Manchmal kommt es eben anders als geplant. In unserem letzten Bericht aus Griechenland hatten wir euch versprochen, Anfang Juli mit dem nächsten Update zurück zu sein. Inzwischen ist schon die Monatsmitte erreicht – höchste Zeit also, das Versprechen einzulösen.
Bevor wir mit unserem ersten Wochenbericht aus der Ostseesaison starten, möchten wir euch in aller Kürze mitnehmen und die wichtigsten Erlebnisse der vergangenen Wochen zusammenfassen. Denn auch zwischen Griechenland und unserem Saisonstart ist einiges passiert.
KW 22 Ankunft in Deutschland und Segeltörn zum Vindötreffen
Schon an unserem Ankunftstag erwartete uns mit der „Bootstaufe“ des neuen Bootes von Clubfreund Jochen ein schönes Erlebnis, denn wir sehen gleich eine Menge lieber und vertrauter Gesichter wieder. Auch das Wiedersehen mit den Kindern erwärmt unsere Herzen. Ganz kurz werden die ersten organisatorischen Fragen zur anstehenden Hochzeit besprochen und die ersten ToDos angeschoben, da geht es schon wieder los. Das alljährliche Vindötreffen in Ærøskøbing steht an und da Jento noch in der Halle steht, haben wir auf der Vindö 65 „Möve“ bei Jörg, Susanne und Hund Frodo angeheuert.






Die Möve will im Anschluss weiter in den Urlaub, weshalb wir mit dem Auto nach Fynshav fahren, wo die Möve uns an Bord nimmt. Nach Fynshav fährt die Elektrofähre „Ellen“ von Ærø, weshalb uns dieser Hafen als Ausgangspunkt optimal erscheint. Bei besten Bedingungen segeln wir entspannt einmal quer durch die dänische Südsee zu unserem Ziel, wo wir in Gesellschaft vieler bekannter Gesichter und lieber Freunde ein wunderbares Pfingstwochenende bei Kaiserwetter und umgeben von 20 wunderschönen Vindös verbringen. Leider stellt sich schon am ersten Tag heraus, dass unser Plan mit der Elektrofähre nicht aufgeht, da diese mit größeren Batterieproblemen längerfristig ausfällt. Die Möve-Crew bringt uns daher nach Svendborg, von wo wir per Bus und Taxi die Fahrt nach Bojden planen, denn auch von dort fährt eine Fähre zu unserem Auto. Den letzten Nachmittag und Abend genießen wir in Beachclub und Cockpit bei leckeren Kaltgetränken.





































Auf der Busfahrt Richtung Fähre entdecken wir im Hafen von Faaborg ein bekanntes Boot: dort liegt die Samba, mit der wir letzten Sommer wundervolle Wochen im Götakanal verbracht haben. Wir steigen mit dem Plan aus, uns dort während der Wartezeit bis zur nächsten Fähre einen Kaffee zu schnorren. Kathinka und Peter begrüßen uns herzlich, wollen aber nichts davon hören, es bei einem Kaffee belassen zu wollen. Sie lassen es sich nicht nehmen, uns mit ihrer X-Yacht zum Auto zu bringen. So kommen wir in den Genuss recht sportlichen Segelns. Wir starten ohne Wind unter Motor, setzen die Segel bei der ersten einsetzenden Brise und müssen je näher wir dem Ziel kommen, ein Reff nach dem anderen einbinden. Es war ein toller Törn und hat uns viel Spaß gemacht, an dieser Stelle nochmals vielen Dank!




