibt es immer wieder lichte Orte, an denen man den Blick schweifen lassen kann. Sogar gemauerte Bänke stehen entlang des Weges bereit. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, nicht auf dem getrockneten harten Laub der Steineichen auszurutschen. Aber insgesamt ist der Rückweg deutlich einfacher, als der Hinweg. Unterwegs gibt es noch einen kleinen Abstecher zu einer weiteren Kapelle, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Am Wegesrand sehen wir immer wieder die hier so typischen Wasserreservoire. Dabei handelt es sich um rechteckige oder quadratische Bauwerke, meist aus Naturstein, mit einer nach innen gewölbten Decke, die das Wasser auffängt und nach innen leitet. In der Mitte ist meist ein Deckel aus Metall, den man öffnen kann. In eines dieser Wasserreservoire werfen wir einen Blick – es ist anscheinend noch voll funktionsfähig und bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Etwa zwei Kilometer vor Kioni, wird landwirtschaftliche Flächennutzung sichtbar und der gepflasterte Weg endet. Nun geht es über Wirtschaftswege bis zum Ortseingang.

Wir beschließen erstmal an Bord zu gehen und etwas zu rasten. Wir waren gut 6 Stunden unterwegs und unsere Muskeln und Knochen erinnern uns daran, dass wir keine 20 mehr sind. Die Sonne scheint unterdessen von einem blauen Himmel und es ist windstill. So beschließen Skipper und Skipperin erstmal ein erfrischendes Bad zu nehmen (inklusive mindestens einmal um das Boot schwimmen). um im Anschluss die warme Dusche auf der Badeplattform zu genießen. Dann gibt es das verdiente Kaltgetränk und etwas „Augenpflege“ im Cockpit.

Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2892899629

Statt eines überteuerten Sundowners an Land, genießen wir diesen in Vengas! Cockpit und besprechen, wohin es morgen gehen soll. Am Abend kommt plötzlich Schwell auf. Erst denken wir an eine draußen vorbeifahrende Schnellfähre, aber in den bekannten Apps ist nichts dergleichen zu finden und der Schwell hört auch nicht auf. Zusätzlich setzt Wind ein und wir richten uns auf eine unruhige Nacht ein, aber ab Mitternacht beruhigt es sich zum Glück wieder.

Sonntag, 19.04.2026 – Kioni/Ithaka – Fiskardo/Kefalonia – 10 Seemeilen

Trotz einer eigentlich ruhigen Nacht, wird die Skipperin schon vor 7:00 Uhr wach – völlig ungewöhnlich. Sie nutzt die Gelegenheit für einen Blick Richtung Osten und wird mit einem wunderschönen Morgenhimmel beschenkt. Aber auch der Blick nach Westen auf die von der aufgehenden Sonne in warmes Licht getauchten Häuser von Kioni ist sehr hübsch.

Wir wollen heute nach Fiskardo auf Kefalonia segeln. Der morgendliche Wind weht aus Ost bis Südost und so können wir nach dem Auslaufen aus der Bucht unter Genua auf Raumschotkurs entlang der Küste Ithakas segeln. An der Nordspitze fallen wir weiter ab, fahren eine Halse und bleiben kurz darauf stehen. Wir befinden uns im Windschatten der Insel. Das Dieselsegel muss raus. Aber wir sind hier im Ionischen Meer ja sehr bescheiden geworden und freuen uns schon, wenn wir die Hälfte der Strecke segeln können…Unterwegs wird gefrühstückt.

In Fiskardo suchen wir uns einen Ankerplatz an der Nordseite der Bucht und bringen eine Landleine aus. So sollten wir auch die unterdessen wieder täglich fahrende Fähre nicht stören. Die Isabelle tut es uns gleich und wir verabreden erstmal ein Päuschen einzulegen, bevor es an Land gehen soll. So haben wir auch einen schönen Blick auf den malerischen Ort, in dem sich viele Häuser in warmen Pastelltönen hübsch herausgeputzt haben. Die meisten farblich abgesetzten Fensterläden sind noch fest verschlossen. Während auf Kefalonia bei einem verheerenden Erdbeben 1953 fast alle Orte nahezu vollständig zerstört wurden, gab es in Fiskardo fast keine Schäden. Das hing zum einen damit zusammen, dass es sich weiter weg vom Epizentrum befand, aber auch damit, dass es auf stabilem felsigem Untergrund steht, der die Erdstöße wohl besser abfangen konnte. Die Touristen scheinen es zu lieben, denn in der Saison ist hier ordentlich Betrieb und im Aushang des örtlichen Immobilienbüros sehen wir später, dass selbst für verlassene Gebäude noch stattliche Preise aufgerufen werden.

