Bereits vor einigen Tagen haben wir uns einen Riss in der Genua eingehandelt und wollen das Segel in Lefkada zur Segelmacherei unseres Vertrauens (Waypoint) bringen. Bei der Gelegenheit versuchen wir noch ein paar andere Bootsarbeiten anzustoßen (Teakdeck-Reparatur und Installation des neuen Radar). Nachdem wir das Wochenende ganz entspannt auf Meganisi verbringen, beginnt die Woche mit einem „schwarzen Montag“, gekonntem „mcgyvern“ und erzwungenen, aber wundervollen Tagen im Ambrakischen Golf.
Samstag, 09.05.2026 – Meganisi/Atherinos Bay – „Hafentag“
Der Wind hat sich nachts beruhigt und am heutigen Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Candy fragt nach den Tagesplänen und wir beschließen, einen Spaziergang nach Vathy zu machen und dort ggf. auch unsere Vorräte etwas zu ergänzen. Johan passt derweil auf die Boote auf. Der Hinweg führt uns entlang der kleinen Straßen mit schönen Ausblicken über das Meer, auch wenn es heute sehr diesig und leicht bedeckt ist. In Vathy führt uns der erste Weg zum uns nun schon gut bekannten Bäcker, wo wir Brot, Blätterteiggebäck mit Spinat und Käsecreme sowie Kekse für die Fika einkaufen. Dann suchen wir uns einen schönen Tisch am Hafenplatz für ein Getränk, bummeln am Hafen entlang und kaufen frisches Gemüse im kleinen Supermarkt. Mit nun etwas schweren Rucksäcken geht es zurück – natürlich hat die Skipperin eine Rundwanderung erstellt! Der Rückweg führt uns oberhalb des Hafens Richtung K. Anfangs über gut geh baren Feldweg, der aber zum Ende hin mehr und mehr im Dickicht verschwindet. Für die letzten Meter wäre eine Machete hilfreich gewesen. Wir ziehen uns alle ein paar Schrammen an Armen und Beinen von den stacheligen Büschen zu. Der Aufstieg ins kleine Dorf Katomeri ist kurz, aber steil. Am Ortseingang lockt uns eine alte Griechin in ihr Haus, um uns ihre Handarbeiten zu präsentieren und zu verkaufen. Wir sind nicht abgeneigt, eine kleine Tischdecke oder eine kleine Umhängetasche zu kaufen, aber als sie für die kleinste Tasche 20€ verlangt, ziehen wir uns freundlich dankend zurück.




Der Ort wirkt noch sehr ursprünglich mit seinen engen Gassen und einfachen Häusern, aber am Ortsrand zeigt sich, dass gut betuchte Menschen hier bereits in Immobilien mit Ausblick investiert haben. Wie auf ganz Meganisi sieht man auch hier Ferienhäuser des gehobenen Individualtourismus entstehen.


Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2942943700
Zurück an Bord ist es Zeit für eine Abkühlung. Die Wassertemperatur hat 20 Grad erreicht! Da ist sogar Johan bereit, ins Wasser zu gehen (im kurzen Neo), um seinen Propeller von Wildwuchs zu befreien.




Zum Abendessen erwarten wir die Crew der Isabelle zu einer „Piratenpfanne“ bestehend aus Zwiebeln, griechischer Bratwurst (in Scheiben); Paprika, Mais und Kartoffeln. Dazu gibt es Tzatziki oder pikante Schafkäsecreme. Der Abend ist so mild, dass wir entspannt noch bis weit nach Sonnenuntergang im Cockpit sitzen können.
Sonntag, 10.05.2026 – Meganisi/Atherinos Bay – „Hafentag“
Die Skipperin wird zum Sonnenaufgang wach und kann so die magische Morgenstimmung auf dem Ententeich im Bild einfangen. In eine Decke gewickelt lässt sich das langsame Erwachen im Ankerfeld und die Rückkehr der schon früh ausgefahrenen Fischer wunderbar beobachten. Dann wird sogar noch der Kaffee serviert – was braucht man mehr zum Glück?