KW 23 bis 25 Hochzeitsvorbereitungen, Erdarbeiten und „das große Ereignis“
Schon seit Jahren denken wir über die Anschaffung einer Wärmepumpe nach. In diesem Frühjahr haben wir eine unserer Immobilien verkauft und nun die finanzielle Flexibilität, das auch durchzuziehen. Eine Firma ist bereits gefunden und das entsprechende Angebot für die Beantragung von Fördermitteln liegt vor. Neben der eigentlichen Pumpe, fallen auch Arbeiten für den Elektroanschluss und die Erdarbeiten für die Aufstellung des Außengerätes an. Diese beiden Positionen wollen wir in Eigenleistung erbringen. Um die Verlegung einer dicken Stromleitung quer durch das Haus in (hässlichen) Kabelkanälen zu vermeiden, entscheiden wir uns für die Verlegung eines entsprechenden Erdkabels um das Haus. Aber natürlich soll der Garten zur Hochzeit, die zumindest zur Hälfte dort gefeiert werden soll, wieder hübsch aussehen. Es wird eine ziemlich „knappe Kiste“, aber am Ende kommen alle benötigten Kabel und Kabelkanäle just in Time und werden alle Erdschächte rechtzeitig vor der Hochzeit wieder verschlossen.







Nebenbei besorgen wir Deko für die Hochzeit, dekorieren einen „Probetisch“ zur Mengenbestimmung, besorgen ausreichend Geschirr, Gartenmöbel, Tische und Pavillons, stellen eine Probe-Hochzeitstorte her, bestellen einen zweiten Paella-Gaskocher und kümmern uns um einen Teil des Einkaufs. Nachdem die Wettervorhersage für die Hochzeit anfangs fantastische Bedingungen erwarten ließ, verschlechtert sie sich von Tag zu Tag. Zwei Tage vor dem großen Tag, entscheiden wir trotzdem, wie geplant im Garten zu feiern. Werners Geburtstag am Tag vor der Hochzeit ist ein voller Arbeitstag für die ganze Familie: Aufbau der Pavillons, Eindecken und Dekorieren der Festtafel, Herstellung der Hochzeitstorte, Paella Vorbereitung für 25 Personen, Abholung des Leihgeschirrs und vieles mehr. Abends gönnen wir uns eine Auszeit und genießen ein gemeinsames Geburtstagsessen in einem gemütlichen Restaurant in Glücksburg.












Dann ist der große Tag da. Die Außentemperatur liegt bei 12 Grad, aber zum Glück hat der Wind etwas nachgelassen und es bleibt trocken. So können wir sowohl den Sektempfang nach der standesamtlichen Trauung an der Mühle im Freien genießen, als auch den Nachmittag und Abend bei Snacks, Paella und Hochzeitstorte im Garten. Allerdings freuen sich die leichtbekleideten weiblichen Gäste über das Angebot von Wollsocken und Wolldecken…

















Der nächste Tag versprich zusätzlich auch noch Regen, aber wir schaffen es, die Pavillons einigermaßen trocken abzubauen und im Haus fertig zu trocknen. Beim Aufbau für die Hochzeitsparty (wieder im Zelt, aber in einer Flensburger Outdoorkneipe) fassen verschiedene Hochzeitsgäste tatkräftig mit an. Beim Eintreffen der Gäste, zeigt sich der Himmel zwar schon recht dramatisch, aber ein paar Sonnenstrahlen machen das Begrüßungsgetränk draußen gerade noch möglich. Pünktlich zum Umzug ins Zelt, öffnen sich die Himmelspforten. Und während die Gäste den verschiedenen Ansprachen lauschen, steht das Grillteam draußen unter einem „Sonnenschirm“ an den Grills. Dieses Hochzeitsfest wird bei allen unauslöschlich in Erinnerung bleiben. Im Nachhinein freuen wir uns über das „gute Wetter“ des Vortages und sind froh darüber, dass die heutigen Zelte über Holzfußböden verfügen, denn draußen stehen Regen und Matsch teilweise knöchelhoch!