Bevor es nun endlich an Land gehen kann, hängt der Skipper schon wieder im „Keller“. Der erst vor zwei Tagen installierte neue Heißwasserschlauch mit einer Hitzebeständigkeit bis 60°C reißt in dem Moment, in dem er die Frischwasserpumpe einschaltet, um sich die Hände zu waschen. So ein Sch…! Also muss wieder der gesamte Keller ausgeräumt werden und nun der nächste „provisorische“ Schlauch eingebaut werden. Diesmal ist es einer, der bis 140°C zugelassen ist. Allerdings „eigentlich“ nicht für Trinkwasser und mit einem etwas zu großen Durchmesser. Aber mit zwei starken Rohrschellen werden die 15mm Durchmesser auf die erforderlichen 13mm zusammengepresst. Und trinken tun wir das Wasser aus dem Tank ja sowieso nicht – müssen jetzt eben darauf achten, zum Kochen nur Kaltwasser zu verwenden.

Nun noch alles wieder trockenlegen und einräumen, dann können wir an Land für einen kleinen Spaziergang über die Halbinsel zu den beiden Leuchttürmen und den Ruinen einer Basilika. Im Anschluss gönnen wir uns ein Abendessen in der geöffneten BBQ-Taverne. Leider hat der Wind ordentlich zugelegt und obwohl wir in der Sonne sitzen, kühlt uns der Wind nun viel zu schnell aus. Also geht es bald zurück an Bord und in die kuschelige Kajüte.

Montag, 20.04.2026 Fiskardo – Asos – 10 Seemeilen

Zumindest für die nächsten 3-4 Tage sieht es so aus, als wäre eine Erkundung der weitgehend ungeschützten Westküste Kefalonias möglich. Bis zur Ankunft von Candy (Johan’s Freundin) sind es zudem noch knapp 10 Tage. Sie kommt am 29.04. in Kefalonia an. Nachts ist der Wind irgendwann eingeschlafen und morgens dümpelt Venga! ganz ruhig an ihrem Ankerplatz. Die Morgensonne taucht Fiskardo in warmes Licht, aber es war eine recht kalte Nacht mit 11 Grad. Deck und Cockpit sind zum Morgenkaffee noch nass. Mit steigender Sonne, trocknet es schnell.

Als wir ablegen, tragen wir noch Jacken, die jedoch schnell überflüssig werden. Wir versuchen bei 4-5 Knoten Wind zu segeln, geben aber schnell auf, als der Wind noch weiter nachlässt. Also geht es nun unter Maschine entlang der spektakulären Nord- und Westküste Kefalonias entlang Richtung Süden. Wir sehen mehrere kleine und große Grotten. Der Inselrücken steigt Richtung Süden immer weiter an und die Klippen stürzen beeindruckend viele Meter oft senkrecht ins Meer.

Es steht ein leichter Mittelmeerschwell. Der ist es auch, der das Ankern an dieser Küste so schwierig macht. Selbst bei Ostwind rollt er von Westen an und vor Anker stellen sich die Boote gern quer zu dieser Welle und schaukeln unschön von einer Seite auf die andere. Ein paar geschützte Buchten gibt es aber auch an der Westküste.

Eine davon ist die von Asos. Nur bei Wind und Welle aus Nord wird es hier ungemütlich. Der kleine malerische Hafenort lebt vom Tourismus. Beim großen Erdbeben von 1953 wurde auch dieser Ort nahezu vollständig zerstört. Die Stadt Paris sorgte für seinen Wiederaufbau, was dazu führte, dass das ursprüngliche Ortsbild weitgehend erhalten blieb. Dennoch wanderten einige Einwohner ab und zurück blieben verlassene Häuser, die aber anscheinend nach und nach touristischen Zwecken zugeführt worden sind. Denn viele Häuser sind hübsch renoviert oder sogar neu errichtet und strahlen mit ihren überwiegend in Pastelfarben gestrichenen Fassaden um die Wette. Um das Hafenbecken gruppieren sich ein paar Cafés und Restaurants, nur wenige sind bereits geöffnet. Wir erfahren, dass die meisten ab 01. Mai mit der Saison beginnen. Uns stört das nicht, denn so haben wir die Bucht für uns allein, als wir gegen Mittag einlaufen.

Auf den Luftaufnahmen der Navily-App (unsere „Bibel“, wenn es um Informationen über Ankerplätze und Häfen geht), zählen wir über 40 Boote im Juli in der Bucht. Wir brauchen drei Anläufe, bis der Anker einigermaßen hält. Wir haben ihn auf einen Sandflecken fallen lassen, aber es scheint, dass der Sand nur oberflächlich ist, darunter befindet sich Fels und beim rückwärts einfahren, kann der Skipper an der Ankerkette spüren, wie er über Felsen rutscht. Es ist wenig Wind vorhergesagt, wir haben bei 8m Wassertiefe 40 Meter Kette gesteckt und setzen zur Sicherheit noch unser Reitgewicht, damit der Schwoikreis etwas kleiner wird. So fühlen wir uns sicher.