Heute ist auch Johan bei unserer Wanderung wieder dabei. Leider hat es sich kurz nach dem Sonnenaufgang wieder bezogen. Entlang des kleinen Küstenstraße umwandern wir die Nordöstliche Halbinsel Meganisis. Am kleinen Strand der … Bay biegen wir ins Inselinnere nach Katomeri ab, wo wir (Werner verzichtet) uns im kleinen Cafe einen Cappuccino gönnen. Dazu bekommen wir ein Glas Wasser und ein Gebäckstück geliefert. Für alles zusammen zahlt die Skipperin am Ende 9€ – einen wirklich griechischen Preis und keine Touristenabzocke. Meganisi, die uns mit seiner Natur und relativen Sauberkeit, den schönen Buchten und kleinen Orten sowieso schon für sich eingenommen hat, bekommt einen weiteren Stern! Heute sparen wir uns den Abstecher nach Vathy und wenden uns der nördlichen Halbinsel zu, um die sich ebenfalls die kleine Küstenstraße windet. Hier wird auch heute am Sonntag an mehreren Häusern gebaut. Leider beginnt es zu Nieseln und so beschließen wir, den letzten Zipfel der Halbinsel abzukürzen und das mitgenommene Picknick lieber an Bord unter dem Bimini einzunehmen.








Hier geht’s zur Wanderung: https://www.komoot.com/de-de/tour/2945644907
Am Nachmittag kommt die Sonne heraus und nach einem kleinen Mittagsnapp ruft das Meer erneut ganz laut nach uns. Später läuft die Toujours Belle mit den österreichischen Freunden Karin und Bernd in die Bucht. Wir verabreden uns für ein gemeinsames Abendessen zu sechst in einem hoch über der Bucht gelegenen Restaurant. Die Aussicht ist wunderbar und das Essen köstlich (wenn auch nicht günstig). Als der Wind auffrischt und es kühler wird, brechen wir auf. Leider steht der Wind nun wieder in die Bucht und der Skipper muss sich ordentlich ins Zeug legen, um das Dinghi gegen Wind und Welle zu paddeln. Wir machen noch einen Abschiedsstopp bei der Toujours Belle, denn morgen werden sich unsere Wege voraussichtlich für lange Zeit trennen. Zurück an Bord, hängen wir zur Sicherheit ein paar Fender raus – unser Nachbar an backbord kommt uns manchmal etwas zu nahe. Wir haben uns zwar gegenseitig die Länge der ausgebrachten Kette mitgeteilt und sind beide überzeugt, dass der jeweilige Anker gut sitzt, aber sicher ist sicher…





Montag, 11.05.2026 – Meganisi/Atherinos Bay – Lefkada Stadt – 12 Seemeilen
Obwohl es auch nachts noch ganz kräftige Böen gab, liegt morgens wieder ein Ententeich vor uns. Nach dem Morgenkaffee klaren wir Venga! auf und machen sie seefest (Wäsche abnehmen, Dinghi hochholen, Fender verstauen). Dann holen wir den Anker hoch und drehen noch eine kurze Abschiedsrunde zu den befreundeten Crews. Die Isabelle planen wir zwar nochmals zu treffen, aber auch das ist beim Segeln ja nie sicher. Dann geht es unter Maschine in Richtung Norden mit dem Ziel Lefkada Stadt. Wir wollen an einem der Pantoons von Ionion Sailing festmachen, an denen unter der Woche meist Platz ist. Der Skipper versucht uns anzumelden, aber bekommt die Auskunft, wir könnten einfach auf freien Plätzen festmachen. Das Meer liegt wie ein Spiegel vor uns, kein Lüftchen rührt sich. Schon nach wenigen Meilen hören wir ein singend quietschendes Geräusch aus dem Maschinenraum. Wir haben es schon einige Male, aber immer nur kurz wahrgenommen. Jetzt bleibt es penetrant. Der Skipper macht sich auf Ursachensuche und stellt fest, dass es von der Welle bzw. der Stopfbuchse kommt, einer Gummimanschette, die den Durchgang durch den Rumpf zur Propellerwelle abdichtet. Beim Versuch, die Manschette etwas zu lösen, verbrennt er sich fast die Finger. Sie ist viel zu heiß. Freund Google nennt eine Temperatur von Wassertemperatur plus 15 Grad als.Maximalwert. Unsere liegt bei ca. 60 Grad. Wir drosseln die Drehzahl und beobachten weiter. Der langsam aufkommende Wind weht uns direkt auf die Nase, als wir in den Kanal von Lefkada einfahren. An Segeln ist hier gar nicht zu denken. Mit am Ende nur noch um die drei Knoten Fahrt schleichen wir dem Hafen etwas angespannt entgegen.