KW 26 und 27 – Familien-Honeymoon in Spanien
Am liebsten hätte unsere Tochter in Spanien geheiratet, was liegt da näher, als die Flitterwoche in Spanien zu verbringen? Um den Familienmitgliedern mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen zu geben, soll diese Woche zusammen mit den Familien in einem großen Ferienhaus an der Costa Blanca verbracht werden. Leider macht die Gesundheit des Vaters des Bräutigams der Sache einen Strich durch die Rechnung. Er kann leider aus Kanada nicht anreisen. Aber zumindest sein Trauzeuge und sein Bruder sind mit von der Partie und natürlich die komplette „Drews-Family“. Wir verbringen entspannte Tage bei heißem Wetter, machen trotzdem ein paar Wandertouren und hängen stundenlang im Pool ab. Die Temperaturen liegen tagsüber eigentlich permanent über 30 Grad, was nicht nur für Huskyhündin Hally zur Herausforderung wird.



























KW 28 – Wir feiern einen 90. Geburtstag und buddeln wieder
Kaum aus Spanien zurück, geht es gleich weiter mit den Feierlichkeiten. Nun steht der 90. Geburtstag unserer „Adoptivmama“ Ragnhild auf dem Programm. Nachdem sie im Winter erfuhr, dass wir zu diesem Zeitpunkt im Lande sein würden, fiel der Spontanentschluss: „dann feire ich im Restaurant „Fördeblick, wie vor 10 Jahren!“ Leider ist dort am „eigentlichen“ Geburtstag Ruhetag, aber einen Tag später geht ja auch. Zumal uns das wunderbar in die Karten spielt, denn gemeinsam mit ihrer Großkusine Anja und Mann Dieter hatten wir deren Überraschungsbesuch zum Geburtstagsfrühstück geplant. Die Freudentränen liefen dann auch auf beiden Seiten und es wurde ein unvergessliches Erlebnis für alle.




Parallel wurde im Garten weiter gebuddelt. Nun standen das Fundament und der Anschlusskanal für die Wärmepumpe an. Dafür sollte eine 20 Jahre alte Buchenhecke weichen, die sich sehr widerspenstig gab. Aber nach einigen Tagen Arbeit war auch das geschafft. Sogar einen neuer Erdkanal für den Elektroanschluss des Saunahauses erledigte der Skipper noch nebenbei. Die provisorische Verkabelung aus dem Coronawinter konnte damit endlich abgehakt werden.














KW 29 Jento wird für das Einwassern vorbereitet.
Unsere „ToDo-Liste“ für Jento ist glücklicherweise übersichtlich. Wir müssen noch das Coppercoat (Unterwasserschiff) aktivieren, heißt mit feiner Papierkörnung anschleifen, die Opferanoden prüfen und ggf. tauschen und das Boot einmal vom Staub und Vogeldreck eines Jahres in der Halle befreien. Leider stand Jento wieder unter einem der alten Richtkränze der Halle und die Vögel sorgen jedes Jahr dafür, dass trockene Nadeln und Blätterreste auf das Deck rieseln. Bei der Innenraumreinigung macht die Skipperin eine unschöne Entdeckung: Die tiefe Bilge steht voll mit Diesel. Eine unverhoffte „Baustelle“, die uns erstmal einen Tag Arbeit kostet, um den Diesel herauszupumpen und in transparenten Kanistern ruhen zu lassen. So können wir gut sehen, ob sich Wasser absetzt. Was natürlich passiert, denn unsere tiefe Bilge ist nie ganz trocken. Die Bilgenpumpe zieht irgendwann Luft und erwischt den letzten Rest nicht. Hier in der Halle arbeiten wir mit einer 10L Vakuumpumpe, mit der wir so ziemlich alles absaugen können. Den „guten Diesel“ trennen wir vom Wasser – ihn können wir wiederverwenden. Danach beginnt die Suche nach dem Grund. Wir finden ihn nicht, was sehr unbefriedigend ist. Trotz dieses Problems behalten wir unseren Zeitplan bei, bringen den Mast nach Gelting, bereiten ihn für das Stellen am Slipptag vor und schaffen die Polster und Kisten mit Ausstattung, die den Winter zuhause verbracht haben, wieder an Bord. Am 10.07. kommt Jento zurück in ihr Element, der Mast wird mit Unterstützung des Krans gestellt, der Baum samt Lazybag wird montiert und die Segel angeschlagen. Werner kümmert sich um den anstehenden Ölwechsel. Alle Handgriffe sind uns hier sehr vertraut und es klappt wie am Schnürchen. Aber wo ist eigentlich unsere Sprayhood? Ganz langsam tröpfelt die Erinnerung in unser Bewusstsein: an der Kuchenbude mussten Reparaturen durchgeführt werden und dazu brauchte die Segelmacherin Louise auch unsere Sprayhood. Welch ein Glück, dass sie sich nicht im Urlaub befindet und uns die Lieferung der fehlenden Teile für unseren Starttag verspricht.