Nach dem Frühstück paddeln wir an Land, denn es gibt hier eine frei zugängliche venezianische Festung, die wir uns ansehen wollen. Über einen breiten und sehr neu wirkenden gepflasterten Weg, wandern wir bei leichter Steigung in Serpentinen aufwärts bis zum Festungseingang. Die Festung von Assos ist die größere der beiden Festungsanlagen auf Kefalonia und eine der größten in ganz Griechenland. Sie nimmt die gesamte Halbinsel Assos ein.

Ihre 3000m langen Mauern folgen den Konturen der Halbinsel und bilden ein unregelmäßiges Rechteck. Die Festung wurde von 1593 bis 1596 von den Venezianern erbaut und diente als Schutz vor Piraten und Angriffen des osmanischen Reiches. Sie war als Verwaltungszentrum geplant und beherbergte den Sitz des Regionalverwalters – zur Stadt ausgebaut wurde sie nie, da es an ausreichender Wasserversorgung mangelte. Bis zum Erdbeben 1953 war die Festung bewohnt, diente zwischendurch als Gefängnis und wurde 1963 endgültig verlassen.

Nachdem wir das Eingangstor durchquert haben, wenden wir uns auf einem alten gepflasterten Weg nach rechts, um den höchsten Punkt der Festungsanlage, die alte Turmruine, zu erreichen. Von hier haben wir einen wunderbaren Rundumblick und können die Ausmaße der Festung erstmals erfassen. Wir sehen unter uns weite Felder mit Olivenbäumen und viele Ruinen. Zurück am Tor wenden wir uns nach rechts und steigen über ausgetretene Treppenstufen hinunter. Rechts und links befinden sich Ruinen – leider ohne jegliche Erklärung, was sie einmal beherbergten. Am Fuß der Treppe erreichen wir wieder den gepflasterten Weg, folgen ihm ein paar hundert Meter und folgen dann einem Trampelpfad durch die Olivenhaine bis zu einer Gebäudeansammlung jüngeren Datums, dem ehemaligen Gefängnis.

Hier sind wir nun ganz allein und können wieder die Vögel singen hören. Wir folgen einem Feldweg, der sich durch die Felder windet, begleitet von einer alten Wasserrinne. Überhaupt nimmt das Thema „Wasser“ hier viel Raum ein. Wir sehen viele alte Zisternen, Wasserrinnen und Wasserbecken. Landwirtschaft scheint ein wichtiges Thema in dieser Festung gewesen zu sein. Bis in die 1960er Jahre wohnten hier Familien, die von Wein- und Olivenanbau lebten. Wir lassen uns Zeit und die friedliche Landschaft auf uns wirken. Der Duft des blühenden Klees begleitet uns durch die Wiesen. Nur die vielen Fliegen sind etwas störend.

Auf einer Freifläche machen wir Rast und versuchen die Drohne zu starten – ein etwas mühevolles Unterfangen, weil wir es viel zu selten machen.

Zurück nehmen wir einen kleinen Weg, der durch ein Nebentor im Süden aus der Festungsanlage hinausführt. Der Pfad schlängelt sich am Abgrund entlang und macht immer wieder schwindelerregende Blicke in die Tiefe möglich. Über das Meer können wir die Kalkklippen der Westküste mit ihren türkisfarbenen Buchten erkennen. An ihnen soll es morgen weitergehen in Richtung Süden. Am Ort wieder angekommen, machen wir Rast im geöffneten Café am Hafenbecken, bevor es zurück an Bord geht. Heute wird wieder selbst gekocht. Der Skipper zaubert eine Bratkartoffelpfanne mit Bratwurst und die Skipperin sorgt für Vanille- und Schokoladenpudding zum Nachtisch.

Zum Sonnenuntergang lässt die Skipperin es sich nicht nehmen, nochmals die Festung zu ersteigen. Einige letzte Besucher kommen ihr entgegen, aber die Festung hat sie ganz für sich. Im Westen über dem offenen Mittelmeer versinkt die orangefarbene Sonne in einer fernen Wolkenbank und färbt den Himmel in den schönsten Gelb- und Orangetönen, während die Mondsichel am dunkler werdenden Himmel erscheint. Auf dem Rückweg wird es schnell dunkel und so können noch ein paar Nachtaufnahmen des erleuchteten Ortes mit den beiden ankernden Booten im Vordergrund eingefangen werden.