Wie uns geraten wurde, steuern wir den ersten freien Platz an. Kaum sind wir fast an der Pier, ruft ein Marinero: „Nicht weiter, bitte!“ Also wieder raus und drei Pontoons weiter. Dort stehen wir erneut fast sauber in der Box, als der nächste Marinero kommt und uns zu verstehen gibt, dass hier in Kürze ein anderes Boot erwartet wird. Also wieder raus. In der dritten Box klappt es dann, allerdings auch nur gerade so, denn beim letzten Einsatz des Bugstrahlruders, versagt es seinen Dienst.
Bei jedem Anlegeversuch müssen wir in den engen Gassen erneut rangieren und rückwärts in die Box einparken. Dabei kommt unser Bugstrahlruder fleißig zum Einsatz. Zur Erklärung: Ein Bugstrahlruder ist ein seitlich wirkender Propeller im Bug unterhalb der Wasserlinie, der das Manövrieren sowie das An- und Ablegen erheblich erleichtert.
Nach dem Anlegen testet der Skipper das Bugstrahlruder erneut. Es läuft zwar noch, aber immer nur wenige Sekunden in jede Richtung. Danach ist aus dem Bug lediglich nur noch ein deutliches Klacken zu hören. Diesem Problem müssen wir uns später widmen, denn zunächst heißt es: das defekte Segel abschlagen, verpacken und mit dem Fahrrad als Transportesel zum Segelmacher bringen. Kaum zurück an Bord, beginnt die Fehlersuche.

Die Ankerwinsch wird von derselben Batteriebank im Bug versorgt wie das Bugstrahlruder. Also zuerst der Test: Funktioniert die Winsch noch? Und tatsächlich – auch sie gibt keinen Mucks mehr. Das ist paradoxerweise eher ein gutes Zeichen, denn damit lässt sich fast ausschließen, dass sich etwas im Bugstrahlruder verfangen hat oder dessen Motor beziehungsweise die Kohlebürsten defekt sind. Das Problem muss irgendwo in der gemeinsamen Stromversorgung liegen.
Batterie leer? Ein Blick in die Victron-App, über die der Skipper viele elektrische Systeme überwachen kann, zeigt weiterhin volle 13,4 Volt auf der Batteriebank. Die beiden 100-Ah-Batterien scheinen also völlig in Ordnung zu sein. Offensichtlich bekommen die Verbraucher jedoch nicht genug Strom. Ganz tot sind sie nicht – im Inneren klickten noch die Relais.
Nach mehreren Tests tastet der Skipper die Kontakte der Anlage ab. Und siehe da: Einer davon ist deutlich warm. Ein klassisches Zeichen für einen Übergangswiderstand – oder einfacher gesagt: einen schlechten Kontakt.




