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#72 Ursprüngliches Kefalonia – verlassene Dörfer und eine ergreifende Geschichte

Das Erdbeben von 1953, auch als „Großes Ionisches Erdbeben“ bekannt, war die verheerendste Naturkatastrophe in der modernen Geschichte Kefalonias. Es ereignete sich am 12. August 1953 um 11:24 Uhr Ortszeit und bildete den dramatischen Höhepunkt einer zehntägigen Serie heftiger Erdstöße.

Bereits Anfang August versetzten erste Vorbeben die Bevölkerung in Alarmbereitschaft. Das Hauptbeben erreichte eine Stärke von 6,8 bis 7,2 auf der Richterskala und zerstörte nahezu die gesamte Infrastruktur der Insel. Bis auf den nördlich gelegenen Ort Fiskardo wurden fast alle Siedlungen schwer beschädigt oder vollständig zerstört.

Durch die gewaltigen tektonischen Kräfte hob sich die Insel um etwa 60 Zentimeter an – ein geologisches Ereignis, dessen Spuren bis heute sichtbar sind. Noch immer zeugen verlassene und zerstörte Dörfer, eingebettet in die eindrucksvolle Landschaft, von der Tragweite dieser Katastrophe.

Samstag, 25.04.2026 Chorgota-Beach/Kefaloni – Agia Efimia – 5 Seemeilen

Ab Mittag ist mit nördlichen Winden zu rechnen. Auch heute soll es nur fünf Seemeilen weitergehen nach Agia Efimia, einem kleinen Hafen, den wir bereits im November besucht haben. Also haben wir keine Eile und können den Vormittag noch etwas in dieser hübschen Bucht verbummeln. Die Skipperin zieht es an Land zu den beeindruckenden 4 alten Olivenbäumen am Strand, die den Blick über die Bucht im morgendlichen Gegenlicht wunderbar einfassen. Da hat sich der Locationscout des Films „Corellis Mandoline“ wirklich einen ganz besonders schönen Spot ausgesucht!

Gegen Mittag kommt Wind. Wir holen den Anker hoch, und segeln ein paar Meilen weiter Richtung Süden bis in den kleinen Hafen von Agia Efimia. Aus dem Besuch im November wissen wir, dass es dort einen Selfservice Waschsalon und einen AB-Supermarkt gibt. Wir müssen dringend waschen und die Vorräte aufstocken! An der Pier gehen wir längsseits und nehmen Johan mit seiner Isabelle ins Päckchen. Die Schmutzwäsche wird zusammengepackt und auf geht’s zum Waschsalon. Hier kostet die Maschine (beladbar bis 8 Kilo) nur 5 Euro, allerdings gibt es keinen Wechselautomaten. Zum Glück finden wir in den verschiedenen Taschen ausreichend Kleingeld. Während die Maschinen waschen, erledigen wir den ersten Einkauf, bevor wir die gewaschene Wäsche wieder zurück schleppen. Venga! wird als Wäschespinne missbraucht – entlang der Reling und an der Genuaschot werden kleine und große Wäschestücke zum Trocknen aufgehängt. Wind und Sonne beginnen sofort mit der Arbeit und schon nach zwei Stunden ist das meiste knitterfrei getrocknet – herrlich. Und was gibt es schöneres, als abends ins frisch bezogene Bett zu krabbeln?!?

Sonntag, 26.04.2026 – Agia Efimia – Hafentag

Die Nacht war ruhig, der Morgen mit 11 Grad wieder ziemlich kalt. Johan kam gestern mit einem Wandervorschlag, den wir gern annehmen, auch wenn wir einen Teil der Tour schon kennen. Wir schlagen lediglich eine kleine Abwandlung vor, weil der Endpunkt, das Kloster Themata, zumindest im November eine Enttäuschung war. Wir sahen aber Ruinen aus der Ferne, die wir gerne diesmal näher erkunden wollen. Der Weg führt erst durch das fruchtbare Tal bei Agia Efimia, vorbei an unzähligen Gewürz-Lorbeer- und Olivenbäumen, dann hinauf zum teilweise verlassenen Dorf Drakapoulata. Unterwegs sehen wir eine (zum Glück) tote Schlange mit einer geschätzten Länge von 120 bis 150 cm. Natürlich googeln wir gleich, um was für eine Schlange es sich handeln könnte. Die unterschiedlichen KIs spuken verschiedene Ergebnisse aus. Während Johan eine Montpellier Snake identifiziert, finden wir den Hinweis auf eine Östliche Eidechsennatter. Die Farbgebung und Verbreitungsgebiete stimmen dabei genauso überein, wie die Aussagen zu Ernährung, Lebensraum und Giftigkeit. Es handelt sich bei beiden um eine Trugnatter, deren Giftzähne sich im hinteren Rachenraum befinden. Ein Biss ist für Menschen ungefährlich, kann aber unangenehm sein. Dieses Exemplar ist absolut ungefährlich, da bereits tot.