Dienstag, 21.04.2026 Asos – Myrtos-Beach – Atheras – 10 Seemeilen

Wir wachen nach einer unglaublich schaukeligen Nacht wie gerädert auf. Navily hatte uns laue Winde aus westlichen Richtungen und Wellen aus Südwest angezeigt. Die Bucht von Asos ist nur Richtung Norden offen, daher gab Navily die Ankerqualität mit über 90% an. Der Mittelmeerschwell hätte also eigentlich an uns vorbeilaufen müssen, aber irgendwie schafften es Ausläufer, in die Bucht zu gelangen. Wir vermuten, dass es Reflexionswellen waren, denn die Küste rund um die Zufahrt in die Bucht besteht aus steil ins Meer abfallenden Felswänden. Hier können Wellen nirgendwo ausrollen, sondern schlagen zurück. Venga! schien sich eher quer zu dieser Welle zustellen. Dadurch wurden wir zum einen in der Koje hin- und hergeworfen, führte zum anderen aber auch dazu, dass Gegenstände im Boot sich bewegten und es mal hier und mal dort Geräusche gab, die sich schwer einordnen ließen: die schlagende Tür eines Schrankes, eine rollende Stange vom Bimini oder Werkzeug auf einer Ablage. Johan erging es nicht besser – auch Isabelle rollte die ganze Nacht. Bezeichnend ein Kommentar auf Facebook von anderen Seglern, die ebenfalls darauf hinweisen, immer mit Schwell zu rechnen, selbst wenn keiner vorhergesagt ist.

Johan berichtet von einer Erdbebenmeldung, die er bekommen hat. Morgens gegen sieben Uhr gab es nur 16 Kilometer von uns entfernt ein Beben der Stärke 4,2. Wir haben alle ein Donnern wahr genommen, das uns zu dieser Zeit geweckt hat. Ansonsten haben wir – zum Glück – nichts mitbekommen. Wir brechen nach dem Morgenkaffee auf – ohne Wind – in Richtung Myrthos Beach. Wir haben diese Bucht von der Landseite bereits im Herbst besucht und waren vom klaren Wasser, seiner überwältigenden Türkisfärbung und dem strahlend weißen Kieselstrand begeistert. Heute wollen wir hier zum Frühstück ankern. Von Asos ist es nicht weit. Wir umfahren die Festungshalbinsel und können von See nochmals die Länge der Festungsmauern bewundern.

Dann nähern wir uns dem Strand, der zu dieser Jahreszeit noch ziemlich verwaist daliegt: keine Strandwache, keine Blechlawinen, keine Bojenkette, die den Schwimmbereich markiert. Wir fahren bis auf 100 Meter an die Küste heran und lassen den Anker mit 30m Kette auf den weißen, sandigen Meeresgrund fallen. Das Wasser ist hier 10m tief und wir können den Anker und die Ankerkette klar erkennen. Es ist windstill und bis auf etwas Schwell ist das Wasser ruhig. Da wir nicht lange bleiben wollen, fahren wir den Anker gar nicht ein. Sein Gewicht zusammen mit dem Kettengewicht hält Venga! bei diesen Bedingungen schon an Ort und Stelle. Nach dem Frühstück geht es mit dem Dinghi kurz an Land – ein paar schöne Fotos wollen wir doch als Erinnerung mitnehmen und auch ein Abstecher in die Höhle am Südende der Bucht lockt. Eine junge Familie warnt vor dem Betreten – uns wird erst im Nachherein klar, dass nach Erdbeben in diesen Höhlen eine deutlich erhöhte Steinschlaggefahr besteht.

Im Anschluss geht es weiter. Wir rechnen mit reiner Motorfahrt und sind überrascht, wenige Minuten nach Verlassen der Bucht segelbaren Wind aus Nord wahrzunehmen. Wir rollen Genua und Groß aus und können bei 5-7 Knoten Wind auf Halbwindkurs mit guten 4 Knoten Fahrt segeln – herrlich!