Beim genaueren Hinsehen stellt sich heraus, dass eine Seite des Anschlusses am Sicherungshalter der 500-A-Sicherung warm geworden ist. Kein gutes Zeichen. Der Skipper schneidet daraufhin das Kabel ab, legt das blanke Ende direkt auf die andere Seite der Sicherung und verbindet alles provisorisch mit einer Klemme eines Überbrückungskabels.
Die Skipperin betätigt den Joystick des Bugstrahlruders – und voilà: Es funktioniert wieder.
Beim Ausbau des alten Sicherungshalters zeigt sich dann die eigentliche Ursache. Die blanken Kabel wurden bei der Montage in die Klemmen der Batteriehalterung geschoben und eine Seite war komplett korrodiert. Auf der anderen Seite des Sicherungshalters fiel die komplette Ader des Kabels praktisch von selbst aus der Klemme – allein durch leichtes Ziehen. Das hatte offenbar längere Zeit gerade noch gehalten, hätte aber jederzeit während des Betriebs zu einem Totalausfall führen können.
Nun geht es erst einmal zum Bootsausstatter. Neue Sicherungshalter, eine neue 300-A-Sicherung und neue Crimpklemmen müssen her. Denn genau dort lag das Hauptproblem: Die Kabel hatten keine sauber vercrimpten Ösen und waren nicht gut mit dem Sicherungshalter verschraubt worden. Über diese Verbindungen fließen immerhin rund 125 Ampere, sobald das Bugstrahlruder betätigt wird.
Das ganze Problem ist durch den intensiven Einsatz des Bugstrahlruders aufgetreten, aber so etwas muss das System abkönnen. Wäre dies beim Ankern passiert, wären die Auswirkungen deutlich unangenehmer gewesen!
Am Nachmittag kommt dann noch ein Motorfachmann an Bord und diagnostiziert, dass die Manschette an der Welle dringend gewechselt werden muss. Als er hört, dass wir am Freitag aus dem Wasser kommen, empfiehlt er uns, die Manschette etwas zu lösen und möglichst ohne große Umwege nach Preveza zu fahren. Dabei sollen wir regelmäßig kontrollieren, ob Wasser an der Welle eintritt. Der erwartete „Holzwurm“ wegen der Teakdeckreparatur kommt trotz telefonischer Zusage nicht vorbei.
Uns hat der Tag ziemlich angestrengt, emotional, wie körperlich. Daher beschließen wir uns ein Essen in einer der Tavernen am Hafen zu gönnen. Für 29€ bekommen wir ein Chicken-Souvlaki-Menü mit griechischem Salat, Tzatziki und einem Kaltgetränk dabei. Wir. Diskutieren, ob wir auf den Bootsbauer noch warten wollen, oder ihn in den Boatyard „umbestellen“. Lefkada Stadt bietet zwar jede Menge Infrastruktur, aber am Hafen ist es durch die vorbeiführende Straße und Bauarbeiten laut und schmutzig. Wir wollen die letzten Tage lieber in Ruhe verbringen und beschließen daher, morgen die erste Brückenöffnung zu nehmen.
Dienstag, 12.05.2026 – Lefkada Stadt – Panagia Bay/Ambrakischer Golf/38°56’N-20°52’O – 15 Seemeilen
Heute Nacht hatte sich erstmals eine Horde hungriger Mücken in unsere Kabine verirrt. Es ist uns ein Rätsel, wie ihnen das gelungen ist, denn das Mückennetz ist immer am Luk geschlossen. Entsprechend schlecht war die Nacht und wir werden noch vor Sonnenaufgang wach. Draußen ist es wieder absolut windstill und um diese Uhrzeit selbst in Lefkada Stadt ruhig. Die Sonne geht gerade über dem gegenüberliegenden Berg auf – wieder eine magische Stimmung. Wir beschließen den Plan von gestern Abend umzusetzen – es ist sogar vor dem Ablegen noch Zeit für einen Morgenkaffee im Cockpit. Dann klappen wir die Gangway ein, lösen die Mooring- und Landleinen und fahren langsam aus der Box, um schon nach wenigen Metern hängenzubleiben. Die Mooringleinen der gegenüber liegenden Boote gehen sehr flach ins Wasser. Über die erste rutscht der Kiel noch drüber, an der zweiten bleibt er hängen. Werner kuppelt umgehend aus, denn nun hängt die erste Mooringleine zwischen Kiel und Ruder genau am Propeller. Der Versuch, sie von Bord mittels Bootshaken in die Tiefe zu drücken, misslingt. Sie ist einfach zu hart gespannt. Der Skipper hat die rettende Idee, steigt ins Dinghi und schiebt Venga von der Mooring weg, indem er an der Mooring zieht und dabei die Venga ins freien Wasser drückt. Was ein Schweinkram, da die Mooringleine ständig im Wasser hängt ist diese bewachsen und strahlt einen strengen Geruch aus! Die Eigner des nächsten Bootes, an deren Mooring unser Kiel hängt, erscheinen auf dem Vorschiff und lösen ihre Mooring etwas, damit sie weit genug absinkt, um unseren Kiel passieren zu lassen. Vorsichtig kuppelt die Skipperin ein und Venga! schiebt sich mit dem Dinghi samt Skipper im Schlepp aus der Gefahrenzone. Zum Glück hat die ganze Aktion nur wenige Minuten gebraucht, so dass wir die Brückenöffnung noch leicht schaffen. Sogar das Dinghi können wir noch hochholen und aufhängen.