Nun geht es wieder steil bergan, erst durch das Dorf Drakapoulata, in dem neben vielen verfallenen Häusern auch ein paar hübsch Hergerichtete stehen. Das verheerende Erdbeben von 1953 hat hier auf Kefalonia fast alle Dörfer zerstört. Die Eigentumsverhältnisse in diesen verlassenen Dörfern können sehr komplex sein. In den meisten Fällen gehören die Häuser noch heute den Nachkommen der damaligen Bewohner. Das Erdbeben hat aber nicht nur die Häuser zerstört, sondern manchmal auch das Gefüge des ganzen Dorfes verschoben. Wo beginnt und wo endet der Besitz und sind die Nachkommen überhaupt bekannt? 145.000 Menschen wurden auf einen Schlag obdachlos. Die meisten verließen die Insel, nur ca. 20.000 Menschen blieben und begannen mit dem Wiederaufbau. Die Architektur der Insel veränderte sich – es wurde „erdbebensicher“ gebaut und das veränderte das Gesicht der Insel. In diesem Dorf sieht es bei einigen Ruinen danach aus, als kümmere sich jemand zumindest um die Pflanzen: Prächtige Rosen gedeihen neben einem Weinstock. Hier gibt es auch eine Wasserversorgung, was sicherlich daran liegt, dass dieses Dorf auch heute zu den gut Erreichbaren zählt.

Oberhalb des Dorfes führt ein markierter Pfad durch schattenspendende Steineichen und Olivenbäume. Wir kommen an einer Zisterne und dem alten Dreschplatz vorbei. Um uns herum summen die Bienen im blühenden Klee, Vögle singen, wir hören den Ruf der Zwergohreule aus dem Baum neben uns und können sie trotzdem nicht finden. Zu gut hat sie sich im Geäst versteckt. Hinter den Ruinen einer Kirche machen wir Rast und genießen das mitgebrachte Picknick, bevor es weitergeht auf den Gipfel oberhalb unseres Hafens. Aus über 400m Höhe schauen wir auf unsere winzig wirkenden Boote hinab – ein bisschen wie aus der Vogelperspektive.

Einen direkten Weg zurück finden wir nicht und so nutzen wir die Gelegenheit, hier oben noch ein weiteres verlassenes Dorf zu erkunden: Tarkasata. Es liegt auf den Ausläufern des Agia Dynati, in 415m Höhe und bietet einen fantastischen Blick über das Meer bis nach Ithaka. Die Lage wurde um 1800 so gewählt, dass es sich im dichten Eichenwald vor den Piraten verbarg, aber trotzdem den Überblick über die Sami-Bucht und die einfahrenden Schiffe erlaubte. Nur vereinzelt stehen noch die Außenmauern von Häusern. Das gesamte Dorfgebiet ist übersät von Steinen. Aber auch die Landschaft rundherum ist von Steinen geprägt, was dem Dorf den Beinamen „Dorf der Steine“ eingebracht hat. Aber immer wieder springen uns Strukturen ins Auge: ein Torbogen, eine Wand mit Fenster, ein Mühlstein, der Grundstein einer Olivenpresse, ein Dreschplatz und ein Brunnen. Die Ruhe hier oben ist unbeschreiblich, Zivilisationsgeräusche finden selten den Weg hierher. Später lesen wir, dass es sehr wohl einen direkten Weg von Agia Efimia zum verlassenen Dorf gibt und die Skipperin lässt ihn sich am nächsten Morgen von einem Ziegenhirten erklären. Bei unserem nächsten Besuch werden wir ihn erkunden.

Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2911446944

Abends gönnen wir uns nach einer ausgiebigen Cockpitrast ein leckeres Abendessen in einer der Tavernen am Pier. Der Wind weht erstaunlich kräftig und lässt es schnell kalt werden, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Montag, 27.04.2026 Agia Efimia – Sami – 4 Seemeilen

Heute verholen wir nach Sami. Mal wieder unter Maschine, denn Wind gibt es frühestens am späten Nachmittag. Wir wollen aber gern frühzeitig in Sami ankommen, um möglichst den Längsseitsplatz am Wasserhahn zu ergattern, denn wir brauchen mal wieder Frischwasser. Von unserem letzten Besuch wissen wir, dass selbst außerhalb der Saison, ein Wasserhahn funktioniert. Unser Plan geht auf, beide Boote können längsseits der Pier in Wasserhahnnähe festmachen. Der Wasserdruck ist zwar sehr gering, aber das stetige Plätschern füllt unseren Tank in ca. 90 Minuten. Danach ist Johan dran. Wir starten derweil auf eine Wanderung, die die Skipperin mittels Komoot schnell mal geplant hat: Es geht auf den Hügel Kyatis mit ca. 320 Höhenmetern. Es ist warm und sonnig und wir fragen uns, ob das zu ambitioniert ist… Aber der Aufstieg über einen kleinen Pfad führt komplett durch einen Eichenwald im Schatten. Durch die Blätter bescheint die Sonne nur stellenweise den Waldboden und setzt hin- und wieder einzelne Blumen oder Blätter in ein Spotlight – sehr hübsch!

Am Ende des Pfades wartet die erste Überraschung auf uns, die Ruinen der alte Klosteranlage St. Fanentes. Es handelte sich dabei um ein befestigtes orthodoxes Kloster, das im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Aufgrund der exponierten Lage und der Gefahr durch Piraten wurde das Kloster als Festung ausgebaut. Dabei wurden Teile der massiven antiken kyklopischen Mauern der Akropolis direkt in die Klosterbefestigung integriert. Im 17. Jahrhundert war es ein spirituelles Zentrum mit Priesterschule, wurde unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert geschlossen und beim Erdbeben 1953 weitgehend zerstört. Wir entnehmen einer Tafel, das von 2014 bis 2020 Mittel der EU in die Restaurierung geflossen sind, die allerdings anscheinend nicht abgeschlossen wurden, denn es sieht nach lange verlassener Baustelle aus. Rund um das Kloster stehen teilweise sehr alte Olivenbäume, die zur Zeit von einem blühenden Teppich umgeben sind.

Ab hier folgen wir einer geteerten Straße, die uns mit wenig Steigung oder Gefälle nahe an den Hügel mit der Akropolis heranbringt. Schon von Weitem erkennen wir eine Zyklopenmauer. Von der Straße führt ein Pfad hinauf zu einem der ehemaligen Eingangstore der antiken Akropolis von Sami. Von ihr ist nicht mehr viel erhalten, aber wir lesen später, dass sie in mykenischer Zeit zwischen 1600 und 1100 v. Chr. entstand. Sie umfasste auch den Bereich des eben gesehenen Klosters und war eine der vier Stadtstaaten auf Kefalonia und hatte seine Blütezeit bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Im Jahr 189 v. Chr. leistete dieser unabhängige Stadtstaat erbitterten Widerstand gegen die Römer. Auf einem Pfad kann man den Hügel umrunden und den Blick über die Bucht von Sami, den Hafen aber auch Richtung Ithaka und nach Süden auf das offene Mittelmeer schweifen lassen.

Wir folgen der Teerstraße und können im Eichenwald neben der Straße weitere Gebäudestrukturen ausmachen, die wahrscheinlich ebenfalls zur Festungsanlage gehörten. Nun geht es steil bergab, bis wir wiederum nach einem kurzen Anstieg das Kloster Agrilia oberhalb der hübschen Bucht Antisamos erreichen. Neben der modernen kreuzförmigen Kapelle steht ein verfallener Glockenturm, dessen verbliebene drei Säulen wir schon vom Meer aus gesehen haben. Ihn umgibt ein Plateau mit schattenspendenden Olivenbäumen und atemberaubendem Ausblick – ein idealer Ort für einen stillen Sundowner.