Am nächsten Tag wird proviantiert und verstaut. Parallel genießen wir an den Abenden weitere Treffen mit Freunden und Abschiede von der Familie.
Sonntag, 12.07.2026 – Gelting – Sønderborg – 18 Seemeilen
Unsere Sprayhood wird morgens geliefert – wir sind super dankbar! Nun können wir starten. Markus bringt uns zum Boot, wo die Sprayhood montiert und alles gut verstaut wird. Durch unseren Diesel in der Bilge, haben wir viel mehr Kanister an Bord, als sonst und auch die große Vakuumpumpe ist mit von der Partie, denn noch kennen wir den Grund dieses Problems nicht und rechnen fest damit, dass wir die Pumpe unterwegs noch benötigen. Gerade wollen wir ablegen, da erreicht uns ein Anruf von Sohn Lukas. Er möchte mit Freundin Carina noch kurz vorbeikommen, vielleicht einen Schlag segeln? Klar, kein Problem. So kommen wir zu viert noch zu einem entspannten Segeltörn am Sonntagmittag zum Leuchtturm Kalkgrund, wo wir Opa Klaus in seinem Seegrab grüßen. Nachdem die beiden wieder in Gelting abgesetzt sind, segeln wir bei herrlichstem Wetter einmal quer über die Sonderburger Bucht nach Sonderburg, finden eine für uns passende Box mit Nase im Wind und Sonne im Cockpit, spannen unser Sonnensegel auf und kümmern uns um den vorrangigen Grund des Besuches: die Entsorgung von Altöl und verschmutztem Diesel. Was in Deutschland fast unmöglich oder sehr teuer ist, ist in Dänemark ein Servicestandard. In fast jedem Hafen gibt es für Segler die Möglichkeit, ihre alten Öle, Öl- und Dieselfilter und verschmutzte Lappen kostenfrei zu entsorgen – großartig!










Montag, 13.07.2026 – Sonderburg – Ankerplatz im Fænøsund – 42 Seemeilen
Der Morgen begrüßt uns mit blauem Himmel, aber ohne Wind. Wir genießen den Morgenkaffee im Cockpit und besprechen das heutige Ziel. „Eigentlich“ wollten wir ja nonstop nach Norwegen, aber der Wettergott hat andere Pläne. Für die nächste Woche ist nur sehr schwacher Wind und der aus nördlichen Richtungen vorhergesagt. Also schauen wir von Tag zu Tag, was geht. Wir nehmen die Brücke um 9:45 und laufen unter Motor durch Alsensund und Alsenfjord. An seinem Ausgang ist tatsächlich etwas Wind spürbar und wir setzen die Segel. Bei maximal möglicher Höhe können wir die Insel Bågø anliegen. Damit steht das Ziel fest. Leider verlässt uns der Wind nach zwei schönen Segelstunden wieder. Wir bergen die Segel und laufen unter Maschine weiter. Vor uns braut sich etwas zusammen – der Himmel macht auf Drama. Als die Gewitterzelle uns erreicht, sind wir froh, unter Maschine unterwegs zu sein. Plötzlich springt die Windanzeige von 3 Knoten aus Nordwest auf bis zu 20 Knoten aus Ost und bringt auch Regen mit. Das Schauspiel dauert zum Glück nur 20 Minuten, dann ist es wieder windstill und die Sonne kommt zurück. Die Turbojen der Dansk Tursejleren, die wir vor Bågø im Visier hatten, sind schon belegt – Hauptsaison eben. Es ist noch früher Nachmittag, also beschließen wir die Motorfahrt bis in den Fænøsund (Middelfart) fortzusetzen. Unterwegs besuchen uns spielende Tümmler und ein neugieriger Seehund – beide nur auf Videos festgehalten, die wir hier leider nicht einbinden können. Auch dort sind die Bojen bereits belegt, also werfen wir den Anker und erleben einen magischen Abend mit einem feuerspeienden Wolkendrachen im Norden. Es ist windstill, aber im Sund herrscht eine starke Strömung. Es ist irritierend, wenn man vor Anker im Cockpit sitzt und beim Blick ins Wasser den Eindruck hat, in Bewegung zu sein. Seegras und Quallen (leider auch Feuerquallen) treiben an uns vorbei und verfangen sich in unserer Ankerleine.