Die Insel Lefkada bekommt eine neue Wasserversorgung vom Festland, weshalb von Montag bis Samstag im Kanal gearbeitet wird und nur vier Brückenöffnungen pro Tag erfolgen. Gestern Mittag haben wir gesehen, wie voll es zur 12:00 – Öffnung wird. Ein Grund, sich für die frühe Öffnung zu entscheiden. Ein weiterer ist, dass morgens wenig Wind und Welle zu erwarten sind und wir so die Maschine bei niedriger Drehzahl schonen können. Der Skipper beobachtet die etwas gelöste Manschette engmaschig. Die Temperatur steigt anfangs wieder an, Wasser tritt nicht ein. Wir fahren mit 1500 Umdrehungen. Setzten zur Unterstützung das Groß, als eine leichte Brise aufkommt. So sind wir mit 4,5 Knoten unterwegs. Mit der Zeit geht die Temperatur zurück, ein Quitschen oder Singen ist nicht zu hören. Als wir in das Fahrwasser von Preveza einfahren, kommt uns der Wind entgegen. Wir bergen das Groß. Die angepeilte „Hospital Bay“ bei Preveza ist ziemlich voll. Die gesunkene Temperatur der Manschette und die Tatsache, dass kein Wasser eintritt, hat das Vertrauen in die Maschine etwas gestärkt. Wir haben noch bis Donnerstag Zeit und würden gern Baden können, denn die Wassertemperatur im Ambrakischen Golf liegt nun schon bei 22 Grad. In der vollen Hospital Bay fühlt es sich nicht gut an, ins Wasser zu gehen, da wir davon ausgehen, dass hier viele der Boote keinen Fäkalientank haben. So beschließen wir, noch gut 5 weitere Seemeilen zu motoren und lassen den Anker um 11:00 Uhr in der Panagia Bay fallen, die uns guten Schutz vor den Abendlichen Westwinden bieten sollte. Nach dem Frühstück versuchen wir etwas Schlaf nachzuholen, als vom Ufer her Musik einsetzt. Dort gibt es eine Strandbar und anscheinend ist das die normale Sommerhintergrundbeschallung. Viele Gäste gibt es nicht und so sind wir guter Dinge, dass es abends schnell ruhig wird.





Der Skipper testet beim Schwimmen gleich das gestern besorgte Reinigungsequipment für unser Unterwasserschiff und ist begeistert. Der Schleim und auch die sehr vereinzelt auftretenden Pocken lösen sich leicht.
Die Taverne am Strand beschallt uns bis 21:00 Uhr. Uns war das jetzt etwas zu viel des Guten, aber wir wollten auch nicht nochmal umankern. Nachdem Ruhe eingekehrt ist, entwickelt sich der Abend zu einem dieser ganz Besonderen: windstill, mild, kaum Geräusche, in der Ferne vereinzelte Lichter und über uns ein beeindruckender Sternenhimmel. Nur die Beleuchtung der Taverne am Ufer stört etwas. Aber die Skipperin sucht sich einen Platz im Heck, wo der Blick auf den Sternenhimmel davon nicht getrübt wird – wunderbar!







Mittwoch, 13.05.2026 – Panagia Bay/Ambrakischer Golf/38°56’N-20°52’O – Koronisi – 6 Seemeilen
Der Morgen begrüßt uns mit magischer Stimmung: das Meer fast glatt, die Sonne kämpft sich gerade durch die Wolken und vom bewaldeten Ufer hören wir das Zwitschern und Rufen verschiedener Vögel. Der Tag beginnt so wunderschön, wie der gestrige geendet hat. Zum Wachwerden schwimmen wir ein paar Runden um das Boot. Das Wasser hat hier am Morgen schon über 21 Grad. Es ist herrlich, auch wenn das Wasser im Ambrakischen Golf nicht so einladend klar und türkis ist, wie an vielen anderen Stellen im Ionischen Meer. Es erinnert in seiner etwas grün-braunen Farbe eher an die Nordsee.