Nun sind es noch gut 3 Kilometer bis zum Ausgangspunkt und unsere Füße haben eigentlich keine Lust mehr. Aber insgesamt hat uns diese Wanderung total überrascht. Wir hatten keine Ahnung von Samis Geschichte und außer etwas körperlicher Ertüchtigung nicht viel erwartet. Um so schöner nun diese abwechslungsreichen Eindrücke!

Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2914418685

Dienstag, 28.04.2026 Sami – Hafentag

Die Skipperin hat in den Komootkarten einen Wanderweg entlang der Küste von der Antisamos-Bucht bis nach Poros gefunden, die sie gern machen möchte. 20 Kilometer eine Richtung – das geht nur mit einem Bus zum Ausgangspunkt. Die Herren sind nicht so motiviert und freuen sich daher über die Nachricht, dass es keinen Bus gibt! Aber wandern wollen wir alle drei und die Skipperin würde gern nochmal die Flussroute machen, die an ihrem Geburtstag ziemlich verregnet endete. Aber es soll eine Rundwanderung sein und auch etwas Höhenmeter beinhalten wegen der Ausblicke. Auf der Karte finden wir Hinweise auf Sehenswertes am Wegesrand und so starten wir erstmal mit den Rädern zum Ausgangspunkt unterhalb des Dorfes Grizata.

Über Wirtschaftswege geht es aufwärts, bis wir auf einen markierten Weg von Sami über das verlassene Dorf Zervata bis zum zerstörten Dorf Mouzakata stoßen. Ihm folgen wir über mehrere Kilometer, durchstreifen den verlassenen Ort Zervata und erreichen zur Mittagszeit den Ort Mouzakata mit seiner traurigen Geschichte: Auf Kefalonia verübte die deutsche Wehrmacht im September 1943 ein verheerendes Massaker an italienischen Soldaten, das als Massaker von Kefalonia bekannt wurde. Während die Hauptmassaker auf italienische Kriegsgefangene abzielten, wurden im Rahmen der deutschen Besatzung (1943–1944) zahlreiche Dörfer auf der Insel, darunter auch Siedlungen in der Nähe der Kämpfe wie Mouzakata, von Vergeltungsaktionen heimgesucht, die Bewohner getötet und die Dörfer zerstört. Ein Denkmal erinnert an dieses Grauen und da der Jahrestag erst vor wenigen Tagen war, ist es mit Blumen geschmückt. In etwas gedrückter Stimmung suchen wir uns hier einen Platz für unser Picknick, durchstreifen auch diese Ruinen, die eine ganz andere Geschichte erzählen und wenden uns schließlich dem Pfad zu, der uns hinunter ins Tal und zum Fluss bringen soll.

Auch dieser Pfad gehört zu dem Netz an alten Verbindungswegen zwischen den Dörfern, die heute oft als Wanderwege markiert sind. Es geht recht steil, dafür aber schattig abwärts. Auf Komoot gibt es diesen Weg nicht, aber wir hatten ihn gestern auf einer der Wanderkarten am Wegesrand entdeckt. Bevor wir die Straße im Tal erreichen, hören wir wildes Glockengeläut. Eine Schafherde trifft auf wenig verständnisvolle Autofahrer und sieht sich dann, als der rettende Ausweg von der Straße erreicht ist, uns drei Wanderern gegenüber. Der Schäfer bittet uns stehen zu bleiben und begrüßt uns sogleich mit Handschlag. Wir kommen kurz ins Gespräch, bevor er sich wieder um seine nun flüchtenden Schafe kümmern muss. Nur kurz müssen wir der Landstraße folgen, dann zweigt ein Weg zum Fliss ab und schon bald hören wir sein Gurgeln. Wir folgen ihm über unmarkierte Trampelpfade bis zu einer alten Steinbrücke, an der wir ausgiebig rasten, die Füße ins kühle Nass hängen und die Seele baumeln lassen – herrlich und viel schöner als im November! Entlang des Flusslaufes gab es frühere mehrere Wassermühlen zum Getreide mahlen. Dazu wurde das Wasser über einen Wasserkanal oberhalb des Flusslaufes geführt und dann kontrolliert den Mühlen zugeleitet. Eine dieser Ruinen steht an unserem Rastplatz an der alten Steinbrücke.

Nach ausgiebiger Pause sind wir bereit für die letzten 3,5 Kilometer. Erst entlang des Flusses und später nochmals kurz mit Anstieg zu den Fahrrädern, die uns dann schnell abwärts zu den Booten zurücktragen.