Leider hat der Spaß nach einer Stunde ein abruptes Ende. Der Wind schläft innerhalb weniger Minuten komplett ein. Enttäuscht rollen wir die Segel ein und starten die Maschine. Isabelle nur eine Viertelmeile hinter uns hat noch gut gefüllte Segel. Keine 5 Minuten später setzt der Wind wieder ein. Nun aus Süd und er frischt sehr schnell auf. Aus anfänglich 7-8 Knoten werden schnell 12-16 und in Böen 20-25 Knoten. Wir haben bei den ersten Anzeichen die Genua wieder ausgerollt und nun ist der Blick auf die beiden Buddyboote richtig verrückt: Beide segeln auf dem gleichen Kurs mit etwa einer halben Meile Abstand. Wir auf Steuerbordbug und Isabelle auf Backbordbug. Je näher wir der von uns angepeilten Landzunge vor der Bucht von Atheras nähern, desto mehr frischt der Wind auf und dreht südwestlicher. Das zwingt uns zum Abfallen. Um zum Ankerplatz zu gelangen, müssen wir nun Kreuzen. In der Mitte der von Felsen eingerahmten Bucht liegt eine Felseninsel. Uns ist es zu heikel, in der schmalen Durchfahrt bei Winddrehern zum Abfallen oder Anluven gezwungen zu werden und versuchen daher vorher, die Genua einzurollen. Es ist viel Druck selbst auf dem flatternden Segel und irgendetwas scheint zu klemmen. Die Rollanlage dreht sich nicht. So fahren wir mit wild flatternder Genua unter Motor weiter in die Bucht und in den Windschatten der Insel. Da schaffen wir es, die Genua zumindest größtenteils einzurollen. Ein Glück, denn es ist nicht ungefährlich bei peitschenden Schoten auf dem Vordeck den Anker zu setzen.

Als Venga! sicher verankert ist, suchen wir nach dem Grund des Problems und finden eine ausgebrochene Rolle, an der die Leine der Rollanlage sich verhakt hatte. Wieder eine Baustelle. Werner baut die Rolle aus, macht Fotos, befragt das Internet und ChatGPT nach Bezugsquellen oder Lösungsmöglichkeiten. Nirgends ist so eine Rolle zu finden und ChatGPT empfiehlt die Kontaktaufnahme zu einer 3D-Druckerei. Da fällt uns natürlich sofort unser finnischer Freund Tim ein, der genau das beruflich macht. Parallel schreibt der Skipper den Hersteller „Sunbeam“ an, um zu erfragen, ob es dort Ersatzrollen gibt und wie diese gewechselt werden können. Erstaunlich schnell erhalten wir Antwort vom technischen Leiter Herrn Ambrosius: „Die gebrochene Rolle hat ein Voreigner eingesetzt, weil die Originalrolle gebrochen war. Ein Tausch der gesamten Rollenanlage ist nicht möglich, da es sich um ein von Sunbeam selbst erstelltes Bauteil handelt, das fest einlaminiert wurde. Die einzige Möglichkeit, das Problem zu beheben sei der erneute 3D-Nachdruck…“

Zum Glück kommt zeitgleich von Tim die Rückmeldung, dass er uns gerne die Rolle nachdrucken kann – DANKE, Tim!!!

Die Nacht war schlecht, der Tag ereignisreich, selbst die Skipperin braucht nun erstmal ein Nachmittagsnickerchen. Im Anschluss gibt es das verdiente Ankerbier mit Johan und abends Resteessen, bevor es zeitig ins Bett geht. Der Wetterbericht sagt für die ganze Nacht und den morgigen Vormittag kräftige Winde aus Südsüdwest vorher. Daher geben wir den Plan auf, die Insel Kefalonia gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Es macht keinen Sinn morgen gegen Wind und Welle anzukämpfen. Der erhoffte Nordwind verzögert sich, soll erst abends einsetzen. Würden wir auf ihn warten, würde es eine Nachttour, denn der Ankerplatz hier ist dann alles andere als sicher. Dazu haben wir aber alle keine Lust und beschließen daher gemeinsam, dass es morgen wieder zurück Richtung Fiskardo geht.

Mittwoch, 22.04.2026 Atheras-Bay – Foki Beach – 14 Seemeilen

Die Nacht war absolut ruhig. Der Wind schlief entgegen der Vorhersage doch ein und es gab keine störende Welle. Nur ein merkwürdig technisch wirkendes monotones Piepen hielt den Skipper zeitweise wach. Aber nachdem er es mittels Unterstützung aus dem Internet und seiner eigenen Erinnerung als den Ruf einer Zwergohreule einordnen konnte, fand er schnell wieder in den Schlaf. Morgens wachen wir erholt auf und sind erstaunt, dass die Windvorhersage wieder deutlich anders aussieht. Nun scheint es so, als würde der südliche Wind schon gegen 11:00 Uhr einschlafen.