Nach dem Morgenfrühstück holen wir den Anker hoch und laufen bei absoluter Flaute unter Maschine Richtung Koronisi. In der dortigen „Patentas Fisch Taverne“ wollen wir zum Abschluss noch einmal Ambrakische Tigergarnelen essen – ich wisst, die, die James Bond immer bestellt…
Kaum ist der Anker eingefahren, frischt der Wind auf. Aber da Venga! sich am Anker ja brav in den Wind stellt, ist es unter der Sprayhood so geschützt, dass wir das Bimini als Schattenspender zum Frühstück aufbauen müssen. Nachmittags kümmern wir uns etwas um unsere ToDo-Listen beim Auswassern. Was wollen wir wann erledigen? Können/müssen wir Einiges vielleicht schon morgen im Wasser erledigen?
Am späteren Nachmittag meldet sich ein kleiner Appetit und wir paddeln an Land. Nach einem kleinen Rundgang durch den Ort, steuern wir zielsicher „unsere“ Taverne an. Wir sind die einzigen Gäste und werden umgehend bedient. Heute bestellen wir zwei verschiedene Garnelen-Gerichte. Einmal Garnelen in Knoblauch-Zitronensoße und einmal Garnelen-Souvlaki. Dazu etwas Tzatziki und einen Myrtaria Spezial Salat, der neben Tomaten, Gurken und Zwiebeln auch in Streifen geschnittenen grünen Salat und fein geraspelten Weißkohl enthält. Dazu eine leckere Marinade aus Olivenöl und Balsamico – gefällt uns fast besser, als der klassische griechische Salat.





Auf dem Rückweg mit dem Dinghi zum Boot hat der Skipper ordentlich mit dem kräftigen Seitenwind zu kämpfen. Das Dinghi will nicht auf Kurs bleiben, aber letztlich fängt die Skipperin die Heckklampe ein und wir können zur verdienten Verdauungspause wieder ins Cockpit steigen. Das Bimini klappen wir wieder weg, denn nun steht die Sonne im Westen, von wo auch der Wind weht.

Donnerstag, 14.05.2026 – Koronisi – Preveza/Hospital Bay – 10 Seemeilen
Der Wind hat gestern Abend lange durchgehalten und es zogen Wolken auf, also verzogen wir uns früh unter Deck. Auch nachts wehte es noch lange ziemlich kräftig. Der frühe Morgen lockte die Skipperin wieder mit einem schönen Sonnenaufgang aus der Koje, aber beim Versuch, den Niedergang zu öffnen, schreckt sie direkt wieder zurück. Unter der Sprayhood ertönt ein Summen von unzähligen (vermeintlichen) Mücken. Wir hatten unsere Lichterkette am Niedergang angelassen und die Tierchen sind in Massen aus der Lagune unter unsere Sprayhood geflogen. Die Scheibe ist fast schwarz von kleinen Tierchen. So steigt die Skipperin aus der Luke der Bugkabine, denn der Sonnenaufgangshimmel, heute mit reichlich Wolken, will ja fotografiert werden.
Der Skipper macht sich wenig später an die Tötung der kleinen Biester. Aber ob das wirklich Mücken sind? Sie sehen so aus, sind aber viel träger und lassen sich sogar mit dem Handstaubsauger einsaugen. Mit dem Morgenkaffee setzen wir uns ins Cockpit und schauen Meer und Himmel zu, die uns abwechselnd mit beeindruckenden Wolkenformationen und einem sich immer wieder wandelnden Glitzern beeindrucken. Hin und wieder entdecken wir den Kopf einer oder mehrerer Meeresschildkröten, die Venga! in sicherer Entfernung umkreisen. Jedes Mal, wenn wir denken, wir könnten erahnen, wo sie beim nächsten Mal auftauchen, hören wir ein Luftschnappen hinter uns. Fast zwei Stunden verbringen wir so von der Natur gefesselt im Cockpit. Dann kommt ein leichter Westwind auf und die Wasseroberfläche beginnt sich immer stärker zu kräuseln. Vorbei ist es mit dem Glitzern des Meeres. Fast zeitgleich reißen die Wolken mehr und mehr auf und überlassen dem blauen Himmel die Bühne.