Nachmittags kommt Wind auf und bringt einiges an Schwell in den Hafen. Die Boote tanzen ziemlich und die Fender werden gefordert. Zum Glück beruhigt es sich abends wieder, sodass einer ruhigen Nacht nichts im Wege steht.

Mittwoch, 29.04.2026 Sami – Hafentag

Morgens um neun holt Werner unseren Leihwagen ab. Zusammen mit Johan starten wir in Richtung Argostoli, wo wir etwas durch den Ort schlendern, ein kleines Frühstück in einem Hafencafé genießen und Johan ein paar Geosites auf der Argostoli-Halbinsel zeigen, bevor wir zum Flugzeug fahren, um Candy abzuholen.

Das Flugzeug fliegt pünktlich um 13 Uhr ein – noch ist hier wenig Flugverkehr. Am heutigen Tag sollen noch 3 weitere Maschinen landen. Entsprechend übersichtlich ist die Anzahl an Menschen auf dem Flughafen. Er wirkt noch recht ausgestorben. Da Candy Aufgabegepäck hat, müssen wir uns noch etwas gedulden, bis auch sie durch das Ankunftstor kommt. Die Wiedersehensfreude ist groß! Wir stauen die Koffer im Kofferraum und fahren dann zur Festungsanlage St. Georg, wo wir erstmal ein Getränk und einen Snack genießen und die wichtigsten Neuigkeiten austauschen.

Das soll sich wenig später als Fehler herausstellen, denn als wir im Anschluss in die Festung möchten, erfahren wir, dass sie in 20 Minuten schließt. Das ist uns zu wenig Zeit für eine Besichtigung. Also kehren wir um und gehen bei Lidl einkaufen. Nun wissen wir, wieviel Platz noch im Auto ist und packen es ziemlich voll. Werner chauffiert uns über die Berge auf hübscher Nebenstrecke zurück nach Sami.

Donnerstag, 30.04.2026 Sami – Hafentag

Wir haben uns zu einem gemeinsamen Ausflug mit dem Leihwagen verabredet, um Candy ein bisschen die schöne Insel Kefalonia zu zeigen und selbst Orte zu entdecken, die wir noch nicht kennen. Wir starten beim Melissani Höhlensee. Dabei handelt es sich um einen See in einer Höhle in der Nähe von Sami, dessen Decke schon vor 5.000 Jahren eingestürzt ist. Die Höhle wird kräftig touristisch vermarktet, aber wir wollen sie uns trotzdem ansehen. Durch einen langen Tunnel geht es abwärts bis zum Höhlensee, wo wir auf ein Ruderboot steigen und von einem griechischen „Gondoliere“ über den See gerudert werden. Er stimmt für uns sogar kurz „oh sole mio“ an… Die Höhle ist 160m lang, 45 Meter hoch und 36m tief. Man hat in der Höhle eine Tafel aus dem 3. Jahrhundert v.Chr, mit dem ältesten erhaltenen Beleg des Wortes „Nymphomanie“ gefunden. Das Wasser ist dunkelblau bis türkisfarben. Bereits seit den 1960er Jahren wir die Höhle touristisch genutzt. Damals entstand der Tunnel zum Höhlensee. Die Fahrt dauert nur 20 Minuten und so haben wir Zeit, im Anschluss weitere (kostenfreie) Höhlen in der näheren Umgebung zu erkunden, die uns neben Schwindelfreiheit auch Kletterfähigkeit abverlangen.

Wir parken das Auto neben der Zervati Höhle, die versteckt hinter Zaun und Krüppeleichen ca. 15m unter der Erdoberfläche liegt. Auch hier ist die Decke der Höhle eingestürzt und hat zwei „Halbhöhlen“ mit klarem blauen Wasser geschaffen. Die Reflexionen der Tropfen auf der Wasseroberfläche sind fast magisch.

Am Ufer schauen wir kurz am Karavomilos-See vorbei. Hierbei handelt es sich um einen Brackwassersee, an dem das 45 Kilometer lange Fluss-Höhlensystem unter der Insel Kefalonia wieder zu Tage tritt. In wissenschaftlichen Untersuchungen mit Farbpartikeln im Wasser hat man festgestellt, dass die Sinkholes bei Argostoli mit diesem See bei Sami verbunden sind. Das in Argostoli eingefärbte Wasser kam nach 10 Tagen hier wieder ans Tageslicht.