Also beschließen wir den schnellen Aufbruch, denn bis zur Nordspitze von Kefalonia sind es knapp 10 Seemeilen und die wollen wir gerne noch segeln. So lichten wir für unsere Verhältnisse früh (9:00 Uhr) den Anker und segeln auf Raumschotkurs aus der Bucht heraus. Vielleicht können wir heute den Genacker setzen? Der Skipper bereitet schon mal alles vor, aber wir warten ab, bis wir aus der Windabdeckung der Bucht herauskommen. Eine gute Idee, wie sich wenig später zeigt, denn außerhalb der Bucht weht der Wind viel östlicher als erwartet. Der scheinbare Wind kommt mit einem Windwinkel von 65 – 75 Grad in die Segel. Das wäre mit dem Genacker grenzwertig. Aber unter Groß und Genua machen wir bei 7-8 Knoten Wind 4,5-5,5 Knoten Fahrt. Das macht Spaß! Johans Isabelle, eine Najad 343 mit gemäßigtem Langkiel und eher kurzem Mast, kommt dabei mit 2,8 Knoten nur im Schneckentempo voran. Dafür punktet sie bei Starkwind. Das Segelverhalten der Isabelle kommt uns so bekannt vor: Unsere heimatliche Vindö „Jento“ ist sehr ähnlich gebaut und getakelt!

Leider hat auch der morgendliche Wetterbericht sich geirrt. Der Wind schläft bereits um 10:00 Uhr ein, die von hinten anrollenden Wellen sorgen schnell für einfallende Segel – wir bleiben stehen. Wir motorsegeln noch eine halbe Stunde. Dann flappen die Segel nur noch und wir rollen sie ein. Der Himmel ist bedeckt und der Blick auf die Westküste Kefalonias daher nur halb so spektakulär wie noch vor zwei Tagen.

Wir umrunden die Nordspitze im eigenen Kielwasser, laufen an Fiskardo vorbei bis in die Foki-Bay. Dort werfen wir den Anker und fahren ihn zur südlichen Küste ein – so haben wir die Sonne im Cockpit, wenn der Himmel aufreißt. Im Anschluss bringt die Skipperin eine Landleine aus und hilft auch Johan mit der ersten Landleine. So schön es ist, auf diese Weise besseren Halt mit dem Anker zu haben und näher am Ufer zu liegen, es ist auch ziemlich viel „Aggewars“ mit den Landleinen. Erst muss die Leine am Dinghi (oder am Fuss der Skipperin) befestigt werden und mit dem Dinghi an Land gebracht werden. Die scharfkantigen Felsen machen das Anlanden und Aussteigen nicht gerade leicht. Dabei gilt es außerdem gleichzeitig die Dinghileine und die Landleine festzuhalten und nicht ins Wasser zu fallen. Zu zweit ist das gut zu schaffen, alleine kaum. Deshalb sind wir Johan gern dabei behilflich, zumindest die erste Leine zu fixieren. Wie erhofft, kommt die Sonne heraus und wir können im Cockpit erstmal frühstücken und uns von den vormittäglichen Strapazen erholen, bevor es zur Fika an Land und zu Fuß nach Fiskardo ins Café geht.

Wir hatten gehofft dort Freunde aus Kalamata anzutreffen, aber sie sind anscheinen gerade ausgelaufen, als wir in der Nachbarbucht mit unserem Ankermanöver beschäftigt waren. Bei unserer Rückkehr nehmen wir schon aus der Ferne ein nerviges Geräusch wahr. Die eine Landleine von Venga!, ein Gurtband, schwingt und peitscht im aufgefrischten Wind und gibt sehr anstrengende Geräusche von sich. Das ist nicht gut für die Nachtruhe! Bevor wir uns diesem Problem jedoch zuwenden, wollen wir erstmal die „Clay Cave“ am Eingang zu Bucht erkunden.

Wir sahen bei der Anfahrt einen Zugang vom Wasser, aber daneben auch einen von Land. Zu diesem wandern wir jetzt. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen Stollenzugang handelt, denn ausgehend von der natürlichen Höhle befinden sich hier eine aufgegebene Kalk Mine. In mehrere Richtungen führen von Mineneingang Gänge ab. Der erste links führt in die eigentliche Höhle, deren Ausmaße im Dunkeln kaum zu ermessen sind. Die Kamera kann da mehr als das menschliche Auge. Selbst die Taschenlampenfunktion der Handys reicht kaum. Aber mit ihrer Hilfe kann man zumindest sehen, wohin man tritt. Von der Decke tropft es und am Boden ist ein Lehmpfad ziemlich gut festgetreten. Dort, wo es permanent von der Decke tropft, haben sich kreisrunde Krater im Lehmboden gebildet. Wir durchstreifen die Höhle und die Stollen und stellen alle fest, wie schnell man hier unten die Orientierung verlieren kann – es ist schnell stockdunkel und aufgrund des Untergrundes und der Feuchtigkeit zudem oftmals rutschig. Ein langer Stollen führt uns tiefer in den Berg hinein und bringt uns in eine weitere Höhle, die eine nahezu perfekte runde Kuppel über uns bildet. Wir bedauern, keine Taschenlampen dabei zu haben. Später lesen wir, dass die Höhle sich bis zu 100m tief in den Berg hinein erstreckt. Der Name der Bucht „Foki“ leitet sich von dem griechisches Word für „Seehund“ ab, da die Gegend als Rückzugsgebiet für diese Tiere (insbesondere die Mönchsrobben) bekannt ist. Die Höhlen dienten während des Zweiten Weltkriegs zur Lagerung deutscher Munition und wurden bis in die 1950er Jahre als Standort für den Abbau von hochwertigem Stuckgestein genutzt. Man kann die Höhle auch mit dem Boot oder schwimmend erreichen und findet dort dann einen kleinen Kieselstrand und das „Labyrinth“ aus Tunneln. Für uns war es ein unerwartetes spannendes Abenteuer!