Nun ist es Zeit zum Aufbruch. Wir lichten den Anker und motoren die 10 Seemeilen bis Preveza. Dort fällt gegen Mittag der Anker mitten im Ankerfeld zwischen 25 anderen Booten. Wenn etwas Wind weht und die Boote sich ordentlich nach ihm ausrichten, fällt es viel leichter abzuschätzen, wo im Ankerfeld noch ein Platz ist. Wir werfen den Anker mittig zwischen den Hecks zweier Katamarane auf 5,5m und lassen 20m Kette aus. So liegen wir in der Mitte von 4 Booten und bilden zusammen eine fast perfekte „5“ wie auf einem Würfel. Wir machen es uns mit unserem Frühstück im Cockpit bequem, bevor wir mit den ersten ToDos für das „Auswassern“ beginnen. Die Skipperin macht sich an den Frühsjahrsputz in den Bädern und der Bugkabine und verpasst dabei auch dem Schwarzwassertank eine Reinigungskur. Im Anschluss macht sie sich an die Reinigung der Fenster sowie der Aufbauten von außen. In den letzten Tagen war wieder viel Saharastaub in der Luft – Venga! sieht etwas gelblich aus. Währenddessen reinigt der Skipper die Fensterdichtungen und schmiert sie mit Industrievaseline ein. So bleiben sie schön geschmeidig und die Fenster und Luken wasserdicht. Danach erledigt er noch eine Elektroaufgabe. Die Kabel am Inverter sind zu klein ausgelegt und werden warm, wenn wir über den Inverter Warmwasser im Boiler aufheizen. Also müssen neue Kabel mit einem größeren Querschnitt eingebaut werden, die dann aber auch größere Kabelschuhe bedeuten. Zum Glück ist die große Crimpzange an Bord!

Abends erwarten wir Gäste. Die Skipperin ist ja als YouTube-Fan bekannt und folgt verschiedenen Kanälen. Darunter auch die sailingclimbers (https://www.youtube.com/@SailingClimbers), ein junges kletter- und segelbegeistertes Paar (Liz und Marvin), dass es mit ihrer „Raya“, einer Dufour 35, ohne jegliche Segelerfahrung von den Niederlanden bis nach Griechenland geschafft hat. Seit Längerem steht sie mit Liz über Instagram im Kontakt und heute segeln die beiden als Crew auf einem Katamaran von Freunden (Jens und Silke mit ihrer Walross 2.1) nach Preveza. Die Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen. Die Walross-Crew kommt ebenfalls an Bord und so verbringen wir einen wunderschönen Abend zu sechst im Cockpit mit interessanten Gesprächen und spannendem Erfahrungsaustausch. Leider haben wir vor lauter Gequatsche vergessen, ein Erinnerungsfoto zu schießen. Die Bilder sind nur in unseren Köpfen…

Freitag, 15.05.2026 – Preveza/Hospital Bay – Ionion Boatyard –
Nachts zog ein unerwartetes Regengebiet mit Gewitter durch – wir werden beide davon geweckt und tun uns etwas schwer, wieder in den Schlaf zu finden. So werden wir morgens erst recht spät wach. Aber das macht nichts, unser Krantermin ist erst um 11:00 Uhr und wir sind eigentlich schon sehr weit mit den Vorbereitungen und die Marina ist nur 15 Minuten entfernt. Nach dem Morgenkaffee holen wir das Dinghi aus dem Wasser und verstauen es auf dem Vorschiff. Da kann es bis zu unserer Rückkehr im September liegen, ohne uns auf der Werft zu behindern, wenn wir mit einer Leiter über die Badeplattform an Bord klettern. Wir sind gerade damit fertig, als Werners Handy klingelt. Es ist der Boatyard, der sich erkundigt, wo wir bleiben. Wir hätten vor 15 Minuten um 9:00 Uhr einen Krantermin gehabt. Wir sind leicht irritiert, denn uns wurde per Mail 11:00 Uhr bestätigt. Da wir aber eigentlich mit allem fertig sind, sagen wir zu, in 15 Minuten vor Ort zu sein. Nun wird es doch noch etwas stressig. Wir holen den Anker hoch und tuckern los. Zum Glück sind es nur zwei Seemeilen. Vor der Kranstation drehen wir dann allerdings noch 30 Minuten Kreise, denn der Kran holt erstmal ein anderes Boot ab, das ins Wasser soll. Um 10:30 Uhr ist es dann soweit: der Skipper fährt Venga! in die Box, die Skipperin übergibt die Leinen und schon werden wir gebeten, das Boot zu verlassen. Das Kranteam ist sehr gut eingespielt und professionell. Venga! werden die Krangurte unter den dicken Bauch geschoben und genau nach den Markierungen am Rumpf ausgerichtet. Boote bis zu einer Größe von 42 Fuß dürfen vorwärts in die Box fahren, denn der Kranwagen ist groß genug, dass es keine Probleme mit dem Vorstag gibt. Wir sind sehr gespannt, wie das Unterwasserschiff aussieht. Venga! hat im September ja einen Anstrich mit dem neuartigen F2 bekommen, einem silikon- und giftfreien Unterwasseranstrich, der eine kreamisch glatte Oberfläche bildet, an der Pocken und Muscheln keinen richtigen Halt finden. Es ist ein leichter Schleimfilm auf der Oberfläche sichtbar, aber nachdem diesem mit dem Hochdruckreiniger zu Laibe gerückt wurde, perlt das Wasser von der glatten Oberfläche ab. Wir sind begeistert. Allerdings zeigen sich auch einige Abplatzungen, an denen die neue Beschichtung nicht gut auf dem alten Antifouling gehaftet hat, oder sich die alte Antifoulingschicht abgelöst hat. Diese Stellen müssen wir im September ausbessern, nachdem wir uns dafür Tipps von den Herstellern geholt haben.