Dienstag, 14.07.2026 – Fænøsund – Endelave – 29 Seemeilen
Die Skipperin wird früh wach. Der Blick aus der Koje durch das geöffnete Luk zeigt ein warmes Morgenlicht. Es ist weiterhin windstill. An Schlafen ist nicht mehr zu denken, sie krabbelt leise aus der Koje und genießt einen magischen Morgen. Die Sonne geht genauso schön auf, wie sie untergegangen ist. Auf dem Wasser zeigt sich ein goldenes Spiel des frühen Morgenlichts und auf der benachbarten Insel kann sie durch das Fernglas auf einer Lichtung 30 Tiere einer Dammwildherde zählen, die in aller Ruhe grasen. Ein sich nähernder Radfahrer stört sie in ihrer Ruhe und schnell springen sie in den Schutz des Waldes zurück.




Wir starten früh und wieder unter Maschine. Es soll weiter nach Norden gehen auf der Suche nach Wind. Im kleinen Belt schiebt uns die Strömung mit teilweise 2 Knoten an, so dass wir bei gedrosselter Drehzahl immer noch mehr als 6 Knoten Fahrt über Grund machen. Auch hier sehen wir wieder mehrere Tümmler. Da wir früh unterwegs sind, entscheiden wir uns beim Verlassen des kleinen Beltes, weiter in Richtung Endelave zu laufen. Dort befindet sich gerade die Penelope mit Thomas und Anja, weitere Freunde aus dem Götakanal. Anja vermeldet uns, dass der Hafen „proppevoll“ sei und so wählen wir die Ankerbucht neben dem Hafen. Hier liegen schon einige Boote und es wird schnell flach. Wir wählen einen Platz auf 3,5 Metern, fahren den Anker gut ein und gehen erstmal ins Wasser, um ein paar Runden um Jento zu schwimmen. Im ersten Moment fühlt es sich kalt an, aber dann ist es einfach herrlich. Nur die Angst vor den Feuerquallen trübt den Badegenuss – wir schwimmen mit langem Hals und scannen das Wasser vor uns.






Für den Abend haben wir uns auf der Badeplattform für einen Sundowner verabredet. Also muss das Dinghi aufgepumpt und der Außenborder montiert werden. Leider stellt sich heraus, dass der Akku total leer ist. Also werden wir wohl paddeln müssen. Am Nachmittag frischt der Wind auf und wir beobachten genau, ob der Anker hält. Aber alles ist gut und so trauen wir uns abends von Bord. Die Wiedersehensfreude ist groß und wir haben gegenseitig so einiges zu berichten. Zum Sonnenuntergang suchen wir uns ein schönes Plätzchen an der Badebrücke und beobachten wenig später drei junge Dänen, die splitterfasernackt in einem Dinghi an uns vorbei paddeln. Das sieht genau so aus, wie unseres. Der Skipper läuft zu unserer Dinghi-Anlegestelle und tatsächlich, es IST unseres, dass sich die reichlich angetrunkenen jungen Leute ausgeliehen haben. Schnell ist die Sache geklärt und das Dinghi wieder an Ort und Stelle. Der Sonnenuntergang und besonders die Stunde danach tauchen das Ankerfeld in ein magisches gold-orangenes Licht. Als wir zurück zum Boot paddeln, hat es den Anschein, wir würden darin baden.