Im Anschluss beschließen wir, die Landleinen zu den Booten wieder zu lösen. Der Wind steht nun quer zu den Booten und das bringt unnötigen Druck auf Landleinen und Anker. Wir sind die einzigen Boote in der Bucht und sie ist groß genug, dass wir hier frei ankern können. Johann holt seinen Anker auf und setzt ihn tiefer in der Bucht neu. Venga! schwingt um 90 Grad um den gut eingefahrenen Anker herum., So liegen wir nun mit der Nase im Wind und sollten eine ruhige Nacht verbringen können.

Donnerstag, 23.04.2026 Foki-Bay/Kefalonia – Polis-Bay/Ithaka – 3 Seemeilen

Wir haben Kontakt zur Crew der Toujours Belle aufgenommen, die wir alle drei aus Kalamata kennen. Sie liegen fast direkt gegenüber in einer Bucht an der Westküste von Ithaka und wir haben uns für heute zu einem Treffen verabredet. Der Wind soll im Laufe des Tages von Nordwest auf Nordost drehen und dann liegen wir dort geschützter. Es sind nur gut 3 Seemeilen und wir brechen nach dem Morgenkaffee auf. Auch an dieser Bucht gibt es eine Höhle Die Polis Höhle (auch Loizos-Höhle) ist eine bedeutende archäologische Stätte, die vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis zur Römerzeit als Kultstätte diente. Ausgrabungen förderten mykenische Funde und Masken mit Inschriften zutage, die auf eine antike Odysseus-Verehrung hindeuten. Die Höhle war ein Zentrum für Rituale. Der Archäologe Heinrich Schliemann vermutete hier die Höhle, in der Odysseus nach seiner Rückkehr seine Geschenke versteckte. Die Höhle ist beim Erdbeben von 1953 weitgehend eingestürzt, der Zugang verschüttet. Ein Großteil der Funde befindet sich im Archäologischen Museum von Stavros. Es gibt also wieder etwas an Land zu erkunden und da wir sowieso dringend unsere Vorräte im kleinen Supermarkt von Stavros auffüllen wollen (der Kühlschrank war schon lange nicht mehr so leer), macht ein Landgang gleich doppelt Sinn. Nachdem der Anker gut eingefahren ist, gibt es erstmal Frühstück und dann brechen wir mit Johan zusammen auf. Unsere Dinghis lassen wir am Strand und spazieren zum kleinen Fischerhafen mit hübschen, liebevoll gepflegten Fischerbooten. Hier beginnt die Straße, die sich in Serpentinen den Hang hinaufschraubt und am Dorf Stavros endet.

Der Ort liegt 130m über dem Meer. Wir wenden uns direkt dem kleinen Lebensmittelladen „Laertis Farm“ zu, in dem wir gutes frisches Obst und Gemüse zu reellen Preisen bekommen. Außerdem landet noch etwas Käsecreme sowie tiefgefrorene Scampis im Einkaufkorb. Ein paar Schritte weiter liegt ein weiterer kleiner Supermarkt der speziellen Sorte. Die Regale sind höchstens zur Hälfte gefüllt und die Zusammenstellung der angebotenen Waren erschließt sich uns nicht: einzelne Konserven und Trockenproduckte, eine leere Frischetheke, nebeneinander ausgelegte Klopapierpakete, reichlich Putzmittel, verschiedene Chipssorten und ein paar gekühlte Getränke. Das ist so ziemlich alles, was es hier gibt. Bei den Getränken steht Orangensaft, der fehlt uns gerade! Im Anschluss wandern wir zum etwas außerhalb gelegenen Archäologischen Museum, das für 5€ pro Person in einem übersichtlichen Ausstellungsraum die archäologischen Fundstücke des nördlichen Ithakas ausstellt. Die meisten stammen aus der Polis-Höhle und aus der Ausgrabungsstätte „Schule des Homer“, die wir im November besucht haben. Auch wenn es sich um eine recht kleine Ausstellung handelt, so sind wir doch berührt, als wir vor den aus Scherben zusammengesetzten Gefäßen stehen, von denen die Ältesten über 5.000 Jahre alt sind. Viele sehen nach Miniaturen von im Haushalt genutzten Gefäßen aus und waren wohl Grabbeigaben. Das größte Fundstück sind die Überreste eines Eiserenen dreifüßigen Kessels, der aus der Polis-Höhle stammt.