Weiter geht es zur Agio Theodoroi Cave, in die wir aus schwindelerregender Höhe hinabschauen können. In den Steilwänden sehen wir Metallringe – hier scheinen Kletterer sich auszutoben. Nur 4 Minuten zu Fuß geht es weiter, dann erreichen wir die Kanoni Cave, zu der wir über einen Schuttkegel viele Meter in die Tiefe hinabsteigen. Auf den letzten Metern verlässt uns der Mut. Hier kann man sich an einem Seil noch ein Paar Meter weiter in die Tiefe hangeln und dann vielleicht mit Lampe bewaffnet die Erkundung der Höhle starten. Hier unten ist es richtig frisch, aber beim anstrengenden Aufstieg wird uns wieder warm.

Nun reicht es uns erstmal mit Höhlen und wir beschließen zum Mittagspicknick zum verlassenen Dorf Vlachada zu fahren. Auch dieses Dorf wurde beim Erdbeben 1953 zerstört und beherbergte früher bis zu 800 Personen. Wir durchstreifen die Gassen und einzelnen Anwesen, die hier zumindest teilweise noch gut zu erkennen sind. Die Gebäude spiegeln den eptanissischen Stil wider, eine Mischung aus traditioneller und venezianischer Bauweise. Neben alten Fassaden entdecken wir Brunnen und Steinöfen. Etwas abseits finden wir einen mit bunten Stoffstreifen geschmückten Baum – ein Überbleibsel des jährlichen Saristra Festivals, das mit Musik, Street Food, Filmvorführungen, Theaterworkshops und Kunstinstallationen das Dorf zum Leben erweckt.

Unser nächstes Ziel heißt Myrthos Beach. Der eingezeichnete Weg über die Berge stellt sich allerdings als sehr schlechte Schotterpiste heraus, also kehren wir um und fahren brav über Teerstraßen. Oberhalb der Bucht biegen wir in eine schmale und in Teilen sehr ausgesetzte Straße ein – für Johan ist das gar nichts, er wechselt lieber vom Beifahrersitz auf die Rückbank. Wir kennen den Blick von oben auf die Bucht zwar schon, aber es ist immer wieder atemberaubend.Auch heute wanden wir bis zu Höhle am südlichen Ende der Bucht und stutzen, denn statt der vom Meer rundgeschliffenen weißen Steine, liegen hier kantige Brocken, die mit einer dünnen Schicht rötlichem Staub bedeckt sind. Wir schlüpfen für die obligatorischen Fotos in die Höhle, aber schnell wieder heraus. Kaum haben wir uns ein paar Meter entfernt, kullern einige Steine hinter uns die Steilwand hinunter und springen über den Strand – das ist gerade nochmal gutgegangen.

Im oberhalb der Bucht gelegenen Dorf legen wir eine Getränkepause ein, ehe es weitergeht nach Assos, wo wir Candy die Festungsanlage zeigen wollen.

Als wir zu den Booten zurückkommen, steht ein Nordwestwind mit Welle in den Hafen und die Boote zerren an ihren Festmachern und bringen die Fender zum Quietschen. Wir bringen ein paar zusätzliche Leinen aus, bevor Candy uns zum krönenden Abschluss des Tages zu einem leckeren Essen einlädt, das mit einem letzten Getränk (zu viel) auf Venga! endet.

Freitag, 01.05.2026 Sami – Hafentag

Heute ist auch hier ein Feiertag, wobei es zumindest in den Dörfern weniger um den Tag der Arbeit als vielmehr um die Begrüßung des Frühlings, der Erneuerung der Natur geht. Traditionell werden geflochtene Blumenkränze an die Türen gehängt und die Familien fahren zum Picknick in die Natur. Man sagte uns, dass alles geschlossen haben würde, aber als wir morgens durch Sami fahren, haben viele Geschäfte geöffnet. Wir wollen Johan und Candy heute mit dem Auto die Sehenswürdigkeiten oberhalb von Sami zeigen, die wir vor ein paar Tagen zu Fuß erkundet haben. Beim Kloster Agrilia sind Vorbereitungsarbeiten für Festlichkeiten in vollem Gange. Aus den Lautsprechern ertönen Gebete aus einer Messe im Kloster und auf der großen Freifläche warten Stühle und Tische darauf zu langen Tafeln aufgebaut zu werden, die Grills werden angezündet und Gemüse geputzt und geschnippelt. Wir dürfen trotzdem einmal über das Plateau schlendern und die Aussicht nach Süden genießen. Der Ostwind kommt hier ungebremst an und er ist fast so kalt, wie an der Ostsee.