Mittwoch, 15.07.2026 – Endelave – Mårup – 18 Seemeilen
Unsere „Ankerapp“ Navily hatte uns schon gestern davor gewarnt, dass der Ankerplatz in den Morgenstunden unruhig werden würde. Bei dem absolut stillen Abend, konnten wir uns das nicht vorstellen, aber es stimmte. Morgens um 6 wird selbst die Skipperin von Jentos Gestampfe am Anker wach. Also kurz einen Kaffee kochen und dann los. Endlich weht segelbarer Wind, aber er kommt direkt von vorne und rund um Endelave ist es flach und man muss sich an die Fahrwasser halten. Viel Platz zum Kreuzen ist hier nicht. Dazu kommt, dass, bedingt durch die geringe Wassertiefe, sich steile, kurze Wellen aufbauen, die Jento gar nicht mag. Sie stampft sich fest. Also müssen wir uns bis zum „Ausgang“ unter Maschine kämpfen. Dann setzen wir das Groß, können abfallen, die Genua ausrollen und endlich schön Segeln. Leider hält die Freude nur zwei Stunden an, dann schläft der Wind wieder ein und die letzten 5 Meilen nach Mårup kommt wieder das Dieselsegel zum Einsatz.




Dort finden wir einen schönen Liegeplatz, genießen ein ausgiebiges Frühstück samt „Wohneinheit“ (die Nacht war zu kurz), bevor wir zu einer Wanderung nach Nordby zum „Gammle Købmand“ aufbrechen. Entlang der Westküste der Insel geht es hügelauf und hügelab, entlang des Ufers über Steinstrand (mit Badestop – herrlich alleine FKK) und dann wieder hügelauf bis zum Ziel. Die Pause genießen wir bei erwischendem Rhabarbersaft und leckerer Himbeerschnitte. Leider vermisst der Skipper seine Brille – ob die beim Badestop liegengeblieben ist? Wir laufen den gleichen Weg zurück, kontrollieren alle Fotostellen mehrfach, aber die Brille bleibt verschwunden. Sehr ärgerlich! Nach 16 Kilometern kommen wir ermattet (HITZE!) und etwas frustriert wieder bei Jento an.


























Unterdessen sind wir in Kontakt mit Clubkollege Jochen, der sich auf dem Heimweg von Schweden nach Langballigau befindet und vereinbaren ein Treffen für den morgigen Abend zum Grillen.
Donnerstag, 16.07.2026 – Mårup – Hafentag
So ein Tag Pause ist ja auch einfach schön! Wir nutzen ihn für eine vormittägliche Rundwanderung mit Badestopp an der karibischen Ostküste der Insel sowie einem Einkauf beim örtlichen Brugsen auf dem Rückweg. Den Nachmittag verbringen wir mit Berichtschreiben, Baden und Faulenzen, bevor die Skaldyr sich dem Hafen immer mehr nähert und die Grillvorbereitungen starten. Gemeinsam verbringen wir einen wunderschönen Abend mit Blick auf Strand und Meer. Wir haben alle viel zu berichten und so wird es Mitternacht, bis wir den Weg in die Koje finden.