Nachdem wir alles ausführlich betrachtet haben, wandern wir zurück in den Ort. Dort haben wir uns spontan in einem Café mit Karin und Bernd verabredet. Die Wiedersehensfreude ist groß und wir reden munter durcheinander, um uns zu berichten, was seit unserem letzten Treffen so alles passiert ist. Mit den Einkäufen bepackt geht es dann zurück zu den Booten – zum Glück ja nun bergab.

Vor dem Abendessen haben wir alle zu einem Sundowner ins Cockpit der Venga! eingeladen. Bei Aperol, Bier und Ouzo auf Eis vergeht die Zeit wie im Flug. Die Sonne verschwindet hinter dem Höhenzug, Decken werden verteilt und erst nach Einbruch der Dunkelheit brechen alle auf, um nachträglich für eine Grundlage in Form eines Abendessens zu sorgen. Es war ein schöner und fröhlicher Abend!

Freitag, 24.04.2026 Polis-Bay/Ithaka – Chorgota-Beach/Kefalonia

Bis die Sonne über Ithaka hoch genug steht, um erste Sonnenstrahlen auf Venga! zu schicken, ist es bereits nach neun. Die Nacht war ruhig, aber erstaunlich kalt. Die tiefste Nachttemperatur lag bei 11°C und als die Skipperin nach neun als erste aus der Koje krabbelt, zeigt das Thermometer für außen 13 und für innen 14 Grad an. Bis der Kaffee fertig ist, ist auch die Sonne da und dann wird es schnell wärmer. Wir haben es nicht eilig – es liegt wieder nur eine kurze Strecke von knapp 5 Seemeilen vor uns. So nutzt die Skipperin den Vormittag für die nähere Erkundung der Bucht. Am südlichen Ufer sieht es auch nach Höhlen aus und natürlich muss sie auch noch persönlich zur Polis-Höhle. Bei den Höhlen auf der Südseite sieht es nach relativ jungen Felsabbrüchen aus, eine große, noch grüne Pinie liegt schräg auf einem Stück abgerutschten Hangs. Das sieht nicht wirklich sicher aus. Statt hier herumzuklettern, betrachtet sie es nur vom Dinghi. Bei der Polis-Höhle auf der anderen Buchtseite klettert schon Johan neugierig herum, also geht auch die Skipperin an Land. Aber außer eines Hinweisschildes ist nichts zu sehen. Der Höhlenzugang von großen Felsbrocken verschüttet. Man kann zwar bei einigen Ritzen erahnen, dass sich dahinter Hohlräume befinden, aber hineinschauen ist nicht möglich. Also wird die „Expedition“ beendet. Wir starten unter Maschine zu unserem Kurztrip in die nächste Bucht. Unterwegs fällt uns auf dem spiegelglatten Wasser eine Möwe auf, hinter der ein heller Schatten unter der Wasseroberfläche erkennbar ist. Wir nähern uns in einem weiten Bogen. Die Möwe flattert davon, aber der Schatten entpuppt sich als eine riesige Meeresschildkröte, die sich hier von der Sonne wärmen lässt. Auf ihrem Panzer sitzen dicke weiße Seepocken. Wir schalten die Maschine aus, um sie nicht zu stören und in Ruhe schauen zu können. Es ist ein majestätischer Anblick!

Am späten Mittag fällt der Anker in der Chorgota-Beach auf Kefalonia. In dieser Bucht wurden einige der Filmszenen aus dem Film „Collinis Mandoline“ gedreht.

Nach dem Frühstück gehen wir an Land und sehen die aus dem Film bekannten vier Olivenbäume. Im Film gab es hier noch einen Holzsteg, auf dem eine Liebesszene mit den Protagonisten spielte. Der Steg ist nicht mehr da, aber der mächtige, fast waagerecht wachsende Zweig einer Olive überspannt noch immer den Blick auf die Bucht. Wir müssen uns wieder etwas die Beine vertreten und wandern in die nachbarbucht „Agia Sophia“, wo ein auffälliges blaues Haus am Ufer steht und sich uns eine mauzende Katze anschließt.

Den Abend verbringen wir mit Büroarbeit: die Steuerberaterin hat die Steuererklärung vorbereitet und wir finden ein paar fehlerhafte Angaben, der Bericht will fertiggestellt und die Fotoauswahl getroffen werden.

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