Nach der gründlichen und einfachen Reinigung wird Venga! auf einen Transportwagen verladen und zu ihrem Landliegeplatz gebracht. Die Skipperin filmt den Weg im Zeitraffer. Im letzten Jahr parkte man uns in die hinterletzte Ecke des Boatyards – es waren 800m über das Gelände. Umso erstaunter sind wir nun, als der Transport gleich in die erste Stellplatzgasse abbiegt und wir nach weniger als 100m unseren Landliegeplatz erreichen. So steht Venga! mittags fertig eingeparkt und wir können aus dem Cockpit sogar einen kleinen Meerblick erhaschen, während wir die vorbereiteten Stullen verzehren. Obwohl Venga! nun auf festem Boden steht, haben wir beide das Gefühl, sie schaukelt. Dieses Gefühl kennen wir gut von früheren Segelurlauben, aber seit wir auf den Booten mehr oder weniger dauerhaft leben, hatten wir das sehr selten. Heute ist es wieder sehr ausfällig. Die Skipperin greift auf dem Weg zum Vorschiff sogar an die Reling…




Im Anschluss geht es für die Skipperin mit dem Rad zur Autovermietung am Airport und von dort nach Lefkada, um unsere reparierte Genua abzuholen und ein paar letzte Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen. Der Skipper bezahlt derweil den Liegeplatz und zerlegt unseren Großbaum, denn der wackelt im Lümmelbeschlag (so nennt man die Verbindung von Mast und Baum) und die Rollen für den Unterliekstrecker klemmen. Letzterer ist dafür zuständig, das Großsegel flacher oder bauchiger zu trimmen.

Zurück am Boot reinigt die Skipperin die Festmacher und unser Tauwerk für die Ankerralle und packt die Schmutzwäsche zusammen. Gemeinsam werden dann noch der Außenborder und die Maschine mit Süßwasser gespült, bevor es mit dem Leihwagen zum angemieteten Apartment mit Waschmaschine geht. Die erste Maschine wäscht im Schnellgang, während wir ein kühles Getränk auf dem Balkon genießen, die zweite in unserer Abwesenheit zum Abendessen. Dazu wandern wir an den Hafen – es geht wohl nicht ohne Meer!
Hiermit endet nun erstmal unsere Sonntagszeitung aus Griechenland. Am Wochenende werden wir Venga! landsicher machen und einpacken. Schon Montag geht es mit dem Bus nach Athen, von wo wir Dienstagmorgen nach Hamburg fliegen. Uns fällt es diesmal sehr schwer, hier Abschied zu nehmen. Venga! ist uns seit September als Zuhause sehr ans Herz gewachsen. Vor einem Jahr fiel uns der Abschied deutlich leichter. Da ist es gut, dass uns Zuhause lauter schöne Dinge erwarten:
- eine Bootstaufe von Freund Jochen in unserem Heimathafen Langballigau,
- ein Segeltörn mit der Möve Crew zum Vindötreffen nach Ærøskøbing,
- Geburtstags- und Essenseinladungen von Freunden,
- die letzten Hochzeitsvorbereitungen für die Hochzeit von Tochter Anna und „Schwiegersohn“ Mark,
- eine gemeinsame Reise mit Familie und Freunden der frisch Vermählten nach Spanien,
- der 90. Geburtstag unserer „Adoptivmama“ Ragnhild
- und dann ein zweimonatiger Segeltörn mit Jento.
Spätestens zu letzterem wird es dann auch wieder eine Sonntagszeitung geben, voraussichtlich am 05.07.2026. Bis dahin wünschen wir euch schöne Mai- und Juniwochen!