Freitag, 17.07.2026 – Mårup – Ebeltoft – 20 Seemeilen
Auch für den heutigen Tag haben wir uns mit Freunden verabredet. Letzte Woche haben wir Christian zu seinem Geburtstag einen Gutschein für „ein Paella Essen irgendwo und irgendwann in den nächsten Wochen in Dänemark“ geschenkt. Wie der Zufall es will sind die beiden an diesem Wochenende in Dänemark eingeladen und dorthin mit dem Wohnmobil unterwegs. Sohn Markus hat ihm deshalb schon gestern Paellapfanne, Brenner, Gasflasche und benötigte Gewürze mitgegeben und heute wollen wir uns in Ebeltoft treffen. Wir brechen früh auf, um rechtzeitig dort anzukommen und einen Liegeplatz zu ergattern, denn reservieren konnten wir nicht. Der anfängliche leichte Südostwind schläft leider schnell ein. Ihr wisst, was kommt: Motorfahrt. Irgendwie haben wir ein „Griechenland-Deja Vu“. Es gibt auch hier zurzeit wenig Wind! Unterwegs pumpen wir versuchsweise etwas Flüssigkeit aus der tiefen Bilge ab und ziehen im prompt einen schillernden Film hinter uns her – so ein Mist. Vorgestern war es nur Wasser, jetzt scheint sich auch wieder etwas Diesel dort angesammelt zu haben – so kann das nicht weitergehen!


In Ebeltoft erwarten uns Wiebke und Christian mit ihrem Kajak am Hafen, um uns die vorsorglich auf Rot gestellte Box zu zeigen. Alle Häfen sind schon nahezu gefüllt, so dass wir sehr dankbar für diese Unterstützung bei der (illegalen?) Platzreservierung sind. Als Jento sicher vertäut in der Box liegt, kommen sie für einen ersten Schnack an Bord. Wir verabreden uns nach dem Frühstück und einer kleinen Wohneinheit zu einem Stadtbesuch, denn Ebeltoft ist ausgesprochen hübsch mit seiner bunten Einkaufsstraße, den kleinen inhabergeführten Läden, einladenden Cafés und alten Fachwerkhäusern. Wir lassen uns Zeit, schlendern gemächlich durch die Gassen und lassen den Blick rechts und links schweifen, um mal hier und mal dort einen Blick in einen der kleinen Läden und hübschen Hinterhöfe zu werfen. Zum Abschluss gibt es ein Eis von der Eisdiele mit der längsten Schlange – das muss ja gut sein! Für eine Kugel werden stolze 36 dänische Kronen (= 4,80€). Da macht es Sinn sich ein Eis mit zwei Kugeln zu teilen, denn das kostet nur 48 DKR…






Nach dem Einkauf der fehlenden Zutaten machen wir uns an die Vorbereitung. Direkt vor unserem Liegeplatz mit Blick gen Westen und auf die Bucht steht ein Picknicktisch, den wählen wir für unser Abendessen. Kaum ist alles hübsch eingedeckt und die Paella anfängt vor sich hin zu brutzeln, sagt uns ein Blick auf Horizont und Wetterapp nichts Gutes voraus. Da ziehen Gewitterfronten durch, die auch Regen im Gepäck haben. Schnell wird die Kuchenbude aufgebaut, schon setzt der Regen ein. Dicke Tropfen sorgen dafür, dass der Paella-Koch in kürzester Zeit platschnass ist. Die Paella ist auch etwas verwässert, aber wird schnell mit Alufolie abgedeckt. Tischdecke und Polster sind erstmal nicht zu retten, alles andere wird eingepackt, in die Kuchenbude transportiert und abgetrocknet. Die Gäste sind zum Glück noch nicht mit dem Fahrrad unterwegs. Etwas verspätet, aber wieder bei Trockenheit genießen wir die mitgebrachten Getränke mit Blick auf Paella und Bucht, bevor es zum Verzehr sicherheitshalber an Bord und in die Kuchenbude geht. Natürlich bleibt es bei diesem einen heftigen Schauer und zum Verdauungsspaziergang zeigt sich die Welt draußen friedlich. Nur im Westen macht der Himmel noch etwas auf Drama. Ein ausgesprochen schöner Abend und eine wunderbare erste Ostseewoche gehen zu ende.