Weiter geht es zur Akropolis und zu den Ruinen des Festungskloster St. Fanentes samt Kapelle Agios Nicolaos. Wir bestaunen die mächtigen Olivenbäume, deren Wurzel auf wundersame Weise um die Felsen herumwachsen und jede noch so kleine Felsspalte zu nutzen wissen, um dem Baum Halt und Nahrung zu geben.

Nach zwei Stunden sind wir fertig und fahren zurück Richtung Sami. Nun kommen uns viele Autos entgegen. Alle wollen zu den Festlichkeiten beim Kloster Agrilia – wir wollen zur Drogarati-Höhle, einer Tropsteinhöhle mit beeindruckenden Stalagmiten und Stalagtiten, in deren Innern wegen ihrer guten Akkustik regelmäßig Konzerte stattfinden. Die Hauptkammer misst ca. 65m im Durchmesser und hat eine Höhe von 45m. In der Mitte thront eine Art Balkon, von dem man einen schönen Blick in die Höhle werfen kann. Die Größe kommt auf Fotos allerdings nur dann herüber, wenn man eine Person zum Größenvergleich platziert. Wir sind von den mächtigen Stalaktiten fasziniert, freuen uns aber auch, als wir zurück auf der Oberfläche ein Getränk in der Sonne zu uns nehmen können, um wieder aufzutauen!

Weiter geht es nun Richtung Argostoli. Unterwegs legen wir einen Stopp bei der St. Barbara Kapelle ein. Dabei handelt es sich um eine kleine Kirche, die in einer engen Schlucht über einen Bachlauf direkt an die Felswand gebaut wurde. Schade nur, dass oberhalb der Kirche über eine alte Brücke der gesamte Schwerlast- und Busverkehr geleitet wird. Das macht eine ruhige Einkehr hier unten eigentlich unmöglich. Beeindruckend ist hier die Sammlung von Weihrauchgefäßen.

Bevor wir in die „Hauptstadt“ abbiegen, versuchen wir unser Glück erneut bei der St. Georgs-Festungsanlage. Die Höhle hatte trotz Feiertag geöffnet, also hoffentlich auch die Festungsanlage. Die Menge der vor der Festung parkenden Autos lässt uns hoffen, aber nein – wieder geschlossen. Also machen wir nur ein Fotos von außen, stellen Ähnlichkeiten mit der Festungsanlage von Korfu fest und beschließen, dass wir schon genug alte Steine gesehen haben.

In Argostoli parken wir am Hafen und spazieren entlang der Kaikante, wo die Chance auf Sichtung von Meeresschildkröten recht groß sein soll. Schnell fällt uns ein Paar auf, die starr auf die Wasseroberfläche starren und tatsächlich, auch wir machen zwei große und eine kleine Schildkröte aus. Eine der großen Schildkröten begleitet uns sogar majestätisch schwimmend entlang des Kais und steckt hin und wieder den kindskopfgroßen Kopf mit einem lauten Schnaufen aus dem Wasser. Ihnen hier so nahe kommen zu können, ohne das sie sich von uns gestört zu fühlen scheinen ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Zur Fika kehren wir im Catain’s Table ein und lassen uns Brownie mit Eis schmecken, bevor wir zur anderen Hafenseite in die verfallende EU-Marina fahren, um Karin und Bernd einen Besuch abzustatten.

Zurück in Sami wird der Leihwagen noch genutzt, um Reservekanister mit Diesel und Wasser in großen Flaschen zu besorgen. Der Ostwind schiebt irgendwie doch einigen Schwell in den Hafen. Die Fender quitschen, Venga! zerrt an den Leinen, die Fender werden zwischen Rumpf und Kaimauer eingeklemmt und reißen an den Fenderleinen an der Reling. Manchmal entstehen sehr merkwürdige knarrende Geräusche… Hoffentlich können wir dabei schlafen!

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